Interview mit Bastian Hofmann

State-of-the-Art der Webentwicklung: JavaScript, Mashups, Microframeworks, OAuth2, WebSockets
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JavaScript etabliert sich immer mehr als De-Fakto-Standard der Webentwicklung – und das nicht nur auf der Browserseite! Mittlerweile hat JavaScript nicht nur in der klassischen Szene der Webentwicklung Fuß gefasst, sondern zunehmend auch in anderen Ökosystemen wie die Java- oder die Windows-8-Plattform.

Diesem regelrechten JavaScript-Boom widmen sich die JavaScript Days, die vom 26. bis 28. September stattfinden. In 18 Power Workshops können sich die Besucher auf den neuesten Stand der JavaScript-Entwicklung bringen lassen. Bastian Hofmann wird einen Workshop zum Thema „Mashing up JavaScript – Advanced techniques for modern web applications“ halten. Wir sprachen mit ihm im Vorfeld über die Vorteile von Mashup-Anwendungen, den Nutzen von Microframeworks und die kontroverse Debatte um OAuth2. Sein Fazit: Ganz so katastrophal ist die Situation um OAuth2 nun auch wieder nicht!

JavaScript Days 2012

  • Wo: Courtyard Berlin Mitte
  • Wann: 26. bis 28. September 2012
  • Wie: Am besten noch bis zum 31. August über den Early-Bird-Tarif anmelden. Sie sparen bis zu 100 Euro.

http://javascript-days.de/2012fall/

PHP Magazin: In Deinem Workshop der JavaScript Days geht es darum, die gängige Technik, JavaScript nur zum Rendern des Frontends zu benutzen, zu erweitern. An welche Grenzen stoßen Webentwickler dabei?

Bastian Hofmann: Das kommt darauf an, man kann JavaScript ja nicht nur im Browser, sondern z.B. auch auf dem Server mit z.B. node.js einsetzen. Die Frage ist daher wohl, an welche Grenzen Webentwickler stoßen, wenn sie sich nur auf Frontend-Entwicklung oder Backend-Entwicklung beschränken. Natürlich gibt es auf beiden Seiten die Notwendigkeit, sich zu spezialisieren. Dennoch sollten auch bei größeren Projekten Frontend- und Backend-Entwickler regelmäßig über den Tellerrand schauen. Am Ende wird ja an einer gemeinsamen Webanwendung gearbeitet. Außerdem lassen sich mit etwas Planung sehr große Synergien zwischen Frontend und Backend herstellen, z.B. durch die Verwendung der selben Templates oder durch die Angleichung der Projektstruktur. Mittelfristig geht der Trend sowieso dahin, dass Frameworks einem die Aufteilung von Code zwischen Front- und Backend und den ganzen Kommunikations-Boiler-Plate-Code abnehmen, siehe Meteor oder Mojito.

PHP Magazin: Welche Vorteile, aber auch welche Gefahren bringt es mit sich, in Mashup-Manier die verschiedenen Webtechnologien zusammen in einer Anwendung einzusetzen?

Bastian Hofmann: So gut wie keine Web-Anwendung kommt mehr ohne die Einbindung von externen APIs oder Widgets aus. Entweder möchte man sich über die Facebook API einloggen, einen Text übersetzen, zu Promotionzwecken Tweets auf Twitter verfassen lassen können, ein YouTube-Video oder eine Karte einbinden. Durch fertige APIs und Widgets kann man sich hier sehr viel Arbeit ersparen und so auf sein Kern-Business konzentrieren. Wer möchte schon selbst Google Maps nachimplementieren, nur um auf seiner Seite eine Karte mit kleinem Routenplaner einzubinden. Gefahren sind hierbei ganz klar die Sicherheit. Immer dann, wenn man externe Daten oder Komponenten einbindet, egal ob im Frontend oder im Backend, muss man aufpassen, dass man dabei sein System nicht für Angreifer öffnet. Über diese Themen werde ich z.B. in meinem Workshop auf den JS Days sprechen.

PHP Magazin: Ein Thema ist in diesem Kontext ja auch immer, wie hilfreich Microframeworks sind. Was ist Deine Meinung: Können Microframeworks eine nützliche Ergänzung sein, oder sollte man sich eher an die etablierten Frameworks halten?

Bastian Hofmann: Auf jeden Fall. Oftmals braucht man für den aktuellen Anwendungsfall gar nicht ein großes, „fettes“ Framework. Einige kleine, schlanke Microframeworks können da sehr viel flexibler sein. Aber auch bei großen Legacy-Anwendungen können sie hilfreich sein, da man so nach und nach einzelne Teile der Anwendung durch bessere, saubere und schnellere Komponenten eines Microframeworks austauschen kann. Doch auch die großen Frameworks haben immer noch ihre Daseinsberechtigung. Beim Erstellen einer neuen, größeren Web-Anwendung kann es hilfreich sein, den Rahmenvorgaben eines großen Frameworks bezüglich Strukturierung und Modularisierung des Codes zu folgen. Dies kann es wesentlich einfacher machen, am Ende eine wartbare Applikation zu haben, insbesondere wenn man mit vielen Entwicklern daran arbeitet.

