Interview mit Sven Hubert

TFS 2012 ist mehr als nur ein Schritt in der Produktevolution
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Sven Hubert ist Bereichsleiter und Software Process Consultant im AIT TeamSystemPro Team, das Softwareentwicklungs-Teams bei der Umsetzung bzw. Einführung von ALM hilft. Windows-Developer-Redakteurin Corinna Kern sprach mit ihm über die Vorzüge von ALM- und Countinuous-Delivery-Pipelines, die Möglichkeiten der Effizienzsteigerung in Software-Teams und die Neuerungen im Team Foundation Server 2012.

Windows Developer: Inwiefern kann ALM helfen, die Entwicklung von Software zu verbessern?

Sven Hubert: Im Wesentlichen wird nicht Entwicklung von ALM verbessert, sondern die Themen, die ALM adressiert. Rollen und Phasen, die zur Entwicklung notwendig sind, werden bewusst gemacht. Je nach Situation und Domäne des Teams kann daraus ein maßgeschneidertes Vorgehen sowie die notwendige Werkzeugkette abgeleitet und aufgebaut werden. Dies hilft, die sich wiederholenden Herausforderungen in Projekten des Teams mit reproduzierbarem Vorgehen erfolgreich zu bewältigen. Dies sollte mit einem leichtgewichtigem Vorgehen erreicht werden, da es immer wieder nötig sein wird, sich an konkrete Situationen und Bedingungen anzupassen und neu auszurichten. Das bringt uns aber gleich zu einer wichtigen Voraussetzung: Das Team sowie seine Umgebung müssen bereit dafür sein. Viele Teams stecken in gewachsenen Strukturen und Lösungen fest, die nicht ohne weiteres aufgelöst werden können. So muss z.B. die entwickelte Software bestimmte Anforderungen, wie Modularisierung und automatisierbare Testbarkeit, erfüllen, um eine effizientere Entwicklung zu ermöglichen. An dieser Stelle steht das Team bzw. die Entwicklungsleitung vor 3 Optionen:

  1. Das System mit dem gleichen Vorgehen weiter zu pflegen und eine Effizienzsteigerung auf anderen Wegen zu erreichen.
  2. Das System einem Review zu unterziehen und einen Umbau anzugehen.
  3. Ein neues System z.B. als Produkt mit reduziertem Funktionsumfang oder andersartiger Infrastruktur zu entwickeln und lediglich das Domänenwissen wiederzuverwenden. Hier bieten neue Technologien wie Cloud Computing und Hosted Services zudem neue Chancen.

Wir helfen daher Kunden nicht nur bei der Einführung von ALM-Prozessen und Werkzeugen, sondern auch bei der Auswahl der geeigneten Option (Anmerkung: AIT und 4tecture verlosen bis zum 15.11.2012 drei Tickets für die halbtägigen Innovationsworkshops zur Software-Technologie und Entwicklungsstrategie. Infos unter http://blog.aitgmbh.de.)

WD: Was genau macht aus Ihrer Sicht „Effizienz“ in der Softwareentwicklung aus? – Wie wird ein Team erst effizient?

Sven Hubert: Software-Entwicklung ist kein Selbstzweck, sondern muss dem Endnutzer dienen und letztlich einen wirtschaftlichen Nutzen leisten. Auch hier schläft die Konkurrenz nicht. Wer seine Software schneller an den Markt bringen kann und besser auf die Bedürfnisse des Marktes eingeht bzw. auch neue Bedürfnisse aufdeckt, hat einen deutlichen Vorteil. Es geht bei der Effizienzsteigerung unserer Meinung nach nicht nur darum mit weniger Aufwand das gleiche Ergebnis zu erreichen. Es geht auch darum Verschwendung zu vermeiden – da greifen wir den Lean-Gedanken auf. Wenn ein Team also schneller Software liefern kann, die weniger Fehler enthält und damit Nacharbeit vermeiden kann, ist es effizienter. Und damit schließt sich der Kreis, denn die gewonnene Zeit wird nicht zur Reduktion der wertvollen Ressource Mensch, sondern zur besseren Adressierung des Marktes genutzt.

Die wesentlichen Punkte zur Effizienzsteigerung sind:

  • Wissen, wo man steht und wissen, was zu tun ist, um besser zu werden
  • Große Herausforderung in verteilten Entwicklungsteams stemmen – wie z.B. zwischen unseren deutschen und rumänischen Entwicklern, die wiederum gemeinsam mit Entwicklungsteams unserer Kunden Projekte abwickeln.
  • Wissen im Team – jeder muss selbstbewusst entwickeln können. Ein erstes Zeichen für Ineffizienz ist, wenn Entwickler zögern, Code-Änderungen abzugeben.
  • Continuous Integration und Delivery – regelmäßige Prüfungen, die daher automatisiert werden müssen

Probleme können nicht weggezaubert werden. Auch Scrum macht die Probleme nur deutlich sichtbar, löst sie aber nicht. Hier verhält sich Scrum wie eine Schwiegermutter…

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