Techcrunch Disrupt Tag 1: Klonkrieger und Pioniere
Kommentare

Gestern Nachmittag gegen 17 Uhr auf der Techcrunch Disrupt in der Arena Berlin: Ich sitze auf dem Boden gegen eine Wand gelehnt und freue mich endlich eine Steckdose in der riesigen Halle gefunden zu haben. Auf der Bühne vor mir pitchen Startups und kämpfen um die Gunst der Juroren. Die Köpfe des Publikums neigen sich, wie auf solchen Veranstaltungen üblich, über die Displays von Smartphones und Laptops. Neben mir sitzt ein junger Mann Anfang Vierzig. Auf seinem Badge steht in großer Schrift „ebay Kleinanzeigen“. Auch er klickt sich durch E-Mails, checkt Google-Analytics-Zahlen und hebt nur ab und zu den Kopf, wenn auf der Bühne etwas unerwartetes passiert.

Techcrunch Disrupt Tag 1: Klonkrieger und PioniereKopf runter und aufs Smartphone schauen: das Publikum auf der Disrupt (© S&S Media Group).

Viel Unerwartetes passierte aber bisher nicht. Der Gang durch die Startup Alley, in der sich ein Gründerteam neben dem anderen aufgereiht hat, um Medienvertreter und Investoren auf sich aufmerksam zu machen, ist zwar groß und manche von ihnen haben durchaus das Potenzial erfolgreich zu werden – aber Sensationelles habe ich hier nicht gefunden.

Was man hingegen bei allen findet ist Freude: Freude, dass sich die Techcrunch Disrupt nach ihren Stationen in San Francisco und Peking ausgerechnet Berlin als Austragungsort für ihre erste Veranstaltung auf europäischem Boden ausgesucht hat. Für internationales Flair sorgen unter anderem auch nach Ländern unterteilte Ecken der Alley, wie der israelische oder der arabische Pavillion.

Techcrunch Disrupt Startup AlleyDie Startup Alley auf der Techcrunch Disrupt (© S&S Media Group).

Die Konzepte der hier präsentierenden Unternehmen hauen einen nicht unbedingt vom Hocker, denn sie erinnern oft bereits bestehende Ideen von etablierten Online-Firmen. So ist es nicht ungewöhnlich, dass bei den Unternehmenspräsentationen immer wieder Sätze fallen wie „Wir sind wie Foursquare, nur viel besser“.

Aber ist eigentlich etwas falsch daran, bestehende Ideen zu optimieren und damit auf ein neues Level zu hieven? Den Auftakt der Konferenz markierte schließlich ein „Fireside Talk“ mit dem Marc Samwer, der in dafür bekannt ist zusammen mit seinen Brüdern Oliver und Alexander gerne einmal erfolgreiche Konzepte, wie eBay oder Pinterest, ebenso erfolgreich zu imitieren. Nicht zuletzt deswegen sind die Samwer-Brüder in der Szene auch als Klonkrieger bekannt, bewundert und verschrien. Der Erfolg gibt den Klonkriegern aber Recht. So verkündete Samwer, dass er und seine Brüder hierzulande die meisten IT-Millionäre hervorgebracht und rund 50.000 Arbeitsplätze geschaffen hätten.

Von solchen Erfolgen sind die Startups, die auch am zweiten Konferenztag auf der Bühne um die Wette pitchen, noch weit entfernt. Und vielleicht sollten wir im Publikum heute einmal öfter von unseren iPhones und Laptops aufschauen und auch auf die leisen Zwischentöne bei den Präsentationen achten. Vielleicht befindet sich auf der Techcrunch Disrupt unter den vielen Gründern ja doch eine ganz große Sensation, die bisher noch nicht zu Wort gekommen ist.

Techcrunch Disrupt Startup Alley
© S&S Media Group

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -