Du sollst nicht…

Die 10 Gebote des UI-Designs
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User Interface-Design ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits soll eine ansprechende Oberfläche geschaffen werden, die originell ist und dem User in Erinnerung bleibt. Gleichzeitig darf sie ihn nicht überfordern und/oder ablenken. Für Entwickler besteht dabei die Herausforderung, beide Aspekte in der Waage zu halten und ihre Webseite für die User möglichst intuitiv zugänglich zu machen.

Steve Jobs mag von vielen wie ein Gott verehrt werden, aber die Entwicklung des iPods ist wohl kaum mit der Erschaffung der Welt zu vergleichen. Andersherum ist „Intelligent Design“ bestimmt nicht der Entstehungsgrund des Universums, wie die pseudowissenschaftliche Lehre des Kreationismus behauptet. Stattdessen kann man es vielen Produkten aus der Hand von Steve Jobs nicht absprechen. Darum macht es trotz des zuweilen albernen Kults um den verstorbenen Apple-Gründer Sinn, einen Artikel zu Fragen des User Interface-Designs mit einem Zitat von ihm zu beginnen, so wie es Olesia Bachynska bei ihren zehn Geboten des UI-Designs getan hat:

Design is not just what it looks like or feels like, design is how it works.

Damit möchte die Autorin zunächst einmal zu Mäßigung aufrufen. Entwickler sollten sich nicht einen unterschwelligen Konkurrenzkampf um das ausgeflippteste Feature und die raffiniertesten Gimmicks liefern, sondern sich zunächst darauf konzentrieren, einen reibungslosen Zugang zum Content einer Webseite zu ermöglichen. Letztendlich ist das entscheidet für die Haltung, die die User zu einem Produkt einnehmen werden. Um positive Resonanz zu bekommen, ist es darum sinnvoll, sich nicht gegen Bachynskas zehn Gebote zu versündigen.

1. Klarheit / Übersichtlichkeit

Die User müssen wissen, wo sie was finden können. Wenn sie sicher im Umgang mit der Webseite sind, fühlen sie sich auch wohl. Haben sie dagegen den Eindruck, nicht die Kontrolle zu besitzen, kann das schnell zu einer negativen Einstellung führen. Darum sollten Designer dafür sorgen, dass die wichtigsten Features stets griffbereit sind. Darüber hinaus sollte auf unnütze Spielereien und andere Ablenkungen – wie etwa aufdringliche Werbung oder überflüssige Bilder – verzichtet werden. Klarheit kann als einer der wichtigsten Aspekte des Webdesigns gelten und sollte bei allen folgenden Punkten beachtet werden.

2. Farbe

Farbe ist ein wunderbares Instrument, um die Aufmerksamkeit der User zu steuern, sie auf spezielle Aspekte zu lenken oder bei Bedarf umzuleiten. Besonders hilfreich kann dabei der Einsatz von Licht, Kontrasten oder Texturen sein. Das Potential dieser Techniken wird zu häufig noch ignoriert, bei Unachtsamkeit können sie sogar in eine Behinderung für die User umschlagen. Bei der Farbwahl empfiehlt die Autorin, sich auf drei Hauptfarben zu beschränken und sie bei Bedarf durch Schattierungen zu ergänzen. Inspiration für ein ausgewogenes Farbdesign kann man sich zum Beispiel in der Natur holen.

3. Font-Familien

Fonts sollte man nicht unterschätzen, gerade auch weil man bei ihnen schnell geneigt ist zu übertreiben. Generell aber kann eine gut aufeinander abgestimmte Kombination von Schriftsätzen – am besten mit Highlightern – für ein angenehmeres, besser strukturiertes Lesegefühl sorgen. Aufpassen sollte man jedoch bei der Implementierung, denn der Einsatz von Webfonts kann schnell zu Performanceproblemen führen.

4. Navigation

Ganz grundlegend ist ein Interface dazu da, die Kommunikation von Mensch und Maschine zu ermöglichen. Diese möglichst effizient zu organisieren, ist Aufgabe des UI-Designs. Für den Aufbau einer verständlichen Navigationsstruktur stehen von Buttons über Sliders zu DropDown-Menüs unzählige Möglichkeiten zur Verfügung, die Platz sparen und die Navigation vereinfachen können. Es lohnt sich, einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen im Responsive Design zu werfen, wo sich zurzeit die wichtigsten Fragen und entsprechende Lösungen im Bereich des Navigationsdesigns herauskristallisieren.

