Die Evolution von User Interface und User Experience auf der webinale

User Behavior: ein beschwerlicher, aber lohnenswerter Weg
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Leben wir schon in einem Zeitalter des Contextual Computing? Oder klopfen wir erst an die Tür? Zu konstatieren, dass sich in den letzten Jahren in der Applikationsentwicklung viel getan hat, wäre eine große Untertreibung.

Inzwischen gehört es zum guten Ton, dass sich Inhalte von Applikationen jeder Art an den Kontext des Nutzers anpassen: Die App agiert und reagiert auf Basis von aktuellen Gegebenheiten und vergangenem Verhalten. Im Idealfall lernt sie sogar dazu, um das Verhalten des Nutzers vorauszusagen.

Eine Evolution hat sich auch im Bereich User Interfaces und User Experience vollzogen. Displays skalieren von Bildschirm- zu Briefmarkengröße; Smartwatches werden früher oder später ins tägliche Leben ebenso integriert sein wie Smartphones. Der nächste Schritt? Embedded Technologies. Bestimmte Technologien werden – so unheimlich sich das für manche auch anhören mag – in den nächsten Jahren in unseren Körper wandern.

Mehr Design Thinking!

Angesichts solcher Entwicklungen benötigt es nicht nur technische Überlegungen und Lösungen bei der Gestaltung von Applikationen, um die User Experience zu erhöhen und den Nutzer nicht abzulenken. Es braucht ein dezidiertes Design Thinking, in dessen Zentrum stets der Nutzer und sein Verhalten steht.

In seiner Session „Vom User Interface über User Experience zum User Behavior“ gab Ivo Wessel den Teilnehmern spannende Anregungen zum titelgebenden Aspekt des User Behavior.

Auf den Punkt gebracht drückt User Behavior folgendes aus: Das Maß bzw. den Umfang, wie sich eine App an uns gewöhnt. Ein Aspekt der laut Wessel immer noch sehr vernachlässigt wird, denn zu wenige Programme lernen selbstständig dazu. „Es müsste doch eigentlich wissen“, „Mein Computer versteht mich nicht“ oder „Er müsste doch merken, wie es mir geht“ sind typische Äußerungen von genervten Nutzern. Doch im Grunde genommen gibt es noch viele Aspekte, die man heutzutage dank umfangreicher Sensorik auf Softwareseite messen könnte, um entsprechende Maßnahmen auszulösen und das Frustrationslevel des Nutzers zu reduzieren.

User Behavior is king!

Allerdings werden zahlreiche Aspekte des User Interaction Design kaum oder nur ungenügend beachtet – von Visibility und Feedback über Affordance und Mapping bis hin zu Constraint und Consistency – viele dieser Prinzipien müssten laut Wessel (mehr) Einzug in die Softwareentwicklung halten.

So könnte man beispielsweise im Rahmen einer sogenannten User-Centric Terminology als Entwickler einfach mal einen Gang runterschalten, um eine verständlichere, beziehungsweise eine auf den Nutzer angepasste Ansprache zu verwenden.

Darüber hinaus plädiert Ivo Wessel für eine „Personalized UX“. „Lassen Sie die App lernen, was der User so macht!“ Statt „last used“-Listen wünscht sich Wessel „most used“-Listen. Statt einer Undo- oder Papierkorbfunktion eine solide Historie, die dem Nutzer dabei hilft, Fehler zu beheben.

Humanized UX

Wenn sich dann noch eine „Humanized UX“ dazugesellt und der Nutzer persönlicher und situationsabhängig angesprochen wird, hat man die ersten wichtigen Schritte hin zu einer optimierten Berücksichtigung von User Behavior gemacht. So sind für Wessel beispielsweise Icon Badges höchst problematisch, weil sie ein schlechtes Gewissen machen und „die eigene Unproduktivität in den Fokus rücken“. Stattdessen wäre es toll, wenn die Software die Gründe lernte, warum Nutzer 500 ungelesene E-Mails im Postfach hat. Krönung der „Humanized UX“ ist die humanisierte Navigation, die die gesamte Sensorik miteinbezieht.

Welche Wege führen aber zu einer besseren Berücksichtigung von User Beavior? Drei Ansätze können helfen:

  • Past analysis: Wie hat der Nutzer früher reagiert?
  • Present analysis: Wie geht’s dem Nutzer gerade?
  • Future analysis: Wie wird der Nutzer reagieren?
ivo wessel, apple watch

Für Ivo Wessel sind Wearables wie die Apple Watch DER Game Changer.

 

Vom Pull zum Push

Wearables wie die Apple Watch sieht Wessel als Vorreiter, denn aufgrund des reduzierten Interface lassen sich Funktionen mit nur sehr wenigen (Inter-)Aktionen auslösen – vom Bezahlen über Smart-Home-Steuerung bis hin zum Smartphone suchen.

Den wichtigsten Tipp, den Wessel den Teilnehmern zum Abschluss mit an die Hand gab, hat ebenfalls starken Bezug zu Wearables: Softwareentwickler und -designer sollten Push-Notifications noch stärker einsetzen. Denn die Tage, in der man Apps oder Websites aufruft, um sich Informationen zu ziehen, sind gezählt!

Aufmacherbild: Anna Hoychuk / Shutterstock.com

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