Zeev Suraski von Zend Technologies

"Unser Ziel ist es, PHP weiter zu verbessern"
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Das Unternehmen Zend Technologies Ltd. betrachtet sich als
wichtigen Bestandteil einer PHP-Revolution. Diese besteht aus der Sicht von
Zend vor allem darin, dass PHP zunehmend Eingang in den Enterprise-Markt

Das Unternehmen Zend Technologies Ltd. betrachtet sich als wichtigen Bestandteil einer PHP-Revolution. Diese besteht aus der Sicht von Zend vor allem darin, dass PHP zunehmend Eingang in den Enterprise-Markt findet. Wir sprachen mit dem Mitbegründer Zeev Suraski über die Entwicklungen auf dem PHP-Markt, über die Zukunftspläne des Unternehmens Zend und über die Haltung zu proprietärer und offener Software.

Linux Enterprise: Herr Suraski, auf Ihrer Internet-Seite promoten Sie Zend als führenden Bestandteil der PHP-Revolution. Worin bestehen, Ihrer Meinung nach, die Gründe für diese Führungsposition?

Zeev Suraski: Die Antwort umfasst zwei Aspekte. Zum einen sind Andi und ich seit 1997 in der PHP-Entwicklung involviert. Unsere Arbeit bereitete den Weg dafür, was PHP heute ist – eine kraftvolle Multi-Plattform und eine erweiterbare Web-Plattform. Wir hatten damit begonnen, die Foundations und die Infrastruktur für PHP 3.0 zu schreiben. Wir haben außerdem neue Foundation-Module gestaltet, die den Weg dafür bereitet haben, wie PHP heute aussieht – beispielsweise das MySQL-Modul. Im PHP 4.0 Projekt haben wir unsere Bemühungen fortgesetzt und uns sehr hohe Ziele für diesen bedeutenden Upgrade gesteckt. Unserer Meinung nach pictureen das modulare Design von PHP 4.0, die neue Architektur und die neuen Features, die wir implementiert haben, entscheidende Faktoren dafür, PHP als einen führenden Kandidaten unter den Internet-Plattformen zu etablieren. Zum anderen ist die Fähigkeit von Zend zu nennen, PHP auch den Weg in solche Märkte zu erschließen, die bis heute entweder völlig geschlossen oder nur sehr schwer erreichbar sind. Wir hoffen, dass bereits erhältliche und zukünftige Zend-Produkte, sowie unsere Unterstützung von PHP dabei hilfreich sind, PHP den kommerziellen und Unternehmensmarkt besser zu erschließen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für Server-Software ein notwendiger Schritt ist, im Enterprise-Markt Fuß zu fassen, wenn sie sich allgemein durchsetzen soll.

LE: Wie kam es dazu, dass Sie PHP-Entwickler wurden?

Zeev Suraski: Ich habe Anfang 1997 damit begonnen, mich mit PHP zu beschäftigen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein Kollege von mir, der Web-Entwickler war, PHP/FI 1.99 als Beta-Version auf einem der Web-Server meiner alten Firma installiert. Ich war eigentlich eher ein System-Programmierer als ein Web-Entwickler, habe aber auch schon viel mit C++ CGI-Binaries herumgespielt. Einige Monate später begann meine Zusammenarbeit mit Andi an einem Universitätsprojekt – ein Internet-basiertes Online-Geschäft (als man noch der festen Überzeugung war, hierbei handle es sich um eine Cutting-Edge-Technologie). Nachdem wir die vielen verschiedenen Optionen von Perl über C++ und PHP/FI evaluiert hatten, haben wir uns für PHP/FI als den leichtesten Weg für dieses Projekt entschieden. Aber schon bald erschien uns PHP/FI als unzureichend und instabil, was es weitaus schwieriger machte, unser Projekt zu implementieren, als wir gedacht hatten. Weil wir aber die generelle Idee immer noch gut fanden, entschieden wir uns dazu, PHP noch einmal ganz von vorne zu implementieren. Nach einigen Monaten intensiver Entwicklung hatten Andi und ich es fertiggebracht, die ganze Sprache von Grund auf neu zu implementieren – allerdings robuster und außerdem besser erweiterbar. Unser Compiler-Technik-Professor Dr. Michael Rodeh ermutigte uns dazu, Kontakt zum Autor von PHP/FI 2.0 aufzunehmen und ihn von unserer neuen Code-Basis zu überzeugen. Wir haben das tatsächlich geschafft und sind seitdem Core-Entwickler von PHP.

