Interview mit den Startup-Gründern

Visual Caffeine: Smartes Licht analysiert den Biorhythmus des Nutzers
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Zebra ist ein Münchener Startup, das mit intelligentem Licht, genannt Visual Caffeine, der Müdigkeit am Arbeitsplatz entgegenwirken will. Wir haben uns mit der Gründern über ihre Idee und ihre Zukunftsvisionen unterhalten.

WebMagazin: Erklärt uns doch bitte das Prinzip von Visual Caffeine, wie funktioniert eure Idee?

Zebra-Team: Wir nutzen Licht, um Menschen am Arbeitsplatz effizienter zu machen. Wir kennen das aus dem eigenen Leben: Man sitzt immer wieder im Büro, ist etwas müde, nicht richtig konzentriert und versucht es mit viel Kaffee zu lösen oder macht Überstunden.

Das ist erwiesenermaßen für Arbeitgeber wie -nehmer schlecht und unnötig: Häufig wird die Müdigkeit nämlich von schlechtem Licht verursacht. Genau das lösen wir mit unserem intelligenten Licht. Wir haben eine eigene Lichtsteuerung für LED-Lampen entwickelt. Sie analysiert den Biorhythmus von jedem Benutzer und passt das Licht dann automatisch an.

Es ist so, als könnte jeder auf der Welt die Sonne Kaliforniens in seinem Büro haben. Und dann auch noch individualisiert für jeden einzelnen Benutzer. Unsere Lösung ist ein Komplettpaket aus Leuchte und Steuerung und wir helfen Geschäftskunden bei Bedarf bei der Einrichtung.

Außerdem handelt es sich um eine Schreibtischleuchte, es sind also keine kostspieligen Veränderungen am Gebäude notwendig und man kann schon mit einem einzigen Arbeitsplatz beginnen.

WebMagazin: Was macht Visual Caffeine besonders, wer sind eure Mitbewerber und was unterscheidet euch vom Rest?

Zebra-Team: Wichtig vorab, weil ich das häufig gefragt werde: Unser Angebot richtet sich ausschließlich an Geschäftskunden, Büros und Freelancer. Also auch Einzelpersonen, aber zum Arbeiten, nicht fürs Wohnen.

Unsere Mitbewerber sind Anbieter von Büroausstattung und -Lösungen, die das Arbeiten am Arbeitsplatz angenehmer und gesünder machen. Das sind ein paar verschiedene Gruppen: Zum einen natürlich klassische Beleuchtungstechnik, zum anderen aber auch Dienstleister wie Trainer, die helfen, stressfrei und konzentriert zu arbeiten.

Wir unterscheiden uns zentral von diesen Anbietern: Wir benutzen Licht nicht nur als notwendiges Übel, dessen Potenzial von unseren Wettbewerbern kaum genutzt wird, sondern machen es der Sonne ähnlicher und erreichen damit den positiven Effekt. Zusätzlich ist die meiste Bürotechnik noch ziemlich „dumm“. Zahlreiche Firmen sind deswegen heute schon dabei, „intelligente“ Technik in Büros zu installieren. Viele existierende Lösungsanbieter bieten aber immer noch die primitive Technik aus den 80ern an. Diese muss meist manuell gesteuert werden und die Büronutzer nutzen es dann nicht.

Ein mehr betrieblicher und interner Faktor, der uns von vielen Startups unterscheidet, ist die Unterstützung, die wir vom CDTM der TU München und von Founder.org bekommen. Das CDTM ist der erfolgreichste, akademische Startup Hub in Deutschland. Founder.org ist ein Programm von dem Silicon-Valley-Unternehmer Michael Baum. In diesem Programm erhalten wir wöchentlich intensives Coaching zu all unseren geschäftlichen Fragen von Menschen, die bereits Firmen in den USA zum Börsengang verholfen haben.

WebMagazin: Auf welcher Entwicklungsstufe befindet ihr euch gerade bzw. wann seid ihr live gegangen? Wie werdet ihr finanziert?