PHP Magazin: Kürzlich heiß diskutiert wurde die Frage, ob OAuth 2.0 noch die Probleme der Webentwickler löst oder sich längst den speziellen Bedürfnissen der Enterprise-Welt verschrieben hat. Immerhin hatte OAuth-Team-Mitglied Eran Hammer OAuth 2.0 als „größte Enttäuschung seines Lebens“ bezeichnet. Wie enttäuscht bist Du von OAuth 2.0?

Bastian Hofmann: Ich sehe das etwas differenzierter. Einerseits kann ich den Frust von Eran verstehen, der über Jahre mit sehr viel Energie und Herzblut an OAuth und OAuth2 gearbeitet hat, nur um dann zu erleben, wie durch unterschiedlichste Anforderungen und Meinungen sich OAuth2 immer mehr von einem Standard zur Authentifizierung von Web- oder Mobile Anwendungen zu einem riesigen Authentifizierungs-Framework entwickelt hat. Andererseits schätze ich die Entwicklung von OAuth2 und das derzeitige Ergebnis als nicht ganz so katastrophal ein. Klar, die Spezifikation deckt alle möglichen Use-Cases ab und ist mittlerweile so flexibel, dass sie recht umständlich zu lesen ist, aber das trifft auf viele Spezifikationen und Standards zu. Wenn man sich einmal durchgelesen hat, ist für den Haupt-Use-Case, der Authentifizierung an APIs von Mobile- und Web-Anwendungen heraus, die Implementierung eigentlich klar. Die aktuell etwas verschiedenen Implementierungen von OAuth2 bei den großen API-Anbietern wie Facebook oder Google liegen eher daran, dass unterschiedliche Revisionen der Spezifikation zu unterschiedlichen Zeiten implementiert worden sind. Ich denke, das wird sich in den nächsten Monaten angleichen. Detailliert werde ich auf diese Themen übrigens in meinem OAuth2-Talk auf der diesjährigen WebTech-Konferenz eingehen.

PHP Magazin: Vielen Dank für dieses Gespräch!

Bastian Hofmann ist Software Engineer bei ResearchGate, dem sozialen Netzwerk für Forscher und arbeitet dort an Software Architektur und APIs. Zuvor war er verantwortlich für die Integration von OpenSocial, OAuth, OpenID und anderen offenen Standards in die größten sozialen Netzwerke aus Deutschland, studiVZ, schülerVZ und meinVZ. Zudem ist spricht er häufig auf internationalen Konferenzen mit dem Ziel offene Standards und Protokolle zu bewerben. Das alles, zusammen mit seiner Partizipation bei der OpenSocial Foundation und als Committer und PMC Mitglieds des Apache Shindig Projekts, macht Bastian zu einem starken Fürsprecher für die Vision eines offenen und verteilten sozialen Webs.
JavaScript Days 2012

Die JavaScript Days bieten insgesamt 18 Workshops aus dem Themenumfeld JavaScript, HTML5, Sencha, Prototyping, Ext JS, Canvas, Git, CouchApps, jQuery Mobile, js-test-driver, sinon.js und Node.js:

  • Grundlagen moderner WebApps mit HTML5 (Thorsten Rinne, Sebastian Springer)
  • Building a full MVC driven Sencha Touch 2 Application with Sencha Architect (Tobias Uhlig)
  • Funktionen und Closures – JavaScript Scoping verstehen (Jakob Westhoff)
  • Entwicklung moderner HTML5 WebApps (Thorsten Rinne, Sebastian Springer)
  • Developing with Sencha Touch 2 (Tobias Uhlig)
  • Prototypen als Mittel zur Objektorientierung (Jakob Westhoff)
  • Mashing up JavaScript – Advanced techniques for modern web applications (Bastian Hofmann)
  • Einführung in die Welt von Ext JS (Hans-Christian Otto)
  • Git started (Martin Schuhfuß)
  • Hello Canvas: Creative Coding mit JavaScript und Webstandards (Dennis Wilson)
  • Ext-JS-Applikationen strukturiert entwickeln (Hans-Christian Otto)
  • Architektur und Implementierung von JavaScript WebApps (Tobias Bosch)
  • CouchApps: Datenreplikation fürs Web (Kore Nordmann)
  • Entwicklung mobiler JavaScript-Web-Apps mit jQuery Mobile (Tobias Bosch)
  • Unit Tests mit js-test-driver und Sinon.JS (Jakob Westhoff)
  • Web-Apps mit Webkit (Dennis Wilson)
  • Node.js – eine Einführung und ein bisschen mehr (Sebastian Springer)

Alle Infos unter: http://javascript-days.de/2012fall/.

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