LE: Wie lange existiert Zend schon, und mit welchen Produkten wollen Sie die Firma auf dem Markt positionieren?

Suraski: Die Zeit, seit der Zend besteht, ist in verschiedene Phasen unterteilt. Andi Gutmans und ich waren schon früh im Jahre 1997 mit dem Thema PHP beschäftigt, als wir den Parser designt und implementiert haben, sowie den Großteil der Infrastruktur für PHP 3.0. Der Name „Zend“ ist dann am Ende des Jahres 1998 entstanden, als Code-Name für unsere neue Scripting-Engine-Initiative für PHP 4.0. Im November 1999 wurde die Firma Zend Technologies dann offiziell als kommerzielles Unternehmen gegründet, und in dieser Weise besteht nun die Firma seit eineinhalb Jahren. Zend Technologies ist eine Software-Firma, die ihre Ziele vor allem darin sieht, PHP weiter zu verbessern, besonders im Unternehmensmarkt. Hierfür gibt es verschiedene Wege: Mit Enterprise-Produkten wie dem Zend Cache, dem Zend-Encoder oder mit High-Level-Services, die die Bedürfnisse kommerzieller Unternehmen abdecken können. Mit der Internet-Seite, auf der technischer Inhalt zur Verfügung gestellt wird, ebenso wie mit Fallstudien, die dabei hilfreich sind, PHP als eine lebensfähige Lösung in komplexe Webseiten zu implementieren. Und mit Entwickler-orientierten Produkten wie der Zend IDE und begleitendem Support.

LE: Warum basiert Ihr Produkt-Portfolio auf PHP und nicht auf einer anderen Scriptsprache? Wo sehen Sie die technischen Vorteile von PHP im Vergleich zu anderen Scriptsprachen wie Perl oder Python?

Suraski: Als zwei der wichtigsten Designer von PHP ist es natürlich unser Ziel, PHP weiter zu verbessern, wie auch seine Akzeptanz auf der ganzen Welt. Dies war ein wichtiges Vorhaben, unter dem Zend Technologies aufgebaut wurde. Hinzu kommt, dass unser Wissen und unsere Erfahrungen uns einen großen Konkurrenzvorteil auf dem PHP-Markt ermöglichen.

LE: Worin bestehen die wichtigsten Verbesserungen von PHP 4?

Suraski: Es gibt natürlich einige, die revolutionärste Veränderung besteht aber in der Scripting-Engine. Die Scripting-Engine von PHP 4.0 (Zend Engine) ist ihrem Vorgänger, der PHP 3.0 Engine, sehr überlegen, und zwar in jedem Aspekt. Sie ist schneller (in vielen Fällen Dutzende von Malen schneller), sie weist eine modulare Bauweise auf (anders als die in PHP 3.0, die sehr monolithisch aufgebaut war), und sie ist außerdem erweiterbar. Vor allem ist sie auch wesentlich zuverlässiger. Das zweite ausschlaggebende Feature von PHP 4.0 ist meiner Meinung nach das neue SAPI-Interface. Dieses Interface ermöglicht es, dass PHP als natives Modul unter vielen verschiedenen Web-Servern laufen kann (PHP 3.0 bot lediglich nativen Support für Apache). Hiermit wird es Entwicklern ermöglicht, PHP auf neue Web-Server zu portieren, indem man nur ein sehr kleines Interface-Modul schreiben muss. Das SAPI-Interface wiederum wurde ermöglicht durch ein anderes wichtiges Feature der Zend Engine und PHP 4: Der Thread-Sicherheit. Andere Entwickler arbeiteten zusätzlich zu diesen Infrastruktur-Features an verschiedenen neuen Features mit Schlüsselfunktion. Sascha Schumann hat ein neues HTTP-Sessions-Modul entwickelt. Hierbei hat er mit Stig Bakken zusammengearbeitet, um neue Building-Mechanismen zu erstellen, mit deren Hilfe Shared Modules auf sehr viel einfacherer Weise erstellt werden können. Die Shared Modules können außerdem unabhängig von PHP erstellt werden. Ein anderes wichtiges Feature, das ich PHP 4.0 hinzugefügt habe, ist das Output-Buffering. Es kann dafür verwendet werden, die HTTP-Kompression on-the-fly zu implementieren und XML/XSLT-Rendering. Außerdem gibt es viele weitere Anwendungsmöglichkeiten.

