Aus dem UX-Nähkästchen

UX-Missverständnisse Teil 1: Webdesign ist Schmuck
Kommentare

Die meisten Irrtümer im Umgang mit der User Experience basieren auf falschen Annahmen hinsichtlich der Interaktion von Usern mit digitalen Produkten. Was oftmals gut gemeint ist, kann die Konversion und Beliebtheit des eigenen Projekts stark gefährden. Um etwas Licht ins Dunkel zu bringen, stellen wir in dieser Artikelserie die häufigsten UX-Missverständnisse vor – heute: Webdesign ist Schmuck.

Nach wie vor ist die Popularität von Webseiten ungebrochen. Jedes Unternehmen, das etwas auf sich hält, besitzt eine eigene Homepage. In der Regel wird hierfür eine Menge Geld in die Hand genommen, damit die eigene Internetpräsenz professionellen Ansprüchen genügt und visuell überzeugen kann. Manch einer geht sogar soweit, sich ein eigenes Indoor-Team allein für die Pflege des Webauftritts anzustellen.

Betrieben wird der ganze Aufwand, da gemeinhin angenommen wird, dass der Erstkontakt von Usern mit einem Unternehmen per Seitenaufruf erfolgt. Ein kompetenter Internetauftritt scheint daher eine gute Investition zu sein, um mehr User auf sich aufmerksam zu machen und möglicherweise langfristig als Kunden zu gewinnen.

UX-Missverständnis #1: Das Wichtigste ist die Homepage

Allerdings hat sich das Userverhalten in den letzten Jahren enorm verändert. Die Zukunft des Surfens gehört nicht länger den Desktop-Anwendungen, sondern mobilen Geräten. Der Trend geht mittlerweise soweit, dass sich die User kaum noch für Webseiten interessieren. Grund hierfür: Auf mobilen Endgeräten ist es umständlich Seiten per Browser aufzurufen.

Das mobile Surfen wird daher mehr und mehr durch den Einsatz von Apps verdrängt. Ihr Vorteil liegt darin, dass sie die gerätespezifischen Funktionen und Eingabemöglichkeiten von mobilen Engeräten besser ausnutzen als mobile-friendly Webseiten. Das veränderte Surfverhalten schlägt sich auch auf das Suchverhalten der User nieder. Ergebnisse von Suchanfragen sind nicht mehr länger an starre User Interfaces von Webseiten gebunden, sondern können via APIs geräteübergreifend geteilt und ausgetauscht werden.

UX-Missverständnis #2: Das Design soll eine Homepage gut aussehen lassen

Es wäre allerdings verkehrt anzunehmen, dass Webseiten deshalb von jetzt auf gleich überhaupt keine Rolle mehr spielen würden. Die Entwicklungen haben sich jedoch nachdrücklich auf das Selbstverständnis des Webdesigns ausgewirkt. Die Annahme, dass Design bloßes Zierwerk sei, war schon vor der „mobilen Revolution“ so falsch wie weitverbreitet. Durch die massenhafte Verbreitung mobiler Endgeräte hat sich dieses Credo nun vollständig gewandelt.

Im Design geht es in erster Linie darum, wie etwas funktioniert, und nicht, wie etwas aussieht (mehr dazu im Artikel UI und UX – Wo liegt der Unterschied?). Im Gegensatz zur Kunst ist ein gutes Design nicht allein visuell ansprechend, sondern auch funktional praktikabel, um auf effiziente Weise Probleme zu lösen. Gute Webdesigns zeichnen sich dadurch aus, zu verstehen, wie der Benutzer seine Umwelt sieht, sie sich denkt und sich ihr gegenüber verhält. Bei der Gestaltung stehen daher nicht ästhetische Fragen im Vordergrund, sondern Methoden wie Nutzerforschung, Prototypenentwicklung sowie das Testen auf Benutzerfreundlichkeit.

UX-Missverständnis #3: Das Design einer Homepage muss originell sein

Webdesigns zeichnen sich deshalb in erster Linie durch eine gute User Experience aus, die durch gestalterische Elemente sinnvoll unterstützt wird. Doch viele Designer würden lieber das Rad neu erfinden als mit herkömmlichen Webservices zu arbeiten oder auf standardisierte UI-Frameworks zurückzugreifen. Ein originelles Design führt jedoch nicht automatisch zu einer Steigerung der Konversionsrate.

Standardisierte Frameworks und Webservices haben den Vorteil, in der Regel zuverlässiger und kostengünstiger zu sein als zeitintensive Eigenentwürfe. Frameworks wie WordPress oder Drupal haben ihre Alltagstauglichkeit bewiesen und werden kontinuierlich verbessert und angepasst. Hinzu kommt, dass die meisten Webseiten im Netz mittlerweile auf den gleichen Vorlagen basieren. Wird ein Framework verwendet, finden sich die User zumeist schnell zurecht und bedürfen keinerlei gesonderter Einführung. Darüber hinaus schätzen es die Benutzer, wenn ihnen eine Webseite beim ersten Besuch vertraut vorkommt und von ihnen intuitiv bedient werden kann.

Steigt die User-Experience einer Webseite, steigt auch ihre Attraktivität. Deshalb ist es meistens sinnvoller, eine bereits gut funktionierende Vorlage den eigenen Ansprüchen anzupassen, als eine Webseite von Grund auf neu zu gestalten. Häufig steht zu viel Originalität einer guten User Experience nur im Weg.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Design ist kein schmückendes Beiwerk, sondern – richtig eingesetzt – ein wichtiger Baustein, um die User Experience einer Webseite zu steigern!

Aufmacherbild: Beautiful golden bracelets and rings isolated on white via Shutterstock (modifiziert) / Urheberrecht: Africa Studio

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -