Die Idee

„Wir brauchen mehr Unternehmergeist in unserem Land“
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Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel spricht im Interview mit dem Deutschen Gründerpreis für Schüler über Wirtschaft in der Schule, Entwicklungen auf dem Gründermarkt und gibt jungen Menschen Tipps für den Sprung in die Selbständigkeit.

Beim Deutschen Gründerpreis für Schüler arbeiten Schülerinnen und Schüler engagiert und zusätzlich zum Unterricht an eigenen Geschäftsideen. Im Unterricht dagegen kommt das Thema oft zu kurz, bemängeln Experten und auch die Schüler selbst. Brauchen wir mehr Wirtschaft in der Schule?

Gabriel: Ja, wir brauchen mehr Wirtschaft in der Schule. Denn Schulen nehmen eine ganz wichtige Funktion ein. Sie erklären Jugendlichen bereits früh wirtschaftliche Zusammenhänge und führen sie an Gründung und Unternehmertum heran. Die Jugendlichen sind daran auch interessiert. Junge Menschen haben viele tolle Ideen, sie sind neugierig und begeisterungsfähig. Sie wollen die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in der Praxis kennenlernen. Gerade im IT-Bereich. Deshalb mache ich mich auch für Programmiersprachen als zweite Fremdsprache stark.

Statistiken zeigen: In Deutschland sind junge Menschen motiviert, aber eher zurückhaltend, sich als Existenzgründer auszuprobieren. Woran liegt das, was müsste passieren, damit sich die Situation verbessert?

Gabriel: Gerade junge Menschen haben oft noch ein traditionell geprägtes Unternehmerbild. Die jungen Start-ups in der Internetbranche zeigen ein ganz anderes Bild: Die Gründerinnen und Gründer sind jung, gut ausgebildet, dynamisch und international. Ich wünsche mir noch mehr erfolgreiche Gründerinnen und Gründer, die als Vorbilder aktiv die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Wirtschaft unterstützen. Hierzu tragen wir mit der Initiative „Unternehmergeist in die Schulen“, zu der auch der Gründerpreis für Schüler gehört, bei. Dort lernen die Schülerinnen und Schüler erstens etwas für das Leben und zweitens, wie die Wirtschaft funktioniert. Im Rahmen von spannenden Projekten wie Schülerfirmen oder bei Unternehmensbesuchen können die Schüler sehen, dass man nicht nur Arbeiter, Angestellter oder Beamter werden kann, sondern auch eine unternehmerische Selbständigkeit und die Umsetzung eigener Ideen viel Freude und Selbstbestätigung verschaffen können.

Was macht die Regierung, um junge Menschen bei der Existenzgründung zu fördern?

Gabriel: Zuallererst unterstützen wir den Deutschen Gründerpreis für Schüler. Wir sind von Beginn an dabei und freuen uns über die sehr positive Resonanz. In unserer Initiative „Unternehmergeist in die Schulen“ bieten wir in Kooperation mit derzeit 15 bundesweit tätigen Projekten die Möglichkeit, erste unternehmerische Erfahrungen in Form von Schülerfirmen zu sammeln. Dazu gehört auch die Plattform www.unternehmergeist-macht-schule.de, auf der informative Materialien für Lehrer und Schüler angeboten werden wie das Online-Planspiel „BeBoss“, mit dem die Gründung und Führung einer virtuellen Werbeagentur gespielt werden kann.

Und für Studierende und junge Wissenschaftler gibt es das EXIST-Programm mit finanzieller Unterstützung in der Startphase. Damit können sie ihre Ideen und Forschungsergebnisse aus dem Studium zu einem Businessplan und tragfähigen Geschäftskonzepten weiterentwickeln.

Was raten Sie jungen Menschen, die den Sprung in die Selbständigkeit wagen wollen?

Gabriel: Seien Sie mutig und wagen Sie den Sprung. Eine gründliche Vorbereitung,Chancen und Risiken abzuwägen, gehört natürlich auch dazu. Haben Sie Zuversicht und lassen Sie sich von Ihrem Vorhaben nicht abbringen. Wichtig dabei sind Kreativität, Verantwortungsbereitschaft und Teamfähigkeit. Wir brauchen mehr Unternehmergeist in unserem Land, denn Gründerinnen und Gründer setzen kreative Ideen und Innovationen in neue Geschäftskonzepte um und schaffen damit Arbeitsplätze.
Außerdem brauchen wir mehr Gründerinnen. Da finde ich es toll, dass immer mehr Mädchen bei den Schülerfirmen engagiert sind. Rund 50 Prozent der Teilnehmer an Schülerfirmen sind Mädchen, meistens sogar als Geschäftsführerinnen.

Sie waren früher selbst Lehrer: Was schätzen Sie besonders an Schüler- und Existenzgründerwettbewerben?

Gabriel: Wettbewerbe motivieren. Sie bieten den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, ihre Projekte einer fachkundigen Jury zu präsentieren und damit den Erfolg und die Anerkennung für ihr Engagement und ihren Einsatz zu bekommen. Aber auch den Lehrerinnen und Lehrern gebührt eine große Anerkennung. Wir alle wissen von den hohen Anforderungen und Belastungen im Schulalltag für Lehrer und Schüler. Häufig hängt es neben dem persönlichen Engagement der Lehrerinnen und Lehrer auch von der notwendigen Unterstützung der Schulleitung ab, dass spannende Projekte wie etwa Schülerfirmen durchgeführt werden können.

 

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Quelle: BMWi

„Unternehmergeist in die Schulen“ wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ins Leben gerufen, das derzeit den Vorsitz führt.

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