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Team Foundation Server: Work Items drucken
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Entwicklungsteams, die den Team Foundation Server einsetzen und mit Scrum- oder Kanban-Boards arbeiten, stehen häufig vor der Frage, ob sie nur digital, nur analog (auf Papier) oder auf beiden Arten arbeiten wollen. Die Entscheidung wird oft durch die Tatsache beeinflusst, dass der Team Foundation Server keine Möglichkeit bietet, Work Items (Stories, Bugs, Tasks …) so zu drucken, dass sie an einem physischen Scrum-Board verwendet werden können. Doch das Drucken von Work Items in einer verwertbaren Form ist möglich und es gibt diverse Arten, dies zu erreichen.

In der agilen Softwareentwicklung sind Kanban- und Scrum-Boards weit verbreitet. Sie dienen als Visualisierung der Arbeit und Ressourcen in einem Projektteam und sind der zentrale Anlaufpunkt für alle Teammitglieder. Dabei werden physische oder digitale Boards verwendet. Bei den digitalen Boards gibt es wiederum verschiedene Varianten: Sie können rein virtuell sein und z. B. über den Webbrowser angeschaut werden, oder es können große Touchscreens aufgehängt bzw. aufgestellt werden. Einige Teams arbeiten nur digital, andere nur mit von Hand geschriebenen Kärtchen und wieder andere Teams verwenden eine Mischform. Sie verwalten User Stories, Requirements etc. in einem digitalen Tool und drucken die Kärtchen aus.

Der Team Foundation Server (TFS) bietet die Möglichkeit, alle Arten von Artefakten digital zu verwalten (User Stories, Requirements, Bugs, Tasks etc.). Es ist möglich, jeden Prozess und jedes Work Item beliebig anzupassen, sodass der eigene Prozess exakt abgebildet werden kann. Als Vorlagen dienen so genannte „TFS Work Item Templates“, die neu erstellt oder verändert werden können. Dies ermöglicht eine maximale digitale Flexibilität beim Abbilden von Artefakten und Prozessen. Leider bietet der Team Foundation Server out of the box keine Möglichkeit, die Work Items zu drucken. Für verteilte Teams ist es meist kein Problem, nur digital zu arbeiten. Für zentralisierte Teams, bei denen alle Teammitglieder am gleichen Ort arbeiten, ist es jedoch wünschenswert, die Work Items an einem physischen Board zu haben. Das ermöglicht ein freies Verschieben der Work Items am Board und dessen Gestalten nach den Wünschen des Teams. Work Items in gedruckter Form sind besonders dann nützlich, wenn nicht technische Personen ohne TFS-Zugriff sie anschauen möchten. Ebenfalls wird z. B. eine Sprintplanung vereinfacht, indem die Work Items auf einem Tisch beliebig verschoben und beschriftet werden können. Schlussendlich muss jedes Team für sich selbst entscheiden, wie es am effizientesten arbeiten kann. Als Entscheidungshilfe für Teams sind diese im Kasten „Eigenschaften von digitalen und physischen Boards“ aufgelistet. Die meisten unserer Teams, die mit dem Team Foundation Server arbeiten, haben das Bedürfnis, die Work Items in Papierform zu haben. Aus diesem Grund haben wir uns mit dem Thema TFS Work Item Print befasst.

Vorstellung TFS-Print-Tools Es gibt verschiedene Varianten, Work Items zu drucken, z. B. per Plug-in für Word, Visual Studio oder über eigenständige Tools. Bei allen Tools gilt die von Microsoft definierte Lizenzvereinbarung. Diese besagt, dass jeder, der nicht selbst erzeugte Daten vom TFS ausliest (egal mit welchem Tool), eine CAL (Client Access License) benötigt. Einige Versionen von Visual Studio enthalten eine solche Lizenz [1].

Plug-in für Word

Die ALM Rangers haben das Plug-in Team Foundation Server MS Word Add-In [2] für Word geschrieben, das ermöglicht, jede Art von TFS Work Item zu drucken. Das Plug-in setzt Word 2007, 2010 oder 2013 voraus, wobei ein Hotfix installiert werden muss, damit das Plug-in unter Word 2007 läuft. Mit dem Klick auf das Plug-in öffnet sich ein Dialog zum Eingeben des TFS Server URI. Anschließend kann eine im TFS existierende Query ausgewählt werden. Im letzten Schritt muss einer der vorgegeben Reports ausgewählt werden. Diese sind für Scrum, Agile und CMMI TFS Standard Work Item Templates ausgelegt, wobei nicht alle Reports als Karten für das Board gedacht sind. Hier eine Auflistung der Standardreports:

  • Card (Agile): Eignet sich für Boardkärtchen „User Stories“ und „Tasks“, die mit einer User Story verlinkt sind
  • Card (Scrum): Eignet sich für Boardkärtchen „Product Backlog Items“ und „Tasks“, die mit einer User Story verlinkt sind
  • Requirements Specification (Agile): Eignet sich als Report für „Test Cases“, die mit einem „Product Backlog Item“ verlinkt sind
  • Requirements Specification (Scrum): Eignet sich als Report für „Test Cases“, die mit einer „User Story“ verlinkt sind
  • Simple (Agile, CMMI): Einfache Auflistung einer User Story und der dazugehörigen Tasks
  • Simile (Scrum): Einfache Auflistung einer User Story und der dazugehörigen Tasks
  • Simple With Headings (Agile, CMMI): Erweiterte Auflistung einer User Story und der dazugehörigen Tasks
  • Simple With Headings (Scrum): Erweiterte Auflistung einer User Story und der dazugehörigen Tasks

Jeder Report kann durch den im Plug-in integrierten Templateeditor (Abb. 1) nach Wunsch angepasst werden. Zudem bietet der Templateeditor die Möglichkeit, eigene Templates zu erstellen. Dies ist sehr nützlich, wenn nicht ein Standard-TFS-Work Item-Template oder ein angepasstes TFS Work Item Template im Einsatz ist.

Abb. 1: Templateeditor Word-Plug-in

Standalone-Tool

Die bbv Software Services AG hat ein kostenloses Tool veröffentlicht, das ohne Word oder Visual Studio auskommt. In seinem Wizard können Schritt für Schritt die gewünschten Einstellungen vorgenommen werden, bis im letzten Schritt schließlich gedruckt wird. Das Tool erlaubt das Drucken aller Arten von Work Items. Dabei muss im ersten Schritt die Verbindung zum TFS-Server eingestellt werden, anschließend können Konfigurationen erstellt werden (z. B. User Stories). Eine Konfiguration speichert alle Einstellungen, die im Wizard aufgenommen werden, sodass die Konfiguration später erneut ausgeführt werden kann. Schritt für Schritt müssen TeamProject, WorkitemType und eine im TFS gespeicherte Query ausgewählt werden. Zu beachten ist, dass eine Konfiguration nur einen WorkitemType auf einmal drucken kann. Wird eine TFS Query mit verschiedenen WorkitemTypes angegeben, werden nur die Work Items vom eingestellten Typ gedruckt. In diesem Fall erscheint eine Meldung, dass es zwar noch andere Work Items gibt, diese aber nicht gedruckt wurden. Es ist empfehlenswert, für jeden WorkitemType eine eigene Konfiguration zu erstellen. Das Tool bietet drei Standardreports an: „Story“, „Bug“ und „Task“. Diese Reports sind optimiert, dass sie jeweils ganze A4-Seiten mit mehreren Stories, Bugs oder Tasks füllen. Die Standardreports sind für physische Boards ausgelegt und optimiert. In einem Wizard müssen die TFS-Work-Item-Felder auf die Felder vom Report gemappt werden (Abb. 2).

Abb. 2: TFS-Print-Tool: Mapping von Work-Item-Feldern zu Reportfeldern

Es ist möglich, unter Verwendung von Visual Studio eigene Reports zu erstellen. Diese basieren auf einem RDLC-File für den Microsoft Report Viewer. Zusätzlich wird ein XSD-File benötigt, in dem alle möglichen Felder des Reports definiert werden. Das XSD-File dient im Report als DataSource und die im XSD vorhandenen Felder können auf die ReportViewer-Komponenten gebunden werden. Bestehende Reports kann man durch Editieren mit Visual Studio anpassen. Sollen nicht alle Work Items der Query gedruckt werden, können vor dem Druckvorgang Work Items selektiert werden (Abb. 3).

Abb. 3: TFS-Print-Tool: Work-Item-Druckauswahl

Zusätzlich gibt es eine Vorschau des Ausdrucks (Abb. 4). Der Ausdruck kann entweder gedruckt oder als PDF, Excel oder Word-Datei gespeichert werden.

Abb. 4: TFS-Print-Tool: Druckvorschau Report „Story“

Aufmacherbild: Vintage slate chalk board on wooden background von Shutterstock / Urheberrecht: Lisovskaya Natalia

[ header = Team Foundation Server: Work Items drucken – Teil 2 ]

Plug-in für Visual Studio

Pascal van Buijtene hat das Visual Studio Plug-in Scrum Power Tools for MS Visual Studio 2012 [4] veröffentlicht. Dieses Plug-in kann mehr als nur Work Items drucken. Es hat des Weiteren eine Funktion für ein Work-Item-Review, eine Funktion zum Anzeigen aller Files, die für eine Story verändert wurden und dafür, welche „Change Sets“ zu einer Story gehören. In Visual Studio unter Tools | Options gibt es eine Rubrik „Scrum Power Tools“, in der alle Plug-in-Einstellungen vorgenommen werden können. Nach der Installation kann im Kontextmenü eines Work Items oder einer Work Item Query die Option „Create Task Board Cards…“ ausgewählt werden. In einem Work-Item-Query-Resultat kann die Option für aktuell selektierte Work Items verwendet werden, sodass nicht alle Work Items gedruckt werden müssen. Wird die Option ausgeführt, wird ein HTML-File mit den Karten generiert und im Standardbrowser geöffnet. Aus dem Browser heraus können die Karten über den Druckdialog gedruckt werden.