LE: PHP ist eine der am schnellsten wachsenden Web-Applikationen. Laut einer Netcraft-Untersuchung benutzen bereits fünf Millionen Websites PHP, es besteht eine monatliche Wachstumsrate von 15 Prozent. Worin liegt der Grund für PHPs Stärke?

Suraski: Wir glauben, dass der Grund für PHPs Erfolg vor allem in den folgenden Gründen zu suchen ist: Erstens ist es eine Tatsache, dass PHP eine einfach zu benutzende Plattform ist. Zweitens ist es von Grund auf weborientiert designt und sehr mächtig. Betrachtet man diese beiden Gründe zusammen, wird klar, dass PHP die Arbeit schnell und einfach erledigt – und dies ist der allerwichtigste Faktor in der Webentwicklung. Als dritter Grund ist natürlich zu nennen, dass PHP frei erhältlich ist. Dies ermöglicht eine breite und weltweite Distribution von PHP. In Zusammenhang mit der Tatsache, dass es einfach auch ein gutes Produkt ist, konnte PHP eine der führenden Sprachen auf dem Markt der Web-Plattformen werden.

LE: Welche Bedeutung haben der Apache Web-Server und Linux als Betriebssystem in Verbindung mit PHP?

Suraski: Historisch betrachtet, war immer Apache die native Plattform von PHP. Auch heute noch ist der populärste Webserver, der in Zusammenhang mit PHP benutzt wird, der Apache-Server, obwohl PHP noch viele andere Webserver unterstützt. Die Mitglieder der PHP-Gruppe sind zudem ebenfalls Apache-Software-Foundation-Mitglieder. Jim Jagielski, der Executive VP der ASF, ist außerdem der CTO von Zend Technologies in den USA: Auch wenn keine direkte Verbindung zwischen PHP und Linux besteht (dieses läuft genauso gut unter den meisten Unix-Derivaten), besteht kein Zweifel daran, dass Linux zusammen mit Apache und PHP eine sehr gute Kombination pictureet. Meistens kommt dann auch noch MySQL hinzu.

LE: Sind es hauptsächlich Open-Source-Entwickler, die PHP benutzen, oder wird es auch von Windows-Entwicklern benutzt?

Suraski: Zunächst einmal denke ich nicht, dass das Gegenteil eines Windows-Entwicklers der Open-Source-Entwickler ist. Es gibt bereits eine sehr große Anzahl kommerzieller Entwickler, die unter Linux entwickeln, ebenso wie unter FreeBSD und anderen Open-Source-Plattformen. Unserer Erfahrung nach ist PHP im kommerziellen Markt extrem populär. Der Großteil des kommerziellen Marktes, der es verwendet, benutzt es unter Linux oder Solaris. PHP unter Windows ist immer noch kein Mainstream und wird hauptsächlich in der Entwicklung verwendet, wobei dann die letztendliche Applikation auf einem Unix-Server läuft.

LE: Die Zend Produkte wollen ein Marktsegment erreichen, das bereits durch Technologien wie Microsofts Active Server Pages und Suns Java Server Pages dominiert ist. Auf welche Weise wollen Sie Ihren Marktanteil aufrechterhalten?

Suraski: Zend Technologies konzentriert sich ausschließlich auf den PHP-Markt. Dieser sehr dynamische Markt scheint sich für alternative Technologien, die ebenfalls gerade erhältlich sind, nicht auf diese Weise zu interessieren. PHP ist schneller, als es Java-basierte Plattformen sind, außerdem ist es an keine spezielle Plattform gebunden, wie zum Beispiel ASP. Hinzu kommt, dass PHP es ermöglicht, auch andere Lösungen zu benutzen – es ermöglicht es, sich je nach eigener Vorstellung die Rosinen aus dem Kuchen zu picken. Java-Objekte wie auch COM oder .NET-Komponenten können nahtlos in die PHP-Scripts eingefügt werden.

LE: Welche Art von Web-Applikationen wird durch PHP am besten unterstützt? Welche Features sind wichtig in Hinsicht auf das Enterprise-Computing, beispielsweise um eCommerce-Lösungen hoher Komplexität zu kreieren?

Suraski: Diese Frage ist schwierig zu beantworten, weil PHP bereits in fast jeder Web-Umgebung benutzt wird. Es wurde in komplexen eCommerce-Applikationen verwendet, ebenso auf Community-Sites und allen möglichen webfähigen Benutzerschnittstellen für Legacy-Applikationen.

LE: Wie sieht ein typisches Web-Projekt aus, das mit Zend-Tools erstellt worden ist?

Suraski: Die Zend-Produkte unterstützten die Entwickler dabei, PHP-basierte Lösungen schneller und effizienter zu erstellen. Verwendet man die Zend IDE, kann man eine PHP-orientierte Entwicklungsumgebung nutzen, die auch ein verbessertes Debugging enthält – auf diese Weise kann man die Entwicklungszeit verkürzen und die Produktivität verbessern. Der Zend Encoder Unlimited ermöglicht es Software-Entwicklern, eigene Applikationen im Binär-Format bereitzustellen, ohne ihren Source Code zu veröffentlichen. Der Zend Cache ermöglicht es Unternehmen außerdem, hoch-performante Lösungen mit einer Effizienz zu erstellen, die in anderen Web-Umgebungen noch nicht erreichbar ist.

LE: Die Open-Source-Community betrachtet die kommerziellen Aktivitäten von Zend mit Argwohn. Auf dem PHP-Kongress in Köln letztes Jahr beispielsweise wurde Kritik an den Preisen der Zend-Produkte geäußert, und aus der Sicht eines Entwicklers ist Ihr Produkt-Portfolio nicht gerade günstig. Bis zu welchem Punkt gehen Sie auf die Bedürfnisse der Entwickler ein?

Suraski: Viele Leute waren sicherlich zunächst erstaunt darüber, dass Zend für seine Produkte Geld will. Die Leute hatten sich an den alten Typus von „Open-Source-Company“ gewöhnt. Unglücklicherweise waren diese „Open-Source-Companies“ aber vor allem ein Phänomen der Dot-Com-Ära – es stand kein lebensfähiges Geschäftsmodell dahinter. Support-basierte Firmen gingen für gewöhnlich wieder ein, vielleicht auch deswegen, weil Open-Source-Software ohne viel Support auskommt. Wir hatten den Dot-Com-Crash bereits erwartet, bevor er eintrat – wie viele andere auch. Deshalb beschlossen wir, unser Geschäftsmodell besser auf ein ehrliches und verlässliches Software-basiertes Modell zu stützen, als auf irgendein Dot-Com-Geschäftsmodell. Im allgemeinen hat es sich Zend Technologies zum Ziel gesetzt, PHP zu verbessern, im speziellen soll das Ziel erreicht werden, den Unternehmens-Markt von PHP zu vergrößern. Bezugnehmend auf die Erfahrungen der Vergangenheit, wäre es fatal für PHP, wenn es sich im Unternehmensbereich nicht behaupten könnte, denn dann würde es früher oder später sterben. Um seine große Entwicklerbasis aufrecht zu erhalten und zu vergrößern, müssen wir also für einen teil unserer Software Geld nehmen.

Wir haben unser Bestes gegeben, um ein verständliches Preis-Schema für unsere potenziellen Kunden zu entwickeln. Wir haben außerdem aufmerksam die Resonanz des Marktes betrachtet, und als wir herausfanden, dass potenzielle Anwender sich über den Preis beschwerten, haben wir das Preis-Schema schnell angepasst, um den kritischen Stimmen besser Rechnung zu tragen. Die Entwickler-Tools sind jetzt für relativ günstige Preise zu haben, besonders die Developer Server Suite, die für 50 US-Dollar monatlich ein echtes Schnäppchen ist.

