Eine bessere Stimmung im Team = besseres UX-Design

Entwickler vs UX-Designer – 6 Tipps für ein besseres Arbeitsklima
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UX-Designer und Entwickler müssen als Team zusammenarbeiten. Das gelingt jedoch längst nicht immer. Wir haben sechs Tipps zusammengestellt, um das Klima im Team zu verbessern – und damit auch die User Experience der Produkte.

Die Stimmung im Team ist momentan etwas verhagelt. Die neue Anwendung ist zwar fertig geworden und funktioniert auch. Aber es sind am Ende weniger Features implementiert als angedacht. Die Frage nach den Verantwortlichen ist dann oft schnell geklärt: Schuld sind die Entwickler, finden etwa die Designer. Doch möglicherweise ist diese Antwort vorschnell abgegeben. Denn glücklicherweise existieren im 21. Jahrhundert arbeitsklimafreundlichere Techniken als einseitige Schuldzuweisungen.

Der steinige Weg zum besseren Arbeitsklima

Ein ebenso effektives wie angenehmes Arbeitsklima für alle Kollegen herzustellen ist nicht einfach. Ein bereits verdorbenes Arbeitsklima wiederherzustellen noch schwerer. Wir wollen uns einmal verschiedene Möglichkeiten angucken, mit denen sich die Stimmung teamübergreifend verbessern lässt. Denn eine gute Zusammenarbeit zwischen Entwicklern und Designern ist zentral für ein gelingendes UX-Design – und damit am Ende auch ein nicht zu unterschätzender Einflussfaktor auf den Unternehmenserfolg.

1. Rahmenbedingungen sind entscheidend

Damit das Klima verbessert werden kann, müssen zunächst einmal die Rahmenbedingungen stimmen. So sollten die Büroräume kommunikativ eingerichtet sein, um eine Zusammenarbeit zu fördern. Umstrukturierungen können und dürfen eingefordert werden. Wenn beispielsweise schwierige Anweisungen kommen, sollten diese zwar erfüllt werden, aber nur unter Auflage seitens der Mitarbeiter: Es bedarf einer klaren Benennung der Aspekte, die im Unternehmen verbessert werden können.

Um das sture Schema Entwickler versus Designer aufzulockern, gibt es viele Möglichkeiten. Es lassen sich beispielsweise für diverse Projekte vielfältige Squads bilden. In diesem Beispiel werden Designer Entwickler-Teams zugeteilt, wo sie zwei Drittel ihrer Arbeitszeit verbringen. Dynamisches Miteinander und viel Abwechslung und Rotation stärken den Teamgeist und schaffen ein neues Klima.

 2. Motivation und Chancen suchen

Das Arbeitsklima lässt sich durch ein motiviertes Team verbessern. Anstatt blind drauf los zu programmieren und zu designen, sollten modernen Benchmark-Möglichkeiten ausgenutzt werden, empfiehlt Stephen Moyers. Genaues Benchmarking von Elementen lässt sich dazu nutzen, um gezielt die Designer wie Entwickler zu motivieren, etwa über die erreichten Fortschritte.

Ebenso kann produktive Kritik eingebracht werden. Denn Vera Kravchuk zufolge werden etwa Entwickler  gerne für viele Probleme verantwortlich gemacht: Die Website funktioniert nicht, es ist nur die Hälfte aller Features implementiert. Aber müssen Entwickler alles im ersten Versuch hinkriegen? Designer haben ja auch mehrere: Es wird designt, dann überarbeitet, dann es gibt Feedback und auch das wird überarbeitet.

Code ist nie genau so, wie man ihn aus Design-Perspektive haben wollte. Was den Entwicklern letztlich bleibt, ist Look und Feel des Frontends so nah wie möglich an den Wünschen der Designer auszurichten. Aber das erfordert Zeit und Anpassung. Dafür muss den Entwicklern das nötige Feedback gegeben werden.

3. Die Kombination guter Skillsets

Entwickler gelten gemeinhin als der etwas schwierigere Partner im Team. Kravchuck sieht jedoch vor allem in den UX-Designern die ersten Verantwortlichen für eine Verbesserung des Klimas. Der Grund ist naheliegend: Designer sind diejenigen, die sich in die Brille der User versetzen sollen – also können sie sich ruhig auch mal in die Rolle der Entwickler hineinversetzen.