5. Layout

Kreativität ist das Wichtigste beim Layout, schließlich steht es gewissermaßen an Anfang und Ende des UI-Designprozesses. Es ist das Gesamtkonzept, das alles zusammenhält, das die Website einzigartig erscheinen lässt und für alle Features den Referenzrahmen bildet, in dem sie erst ihre Wirkung entfalten können. Dementsprechend empfiehlt Bachynksa, hier der Phantasie freien Lauf zu lassen. Zu wild sollte man es dennoch nicht treiben, schließlich muss das Konzept auch umgesetzt werden können.

6. Verbindungen herstellen

Verlinkungen nach außen können eine Webseite zu einer wertvolleren Ressource für die User machen. Diese werden sich merken, wo sie eine gute Information bekommen haben. Zusätzlich erhöhen Verlinkungen die Skalierbarkeit, schließlich kann man nicht allein das ganze Internet sein. Außerdem werden Dritte durch Verlinkungen dazu animiert, am Angebot der Homepage teilzunehmen und ihrerseits Beiträge zu leisten. Bilder mit Linktexten eignen sich besonders gut dazu, Inhalte stark komprimiert darzustellen.

7. Feedback

UI-Design sollte keine Einbahnstraße sein. Für die Verbesserung des Interfaces ist die Kommunikation mit den Usern unerlässlich. Folglich sollten Designer den Nutzern stets die Möglichkeit einräumen, Feedback zu geben. So kann man Informationen über etwaige Kunden sammeln, ihre Präferenzen besser kennenlernen und gegebenenfalls das Design anpassen. Eine sinnvolle Ergänzung zum Userfeedback sind interne Feedbackschleifen, wie etwa Retrospektiven oder Messtechniken und Dokumentation. Darüber hinaus lassen sich die so gewonnenen Informationen zur Verbesserung des Traffics verwenden.

8. Bilder optimieren

Bilder sollten für ihren Gebrauch stets optimiert werden. Um die Ladezeiten zu verbessern, bietet es sich an, Images passend zu skalieren und zu komprimieren. Günstige Dateiformate können ebenfalls zur Geschwindigkeit beitragen. Desweiteren ist es hilfreich, Bilder mit alternativen Tags zu versehen, um Suchmaschinen das Auffinden des Contents zu erleichtern.

9. Content

Den sollte man natürlich nicht vergessen. Noch die schönste Seite wird irgendwann verwaist sein, wenn die Inhalte fehlen. Diese sollten vor allem authentisch und einzigartig sein, um in der globalen Konkurrenz der Contentprovider herauszustechen. Unverzichtbar ist heutzutage die Anbindung an die sozialen Netzwerke, wobei davor gewarnt sei, Interaktivität mit Inhalten selbst zu verwechseln. Die Nutzer wollen teilhaben, aber sie wollen teilhaben an bestehenden Inhalten.

10. Keep it simple

Ein bekanntes Zitat von Martin LeBlank besagt, dass UI wie ein Witz ist: Wenn man ihn erklären muss, war er nicht gut. Die Punchline muss sitzen, beim Witz wie beim Webdesign. Also sollte man sich nicht verzetteln und das Design einfach und übersichtlich halten. Der User sollte sich nicht überwältigt fühlen. Man sollte genug Freifläche lassen und sich wiederholende Bilder vermeiden. Generell gilt auch im UI-Design: Weniger ist mehr! Auch ohne sich vollkommen diesem Paradigma verschreiben zu müssen, kann man sich dafür Inspiration beim Minimalismus-Stil holen.

Fazit

Beim UI-Design einer Webseite sollte natürlich der User im Mittelpunkt stehen. Dort darf man ihn aber nicht alleine lassen. Webdesign ist ein Gespräch, das im Entwicklungsprozess als simulierte Auseinandersetzung zwischen Entwicklerteam und dem nicht anwesenden User gedacht und nach Veröffentlichung als kontinuierlicher, feedbackgesteuerter Optimierungsprozess fortgeführt werden muss. Erinnert man sich dabei stets an die 10 Gebote des UI-Designs, wird man auf lange Sicht garantiert selig werden.

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