„Niemand hat einen wirklich kompletten, durchgehenden Ansatz.“

Interview mit den ScaleCommerce-Gründern
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Die E-Commerce-Szene kränkelt seit einiger Zeit: mächtige Komplettpakete sind darauf ausgelegt, jeden erdenklichen Anwendungsfall abzudecken; doch dieser Luxus muss teuer bezahlt werden. Zwei nicht ganz unbekannte Gesichter der Szene machen sich nun auf, der E-Commerce-Welt Linderung zu verschaffen, indem sie die Starren Ketten sprengen und neue Wege gehen.

Joscha Krug und Thomas Lohner haben es sich mit dem Projekt ScaleCommerce zur Aufgabe gemacht, eine Best-Practice-Komplettlösung für Agenturen und Shopbetreiber auf die Beine zu stellen, indem sie Teilbereiche aus den bestehenden Lösungen herausnehmen. Wir haben vorsichtig angefragt und in der Tat ein paar kleine Einblicke erhaschen können.

 

Ihr beiden habt euch zusammengetan, um mit ScaleCommerce eine E-Commerce-Komplettlösung für Shops und Agenturen zu entwickeln – wozu noch eine Lösung auf dem Markt?

Wir haben festgestellt, das es viele gute Lösungen gibt, aber niemanden, der wirklich einen kompletten, durchgehenden Ansatz hat.

Die Hoster und Agentursicht zu vereinen bringt zwei ganz unterschiedliche Sichtweisen auf den Workflow. Viele Agenturen haben sehr gute Lösungen für verschiedene Bereiche, aber kaum jemand nutzt diese für quasi alle Projekte.

Da setzen wir an und kombinieren alle Best Pratices in eine neue Plattform.

Thomas, du warst in der Geschäftsführung bei SysEleven quasi an der Quelle … welche Erfahrungen konntest du dort sammeln und wie werden die euch in Zukunft hilfreich sein?

Der häufigste Fehler, den ich in den vergangenen Jahren gesehen habe, ist, dass Projekte zu groß und unübersichtlich werden. Es ist leider normal geworden, dass ein Relaunch 12 Monate dauert und dann mit veralteter Software startet. Unser Ziel mit ScaleCommerce ist genau das Gegenteil: Pragmatische Verbesserungen des bestehenden Shops in übersichtlichen Teilprojekten.

Wo seht ihr die dringendsten Probleme der Branche – und wie wollt ihr sie lösen?

Das größte Problem sind sehr lange Projektlaufzeiten vor einem Release.

Wir ermöglichen es, nur Teilbereiche aus der bestehenden monolithischen Applikationen abzulösen. Dass das sehr gut funktioniert haben wir auf dem Shopware-Hackathon beweisen können.

Sind die größten Probleme der E-Commerce-Branche wirklich systemimminent? Lebt man also mit den bekannten Problemen, weil es keine andere Lösung gibt?

Wenn du die Shopsysteme damit meinst, haben die klassischen ja alle etwas gemeinsam: Sie haben eine monolithische Architektur. Die brechen – nicht ohne Grund – alle großen derzeit auf. Diesen Trend, Trennung von Blättern im Katalog und Prozesslogik, wollen wir zugänglich machen.

Handelt es sich bei ScaleCommerce um eine eigenständige Lösung? Wie wollt ihr das angehen?

Konkret setzen wir auf ONGR im Frontend. Um die Lösung von Lars Jankowfsky und seinem Team war es in letzter Zeit etwas ruhig geworden. Technisch ist die Lösung sehr gut, das hat der Proof of Concept einmal mehr gezeigt.

Allerdings fehlt der Lösung eine gute Dokumentation, so dass Entwickler, die bisher noch nicht tief mit Symfony2 oder Elasticsearch gearbeitet haben, kaum einen Einstieg finden. Diesen Teil übernehmen wir in enger Abstimmung.

Wie geht ihr mit den verschiedensten Anforderungen um, die Shopbetreiber heute haben? Das ist ja gerade einer der Punkte, der bei bestehenden Projekten wie OXID oder Magento oft bemängelt wird – ein starres Backend, das irgendwie mit den verschiedensten Anforderungen der Shopbetreiber zurecht kommen muss.

Der Ansatz von ONGR ist sehr modular. Anstatt Funktionen für bessere Performance zu entfernen, werden nur die Dinge hinzugefügt, die dein Projekt wirklich braucht.

Einige Komponenten werden von vielen genutzt, einige sind eher Spezialgebiete und was es nicht gibt, wird – wie bisher auch – im Projekt entwickelt.

Auf eurer Projektsite gebt ihr Usern die Möglichkeit, sich für exklusive Prelaunch-Infos zu registrieren … bekommen wir ein paar frei Haus? Wie steht es aktuell um das Projekt?

Wir arbeiten mit dem ersten Kunden am Umzug und dem Austausch des ersten Seitentypens. Basissystem ist in dem Fall OXID eShop. Grundlegend besteht unsere Lösung aus drei Leveln: Erst bekommst du echtes Autoscaling um dein System zu stabilisieren. Damit kann man das Weihnachtsgeschäft überleben, auch ohne groß an die Software zu müssen.

Level zwei ist die Umsetzung eines Seitentypens mit ONGR. Im dritten Schritt, wenn die serverseitigen Schmerzen gelöst sind, helfen wir dir beim Optimieren der Clientseitigen Performance. Aber da wir noch nicht zu viel verraten wollen: Alles Weitere dann im Laufe der nächsten Zeit.

Werdet ihr das fertige Produkt als Open-Source-Software launchen?

Wir beide wollen durch gute Leistung überzeugen und keinen Vendor-Lock-In haben. Darum werden alle Komponenten, die wir als ScaleCommerce anbieten, komplett Open Source sein.

Wir wollen möglichst keine neue Software erfinden, sondern konsequent die besten bereits etablierten Lösungen zusammenfügen.

Wann wird man mit ersten Ergebnissen rechnen können?

Ein Umzug auf unsere Plattform ist bereits heute möglich. Mitte September launchen wir den ersten Kunden mit ONGR und werden dann über die Winterpause daran arbeiten, dass man sich selber registrieren kann, um die Plattform mit ONGR zu testen.

krug_joschaJoscha Krug ist Gründer der E-Commerce-Agentur marmalade. Mit seinem Team ist er spezialisiert auf Shops mit großen Datenmengen und besonderen Anforderungen an Schnittstellen, Integrationen und Lastszenarien. Er ist Mitinitiator des eCommerceCamps und für die Applikations-Seite bei ScaleCommerce zuständig.
lohner_thomasThomas Lohner ist Mitgründer von SysEleven, dem auf Performance und Skalierung fokussierten Hostinganbieter aus Berlin. Insbesondere im E-Commerce-Umfeld ist Thomas bekannt für Performance-Profilings, Fullpage-Caching-Lösungen und die Vorbereitung von Shops auf TV-Werbung. ScaleCommerce ist für Thomas die nächste Evolutionsstufe: Zukunftssichere Performance und Skalierung direkt in der Applikation und ohne davorgeschaltetes Caching.

 

 

Aufmacherbild: conflict in business concept with broken chain von Shutterstock / Urheberrecht: Morrowind

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