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WirNachbarn: Interview mit den Gründern
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Vergangene Woche hatten wir über das neue Online-Netzwerk berichtet, das die gute alte Nachbarschaft zum neuen Leben erwecken und das soziale Engagement unter Nachbarn steigern will. Wir haben uns mit einem der Gründer von WirNachbarn, Philipp Götting, über die Ziele des Startups, seine Entstehungsgeschichte und die Zukunftspläne von WirNachbarn unterhalten.   

WebMagazin: Erklär uns doch bitte das Prinzip von WirNachbarn, wie funktioniert eure Idee?

Philipp Götting: WirNachbarn ist das soziale Netzwerk für Nachbarschaften. Hier können sich Nachbarn austauschen, kennenlernen und unterstützen. WirNachbarn erleichtert den Alltag und stärkt das nachbarschaftliche Miteinander. Nachbarn nutzen es beispielsweise für Empfehlungen: ob guter Klempner in der Nähe, zuverlässiger Babysitter, Beobachtungen (unser Kinderspielplatz ist demoliert usw.), meine Katze ist entlaufen, Kleinanzeigen, Tisch abzugeben, biete Gartenarbeiten. Nachbarn können über das Netzwerk auch Dinge tauschen: Wer leiht mir einen Akku-Bohrer, Saftmaschine? Bis hin zur Organisation von Flohmärkten, Straßenfesten, Sportgruppen oder Bürgerinitiativen – alles ist möglich.

WebMagazin: Was macht WirNachbarn besonders, wer sind eure Mitbewerber und was unterscheidet Euch vom Rest?

Philipp: WirNachbarn unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von anderen sozialen Netzwerken: Nachbarschaften sind lokal begrenzt, privat und geschlossene Bereiche. Das bedeutet Inhalte sind nicht zu googlen. Wir bieten eine einmalige Qualität: Nur echte Namen, echte Nachbarn. Die Authentizität der Teilnehmer wird überprüft. Unser Netzwerk verbindet Menschen, die nah beieinander wohnen. Die Lokalität, echte Namen und Nachbarn sowie die Verknüpfung mit Unbekannten in der Nähe ist eine einmalige Konstellation: Mir kann direkt vor Ort von vertrauenswürdigen Leuten nachbarschaftlich geholfen werden. Außerdem setzen wir auf deutschen Datenschutz und haben unsere Server in Deutschland.

WebMagazin: Auf welcher Entwicklungsstufe befindet ihr euch gerade bzw. wann seid ihr live gegangen? Wie werdet ihr finanziert?

Philipp: Wir sind Anfang Oktober mit unserer Webseite Beta-Live gegangen. Wir wollen bis Weihnachten noch unsere Apps auf den Markt bringen. Da wir bisher bootstrapped sind, dauert alles länger, als wir uns das wünschen. Uns war aber erst wichtig, dass wir erste Erfahrungen sammeln, bevor wir auf Investoren zugehen.

WebMagazin: Was sind die Grundpfeiler eures Monetarisierungskonzeptes, wie verdient Ihr Geld?

Philipp: Für uns steht im Fokus, Nachbarn für unser Projekt zu begeistern. Gemeinsam mit unseren Nutzern verbessern wir Schritt für Schritt unser Angebot. Wir schätzen, dass wir frühestens in drei Jahren anfangen werden, über Werbung unser Projekt zu finanzieren.

WebMagazin: Wie seid Ihr auf die Idee von WirNachbarn gekommen und was habt Ihr vorher gemacht?

Philipp: Inspirierend waren Artikel über den Erfolg eines Nachbarschaftsnetzwerkes in den USA sowie das Buch „Bowling Alone“ von Harvard-Professor Robert Putnam. Darin wird beschrieben, wie die Anonymisierung der Gesellschaft voranschreitet, welche sozialen Folgen das hat. Gleichzeit wird beschrieben, wie eine Revitalisierung der Nachbarschaft auch zu einer neuen Blüte nachbarschaftlichen und bürgerlichen Engagements führen kann. Das fanden wir sehr inspirierend.

Bevor wir uns auf das Abenteuer WirNachbarn eingelassen haben, haben wir klassische Karrieren in Konzern, Bank und Beratung gemacht. Da wir schon Mitte Dreißig sind, wird von vielen Freunden WirNachbarn als ein nicht nachvollziehbarer Bruch im Lebenslauf gesehen. Dabei bringen wir Leute zusammen, verbessern das Leben von Nachbarn ein wenig und ziehen unser eigenes Projekt durch. Das ist cool.

WebMagazin: Und zum Schluss, warum Berlin?

Philipp: Wir drei Gründer waren zuvor in London und Frankfurt. London ist für mich die coolste Stadt Europas, aber gleichzeitig unbezahlbar, wenn man ein Startup gründet und kein Einkommen hat. Berlin bietet die beste Umgebung für Startups. Deshalb haben wir gesagt, wir packen unsere Koffer und ziehen nach Berlin.

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