Designer sind verbaler, empathischer und aufgeschlossener,  zumindest laut Rosie Allabarton. Entwickler sind hingegen gradliniger, hartnäckiger und logische Denker. Aber nur die Kombination mit Entwicklern macht ein fähiges UX-Team möglich.

4. Alltägliches, Persönliches und Einzigartiges

Weil Entwickler zuständig für den Code sind, gelten als sie als die Nerds. Selbst wenn das bisweilen stimmen mag, wird diese Stereotypisierung jedoch problematisch, wenn die Nerds aus dem Socialising rausgehalten werden. Niemand muss sich mit allen anfreunden, aber es wäre löblich, sich als Designer mit einem Entwickler auch mal über seine Hobbys oder Lieblingsmannschaften zu unterhalten. Schließlich möchte niemand lediglich als „Werkzeug“ wahrgenommen werden.

Genauso gilt: Ersetzt ein neuer Entwickler einen alten, sollte man sich offen zeigen und auf neue Erfahrungen mit ihm einlassen. Man darf ihn nicht behandeln wie den „Verflossenen“, mahnt rät Kravchuk. Ja, man glaubt es kaum, aber auch Entwickler sind Individuen und haben verschiedene Kommunikations- und Arbeitsweisen. Um den Teamgeist dahingehend zu stärken, setzen einige fortgeschrittene Unternehmen auf gemeinsame Events und abendliche Vorträge, beispielsweise „Wine & Design„.

5. Klimawandel durch Kommunikation

Zwar werden Entwickler inzwischen häufig schon von Beginn an in die Produktentwicklung miteinbezogen. Die Teilnahme darf sich aber nicht darauf beschränken, dass Entwickler lediglich im selben Raum sitzen. Wichtig ist, von Beginn des Projekts an eine gute Kommunikation zu haben. Entwickler sollten zudem nicht bloß zu entwicklungsspezifischen Aspekten befragt, sondern auch nach ihrer Meinung zu UX-Design gefragt werden. Ansonsten verzichtet man unter Umständen auf interessante Erfahrungen, denn die Kollegen haben womöglich schon oft alle Arten von Websites gecodet und können vielleicht mit überraschenden Lösungen aufwarten.

Um die Arbeitsatmosphäre zu verbessern, sollten Entwickler als gleichwertige Teampartner betrachtet werden. Sie sind kein Mittel zum Zweck, um die Ideen der Designer umzusetzen. Die besten Projekte sind immer die, in denen alle etwas beigetragen haben. Und Entwickler sind durchaus in der Lage, die Lösungen zu sehen, die sonst niemand sieht – und das gelingt wiederum nur durch regen Austausch.

6. Fachwissen schlägt Brücken!

Man sollte nicht stets vorbehaltlos akzeptieren, wenn Entwickler sagen, dass ein Wunsch-Feature unmöglich ist. Stattdessen sollte man genau nachfragen, warum dem so ist und ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, über Umwege das Ziel zu erreichen. Dazu ist es hilfreich, auch als Designer Code zu verstehen. Ein Designer muss kein vollständiger Programmierer sein. Aber wie wäre es, genug über Grundlagen zu wissen, um ein besseres Verständnis für Möglichkeiten und Unmöglichkeiten zu bekommen?

Dieser Ansatz erhöht den gegenseitigen Respekt und kann ein professionelleres Klima schaffen. Als zusätzlichen Vorteil führt Tatyana Khamdamova an, dass man bei zukünftigen Projekten informierter ist und weniger Fehler im Design macht.

Fazit

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Arbeitsklima zwischen Entwicklern und UX-Designern zu verbessern. Nicht zuletzt gilt, dass Mitarbeiter Verbesserungen auch einfordern dürfen.

Darüber hinaus zahlt es sich definitiv für UX-Designer aus, durch die Brille der Entwickler zu schauen. Wichtig ist vor allem die Erkenntnis, dass Entwickler keine Werkzeuge sind: Sie sind Teamgefährten und sollten auch so behandelt werden. Das so eine neue Harmonie entsteht, wie Kravchuck denkt, ist vielleicht etwas zu optimistisch, aber ein besseres Arbeitsklima ist so sicherlich möglich.

Wichtig ist neben der Verbesserung des Klimas aber auch, sich nicht auf alle Klischees einzulassen, die Blogger über Entwickler und Designer pflegen.

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