Der Zend Cache, der auf hochperformante Websites in den Unternehmen abzielt, kostet ab 1.500 US-Dollar. Wenn sich das auch zunächst teuer anhört, dann ist es das doch in Wirklichkeit nicht. Der Preis von 1.500 US-Dollar macht ca. die Hälfte davon aus, was es kosten würde, einen neuen Server zu kaufen, Kosten für Wartung, Support und Installation mit eingeschlossen. Darüber hinaus bietet der Zend Cache eine drei Mal besserer Performance – und deshalb ist er eine drei Mal bessere Lösung als die Anschaffung neuer Hardware. Und – was möglicherweise noch wichtiger ist:

Der Zend Cache ist für hochperformante Websites konzipiert worden, die auch noch das kleinste Restchen verfügbarer Performance benötigen, um zu funktionieren. Für viele Sites, besonders für die nicht-kommerziellen, ist PHP 4.0 so wie es ist, schon ausreichend und extrem schnell.

Die Leute vergessen außerdem oft, dass Zend Technologies bereits einiges an Ressourcen in die Zend Engine und PHP 4.0 gesteckt hat – PHP 4.0 ermöglicht immerhin eine um den Faktor 200 größere Performance als PHP 3.0. Außerdem sollte nicht vergessen werden, dass die PHP 3.0-Engine ebenfalls durch die Zend-Gründer implementiert wurde und damit Zend entscheidend daran beteiligt war, PHPs großen Erfolg zu ermöglichen.

Zusammenfassend kann man noch einmal sagen, dass wir denken, dass die Preise für die Zend-Produkte angemessen sind, die Marktresonanz scheint das auch zu bestätigen. Natürlich würden es Einige vorziehen, wenn unsere Produkte gratis erhältlich wären, aber die Tage der Dot-Com-Ära haben mehr als deutlich bewiesen, dass es unmöglich ist, Geld zu verlieren und trotzdem zu überleben. Für Zend Technologies ist es notwendig, Software zu verkaufen – und dies, damit wir unser Ziel der Verbesserung von PHP bestmöglich verfolgen können.

LE: Können Sie uns erklären, wie der Zend Subscription-Plan funktioniert?

Suraski: Wie bereits erwähnt, wurde die Zend Developer Server Suite für die Belange der Entwickler gestaltet. Sie sollen hierdurch Zend-Produkte und Services erhalten, damit sie PHP-Applikationen entwickeln und einsetzen können. Die Suite enthält sowohl kleine als auch umfangreiche Versionen und außerdem Updates über das ganze Jahr weg. Gerade für Produkte wie das Zend LaunchPad und die Zend IDE, die sehr häufig verbessert und als Update veröffentlicht werden, schien uns dies der effektivste Weg zu sein, um diese Software anzubieten.

LE: Ist die Kombination mit proprietären Add-Ons und Support Ihrer Meinung nach die einzige Möglichkeit, um im Feld der Open-Source-Software Geld zu verdienen?

Suraski: Sie haben Recht, davon sind wir überzeugt. Im allgemeinen sind Support-basierte Geschäftsmodelle sehr schwierig zu implementieren – gerade in einem Umfeld, das zuverlässige Software produziert, wie das Open-Source-Umfeld. Der Support ist in vielen Fällen gar nicht unbedingt notwendig, und die meisten werden wahrscheinlich ohne ihn weiterarbeiten. Dennoch ist es nach wie vor wichtig, Support anzubieten, auch wenn er nicht immer profitabel ist: Er ermöglicht es dem Produkt, in Gebiete zu gelangen, die ihm ansonsten verschlossen wären – die Unternehmens-Märkte. Viele Unternehmen hätten nicht einmal darüber nachgedacht, PHP zu benutzen, wenn die Option auf einen kommerziellen Support nicht existieren würde. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Unternehmen, wenn sie damit beginnen PHP einzusetzen, bemerken, dass sie keinen zusätzlichen Support brauchen. Hätte es jedoch keine Option auf einen Support gegeben, dann hätten sie PHP wahrscheinlich überhaupt nicht ausprobiert. Hierin besteht denn auch der Hauptgrund dafür, weshalb wir einen professionellen Support für PHP anbieten. Wie auch immer, das Kernstück unseres Geschäftsmodells besteht schließlich darin, proprietäre Software zu verkaufen, die sich an die Vorgaben kommerzieller Unternehmen richtet.

