IPO von Food Startup geplant

Unicorn Europas: HelloFresh reif für die Börse
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Die Online-Nachfrage von Essenslieferungen wächst. Nun soll HelloFresh als erstes Startup aus der Branche an die Börse. Euphorie und Zahlen sind groß, Bedenken bislang eher Nebensache. Ein Blick auf Chancen und Risiken eines der aussichtsreichsten Startups Europas.

Ob Gemüsekisten mit regionalen Erzeugnissen, Koch-Abo-Boxen oder Einkäufe aus dem Supermarkt – das Online-Geschäft mit Food-Lieferservices ist europaweit längst zum Zugpferd von Rocket Internet geworden. Rocket ist an den Food Startups HelloFresh, Bonavito, Eatfirst, Foodpanda und CaterWings beteiligt. Allein Hellofresh ist bereits in sieben Ländern aktiv und konnte 2014 eine Wachstumsrate von 392% Prozent hinlegen. Die gelieferte Box mit Lebensmitteln samt wöchentlich neu erscheinenden Rezepten kommt vor allem in den Ballungszentren Europas gut an. Laut einer Bitcom-Studie bestellten allein 2014 rund 15 Millionen Bundesbürger bei einem Online-Lieferdienst. Und der Trend hält weiter an: Gründerszene zufolge gibt es momentan 530.000 aktive Abonnenten bei HelloFresh.

Nun soll HelloFresh als erstes Startup der Branche in Frankfurt an die Börse gebracht werden, damit das Erfolgsmodell das finanzielle Fundament erhält. Rocket hält Anteile von rund 56,4 Prozent an dem Lieferservice für Rezepte und Lebensmittel. Erst in der letzten Finanzierungsrunde im September konnte das Startup weitere 75 Millionen Euro durch den schottischen Investor Baillie Gifford sammeln. Zuvor waren es laut TechCrunch bereits 193,5 Millionen US-Dollar. Mit einem geschätzten Unternehmenswert von rund 2,6 Milliarden Euro ist HelloFresh damit eines der wertvollsten Startups Europas und wird deshalb zurecht als Europas Unicorn tituliert. Bei dem Börsengang werden wohl vor allem neue Aktien ausgegeben. Geplant ist, durch eine Platzierungsreserve Anteilsscheine herauszugeben.

Nachfrage an Food-Lieferservices steigt

Dem Handelsblatt zufolge stehe der genaue Zeitpunkt noch nicht fest, wann die Wertpapiere in Umlauf gebracht werden. Der durch die US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley begleitete Börsengang werde aber wohl in einem Monat zur Erstnotiz gebracht. Rocket Internet ist selbst vor ziemlich genau einem Jahr an der Börse gegangen und ist nach eigenen Angaben in über 100 Ländern aktiv, darunter auch mit Foodpanda außerhalb Europas. Food-Lieferservices sind immer häufiger gefragt, vor allem bei Städtern, die nicht auf frische Erzeugnisse aus der Region verzichten wollen oder Zeit bei der Beschaffung einsparen möchten. Während Food-Lifestyle und gesunde Ernährung längst bei der Generation über Dreißig zum guten Ton gehören und auch die Kaufkraft vorhanden ist, könnten sich laut der Bitcom-Studie auch rund 43 Prozent der Befragten zwischen 14 und 29 Jahren vorstellen, einen Lieferservice-Dienst wie HelloFresh zukünftig in Anspruch zu nehmen.

Überbewertung oder Durchstarter?

Trotz der aussichtsreichen Kundennachfrage wettern einige Analysten, dass es sich bei dem Startup HelloFresh schlichtweg um eine Fantasiebewertung handle. Denn obwohl das Startup mittlerweile vier Millionen Mahlzeiten im Monat ausliefern soll, lasse das Unternehmen noch mit schwarzen Zahlen auf sich warten. Auch Rocket Internet ist bereits auf dem besten Weg, den anfänglichen Ausgabepreis zu halbieren. Rocket ist nicht nur dafür berüchtigt, Unternehmen aus den USA in Europa ein wenig abgeändert und unter eigenem Label einzuführen, sondern auch mit Paukenschlägen die PR-Trommel und Euphorie anzuheizen. Da jedoch bis zum Börsengang noch einige Woche vergehen werden, hat zumindest HelloFresh die Gelegenheit, sich von der besten Seite gegenüber potenziellen Anlegern zu präsentieren. Nach der Ankündigung des Börsengangs ist zumindest schon mal der Kurs von Rocket Internet um etwa fünf Prozent gestiegen.

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