Zebra-Team: Wir sind in der Prototypen-Phase: Wir sind kurz davor, unseren ersten Prototypen an unsere Pilotkunden auszuliefern und erstes Feedback aus der realen Umgebung einzuarbeiten, bis wir ca. im Juni 2015 ein ausgereiftes Produkt werden anbieten können. Wir sind durch Founder.org und Wettbewerbe finanziert und haben entsprechend die 10K Challenge von Founder.org sowie den DVPT Zukunftspreis Kommunikation in der Kategorie “Work” gewonnen.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler eures Monetarisierungskonzeptes, wie verdient ihr Geld?

Zebra-Team: Unser Produkt besteht aus zwei Komponenten: Der Steuerungssoftware Visual Caffeine und einer passenden Leuchte. Wir verdienen Geld über die Software – der Kunde abonniert diese als „software as a service“ und zahlt eine monatliche Gebühr. Das klingt ungewöhnlich, macht aber für beide Seiten Sinn – wir verfeinern ständig die Software und der Kunde profitiert davon. Die Leuchte wiederum kommt von einem Partner. Wir denken auch darüber nach, unsere eigenen Leuchten anzubieten und damit Geld zu verdienen.

WebMagazin: Wie seid ihr auf die Idee von Visual Caffeine gekommen und was habt ihr vorher gemacht?

Zebra-Team: Unser Chef der Produktentwicklung, Raphael, hat ein Jahr lang neben München in Kalifornien an der University of California in Berkeley studiert. Weil in Kalifornien das Wetter so schön ist, viele Büroräume aber selbst an so einer renommierten Universität nicht gut beleuchtet sind, entstand die Idee aus dem eigenen Alltag. Wir dachten uns wirklich: „Mensch, das müsste doch eigentlich mal jemand besser machen.“ Nach einem zufälligen Treffen mit Tony Fadell, dem Erfinder des iPods und Chefs der Smart-Home-Firma Nest (jetzt Google) kam dann der Impuls, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Man könnte sagen, dass wir so etwas wie “Nest für Licht und Büros” machen.

Raphael hat davor Informatik an der TU München, Hong Kong University of Science and Technology und in Berkeley studiert sowie Technology Management am CDTM (Center of Digital Technology and Management der TU und LMU München) gelegt. Das CDTM bietet ein Zusatzstudium an und ist eine Startplattform zur Gründung der eigenen Firma aus dem Studium heraus.

Fabian hat Elektrotechnik an der TU München studiert und mit Raphael in einem Kurs zusammen eine Recyclingmaschine entwickelt und sich in Machine Learning und Steuerungstechnik vertieft.

WebMagazin: Und zum Schluss, warum München?

Zebra-Team: Ob wir in München bleiben, wissen wir noch gar nicht. Zum Anfangen eignet es sich aber sehr gut, denn München hat hervorragende Technik- und Design-Studenten sowie eine sehr gute Infrastruktur. Im internationalen Vergleich sind auch die Kosten, eine Technik-Firma in München zu starten, moderat. Zudem gibt es in München viele Firmen, die sich mit Beleuchtungstechnik beschäftigen und für uns als Partner in Frage kommen.

Vorteil von München sind die deutlich geringeren Kosten als im Silicon Valley, dort ist alles extrem teuer. Nicht zu vernachlässigen ist auch die hohe Lebensqualität und generell angenehme Atmosphäre in München.

An München und Deutschland ist im Prinzip nur auszusetzen, dass die Deutschen stets zu kompliziert, zu langsam und zu klein denken im Geschäftlichen. Das manifestiert sich in genau zwei Richtungen: Es ist zu wenig Kapital vorhanden und die Kunden in Deutschland sind für fast jedes Produkt zu schwierig zu akquirieren, weil sie viel skeptischer sind als amerikanische Kunden.

Für uns bedeutet das, dass wir das Beste beider Welten kombinieren werden – die gute deutsche Technik mit amerikanischem Geschäftssinn. Verkaufen wollen wir ohnehin in der ganzen Welt.

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