LE: Die Verschlüsselungs-Engine, die dazu genutzt wird, PHP-Programme zu verschlüsseln, ist aus der Sicht der Open-Source-Gemeinde kontraproduktiv. Warum bieten Sie eine solche Applikation an, und für welche Art von User ist diese gedacht?

Suraski: Auf den ersten Blick mag es tatsächlich so erscheinen, aber das ist nicht ganz zutreffend. Wir haben bereits seit ein paar Jahren wiederholt Rückfragen einiger Unternehmen erhalten, die darum baten, dass wir einen Mechanismus zur Distribution von proprietärem PHP-Code zur Verfügung stellen. Tatsache ist, dass viele Firmen sich deswegen von PHP distanziert haben, weil es nicht möglich war, proprietären Code auszuliefern. Auf dieses Anliegen sollte man aber nicht damit reagieren, die Firmen zu drängen, ihren Code offenzulegen. Wir glauben an das BSD-Modell – ich meine damit: Jeder kann mit dem Code machen, was er will, ob nun als Open Source oder proprietär. Wir mögen den Open-Source-Gedanken, aber wir wollen niemanden dazu zwingen, seinen Code offenzulegen, der das gar nicht will. Denn es hat nichts mit Freiheit zu tun, wenn man jemanden dazu zwingt, seinen Code offenzulegen.

Den Zend Encoder Unlimited haben wir entwickelt, um diesem kommerziellen Interesse zu begegnen, und nicht, um bereits offenen Code wieder zu verschlüsseln. Hier liegt auch einer der Gründe dafür, weshalb wir Gebühren für das Produkt entrichten. Ein freies Verschlüsselungstool widerspricht tatsächlich den Zielen von Open Source, weil es die Leute geradezu ermutigt, ihren Code zu verschlüsseln. Auf der anderen Seite sichern die Gebühren für den Zend Encoder Unlimited aber auch, dass ausschließlich kommerzielle Einrichtungen Zugang zu ihm haben und dass die alten Open-Source-Communities rund um PHP weiter florieren können.

LE: Welche Verbesserungen erwarten Sie in der nahen Zukunft von PHP? Und wie wird Zend diese Entwicklung unterstützen?

Suraski: Im User-Layer sind die hauptsächlichen Verbesserungen durch PEAR bereits erreicht worden. PEAR hat ambitionierte und weitreichende Ziele, und ich bin gespannt darauf, inwieweit diese erreicht werden. Auf dem Sprachlevel sind wir dabei, Exception Handling zu integrieren, und – auf längere Sicht – wollen wir die Objektorientierung verbessern, sowie die Java/.NET-Integration.

LE: Herr Suraski, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Unser Gesprächspartner

Zeev Suraski hat bereits während seiner Tätigkeit für das Web Development bei Netvision, Israels größtem Internet Service Provider, einige Erfahrungen mit PHP/FI gesammelt. Zusammen mit Andi Gutmans wählte er es für ein Universitäts-Internet-Projekt aus. Später entwickelten Suraski und Gutmans u.a. die Zend Engine, die PHP 4.0 unterstützt. Suraski designte auch andere PHP 4.0-Komponenten. Im Jahr 1999 gründete er zusammen mit anderen Entwicklern Zend Technologies. Suraski war im Jahr 1999 für den GNU 1999 Free Software Award nominiert. Er erhielt außerdem weitere Auszeichnungen für seine Arbeit.

Das Unternehmen

Zend Technologies Ltd. wurde im Oktober 1999 gegründet – die Anfänge des Unternehmens liegen jedoch bereits im Jahr 1997. Hier engagierten sich die Gründer Zeev Suraski und Andi Gutmans im PHP-Core-Development-Team und wurden zu dessen wichtigsten Mitgliedern.

Zend Technologies Ltd. ist ein Software-Unternehmen, das seinen Schwerpunkt im Bereich der Internet-Infrastruktur sieht. Es stellt Produkte für Unternehmen sowie Services für PHP zur Verfügung. Zend bietet Lösungen für Unternehmens- und kommerzielle Applikationen an, wo Kriterien wie die Time-to-market, eine hohe Website-Performance sowie der Schutz von Intellectual Property eine große Rolle spielen.

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