Mit etwas Hintergrundwissen kann man den Standardreport (Abb. 5) anpassen. Die Rohdaten der Work Items werden in ein XML-File in den Ordner %TMP%ScrumPowerToolsTaskBoardCards geschrieben. Darauf folgt eine XSLT-Transformation, die das XML-File als Quelldatei verwendet. Diese Transformation beschreibt, wie die Karten aussehen und welche Felder verwendet werden sollen. Das Resultat der Transformation ist ein generiertes HTML-File, das automatisch geöffnet wird. Damit eigene Reports möglich sind, muss ein nach den eigenen Bedürfnissen angepasstes XSLT-File erstellt werden. Anschließend ist das XSLT-File in den Plug-in-Einstellungen auszuwählen.

Listing 1: Standard-XSLT-File „TaskBoardCards.xslt“


  http://www.w3.org/1999/XSL/Transform">
    http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-transitional.dtd" doctype-public="-//W3C//DTD XHTML 1.0 Transitional//EN" />
    
      http://www.w3.org/1999/xhtml">
        
          
          Taskboard Cards
          
        
        
          
            
userStoryCardbugCardRank 

Abb. 5: Visual-Studio-Plug-in: Work-Item-Ausdruck

Tabelle 1: Gegenüberstellung der vorgestellten Tools

Kriterium Plug-in Word Plug-in Visual Studio Standalone-Tool
Lizenz Microsoft Public License (Ms-PL) [5] Microsoft Public License (Ms-PL) [5] Apache License, Version 2.0 [6]
Sourcecode verfügbar Ja Nein Nein
TFS-Versionen Keine Angabe Keine Angabe 2010, 2012, 2013
Anzahl Standardreports 8 1 3
Reporteditor Im Plug-in enthalten Nein Visual Studio
Abhängigkeiten Word Visual Studio keine
Selektion der Work Items vor dem Druck Nein Ja Ja
Preis Gratis Gratis Gratis

Fazit

Alle Tools haben ihre Vor- und Nachteile. Je nach Geschmack des Nutzers eignet sich das eine oder das andere Tool besser. Beim Visual-Studio-Plug-in sehen alle Work Items gleich aus und das Anpassen ist ein wenig aufwändiger. Jedoch ist für Entwickler oder Projektmanager, die mit Visual Studio oder dem Team Explorer arbeiten, praktisch, dass kein externes Tool geöffnet werden muss. Sofern nicht eines der unterstützten standardmäßigen TFS Work Item Templates verwendet wird, ist ein Initialaufwand nötig, damit der erste Druck gelingt. Ein großer Pluspunkt ist, dass der Layouteditor eingebaut ist und eine völlig freie Anpassung der Templates erlaubt. So könnten auch andere Reports als Karten mit Leichtigkeit erstellt werden. Die unkonventionelle Art der Installation für Word 2007 – man muss Registry-Einträge ändern etc. – könnte allerdings Probleme geben, wenn nicht genügend Benutzerrechte vorhanden sind. Das eigenständige Tool ist dank des Wizards einfach zu bedienen und ein erster Druck gelingt ohne spezielle Anpassungen. Unschön ist, dass nicht verschiedene Work-Item-Typen gleichzeitig gedruckt werden können. Das Editieren von Templates erfordert Visual-Studio- und Report-Viewer-Kenntnisse. Von Vorteil ist, dass es keine Abhängigkeiten zu anderen Tools gibt und das Tool somit nach der Installation sofort bereit zum Drucken ist.

Eigenschaften von digitalen und physischen Boards

In der nachfolgenden Tabelle sind einige Eigenschaften von digitalen und physischen Boards aufgelistet. Die Liste ist nicht abschließend und soll als Entscheidungshilfe dienen, wenn sich ein Team überlegt, mit welcher Form es arbeiten möchte.

Tabelle 2: Eigenschaftenvergleich: digitales Board und physisches Board

Eigenschaft Digitales Board Physisches Board
Verteiltes Arbeiten möglich Ja Nein
Kartenstatusupdate nur an einem Ort erforderlich Ja Nein
Kartendruck erforderlich Nein Ja
Team kann vor Board diskutieren Nein Ja
Board kann nach den Wünschen des Teams gestaltet werden Bedingt Ja
Zerreißen von Karten macht Spaß Nein Ja
Board ist das Zentrum im Raum Nein Ja
Automatische Reports generieren lassen Ja Nein
Entwicklungsfortschritt jederzeit sichtbar, auch wenn kein Computer läuft Nein Ja
Sichtbarkeit, wenn jemand einen Task beginnt Bedingt Ja
Platz auf Board ist begrenzt, z. B. für eine Story Map (so muss mehr über die Priorität gesprochen werden) Nein Ja
Personen ohne technischen Login zu einem Tool können Karten anschauen Nein Ja
Board ist beschränkt auf Work Items Ja Nein
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