Der Vorteil schneller Ladezeiten

Mobiles Surfen: Performance ist User Experience
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Bei der Entwicklung und Gestaltung einer neuen Webseite steht insbesondere der Aspekt einer guten User Experience im Mittelpunkt. Früher genügte ein ausgefallenes und innovatives Design, um sich von der Konkurrenz abzusetzen. Heute rücken durch standardisierte Webpatterns und UI-Frameworks konkrete Designfragen immer weiter in den Hintergrund.

Um weiterhin aus der breiten Masse herauszustechen zu können, wird es immer wichtiger, die User Experience des eigenen Projekts stetig zu verbessern und gemäß der Kundenwünsche weiterzuentwickeln. Von einer guten UX hängt nicht zuletzt ab, ob die User einer Marke vertrauen, eine Seite regelmäßig besuchen und gegebenenfalls auch weiterempfehlen.

Ein oftmals unterschätzter Faktor einer guten User Experience ist eine schnelle Seitenperformance. Spätestens seit der Wende von stationärer zu mobiler Kommunikation hat die Bedeutung der Ladezeiten von Webseiten stark zugenommen. Mobile Endgeräte laufen dem klassischen Arbeiten am PC oder Laptop immer mehr den Rang ab.

Gleichzeitig ist aber auch eine gegenteilige Entwicklung zu beobachten: Mit wachsender Zunahme der Bedeutung des Smartphones sinkt die Relevanz von Webseiten. Viele greifen lieber zur App als eine Seite per Browser aufzurufen. Neben der besseren Einbindung gerätespezifischer Features mobiler Geräte, ist es vor allem die schnellere Performanz und Reaktionszeit von mobilen Applikationen, welche User dazu motiviert, klassische Webseiten zu meiden.

Mobiles Surfen

Diese Entwicklung wird auch durch das eigene mobile Surfverhalten bestätigt. Braucht eine Seite sehr lange, um zu laden, ist man meistens schon dabei, den nächsten Suchtreffer zu öffnen oder gleich eine ganz andere Webseite anzusteuern. Um einen Zeitungsartikel zu lesen oder zu erfahren, wie das Wetter in den kommenden Tagen wird, verwendet man nur selten den mobilen Browser, sondern hat die entsprechende App auf seinem Smartphone installiert. Hinzu kommt, dass man das Smartphone nur selten allein zum mobilen Surfen aus der Tasche holt. In der Regel checkt man seine E-Mails, liest die neusten Tweets auf Twitter oder sucht nur die nächste gute Bus- oder Bahnverbindung heraus. Je weniger Zeit für das mobile Surfen übrig bleibt, desto höher sind die Erwartungen an die Ladegeschwindigkeit.

Auch die Zahlen belegen, dass mobiles Surfen zum Beiwerk geworden und deshalb auf eine gute Performance angewiesen ist. In der Regel erwarten die User, dass sich eine Seite innerhalb von zwei Sekunden aufgebaut hat. Dauert der Seitenaufbau länger als drei Sekunden, verlassen bereits bis zu 40 Prozent der Besucher die Webpage wieder. Und nicht weniger als 85 Prozent der Mobile-User sind der Meinung, dass eine Seite mindestens genauso schnell (wenn nicht schneller) geladen sein muss wie auf einem Desktop-PC.

Sowohl die eigene Erfahrung als auch die Zahlen sprechen dafür, eine besondere Aufmerksamkeit auf die Performance von mobilen Webseiten zu legen. Allerdings wird der Ästhetik oft noch ein höherer Wert beigemessen als der Funktionalität. Mit Blick auf die User Experience sollte man jedoch der Ladegeschwindigkeit der eigenen Seite mindestens die gleiche Priorität wie ästhetischen Fragen zukommen lassen. Dass sich die Performance positiv auf die eigene User Experience auswirkt, kann anhand einiger Studien und Daten gut belegt werden.

Mobile Datenübertragung und Hardware

Webseiten haben auf mobilen Geräten normalerweise längere Ladezeiten. Das liegt in erster Linie an der Art und Weise der mobilen Datenübertragung. Bevor ein Smartphone mobile Daten von einem Server erhalten oder an ihn senden kann, muss sich das Gerät zunächst mit einer Mobilfunkzelle verbinden. Je nach Empfang kann es passieren, dass die Verbindung unterbrochen wird und neu aufgebaut werden muss. Der gesamte Vorgang kann also schlimmstenfalls mehrere Sekunden dauern.

Hinzu kommt noch die Zeit, die der Browser braucht, um sowohl eine Anfrage an den Server zu senden als auch die geforderten Daten über das Netzwerk zu erhalten. Im Vergleich zu einer üblichen WiFi-Verbindung kann die mobile Datenübertragung fünf bis sechsmal so viel Zeit in Anspruch nehmen. Zeit, die aufgrund ihrer Unberechenbarkeit nur schwer in die eigene Planung integriert werde kann.

Die mobile Surferfahrung wird deshalb in erster Linie durch die vorhandene Latenz und nicht durch die Bandbreite eines Geräts eingeschränkt. Aber auch die Hardware mobiler Geräte unterliegt gewissen Einschränkungen. Aufgrund der kurzen Antennen und der geringen Leistungsaufnahme, die aus der limitierten Akkukapazität mobiler Geräte resultiert, haben Mobile-User auch mit WiFi-Verbindung ein langsameres Datenaufkommen als Desktop-User. Viele Änderungen, welche die Ladezeiten einer Seite verbessern, können aber zugleich die Akkulaufzeit mobiler Geräte fördern.

Das Komprimieren von Bilddateien oder die Optimierung von JavaScript-Files wirkt sich positiv auf den Batterieverbrauch aus. So fanden Forscher in einer Studie heraus, dass Amazon 20 Prozent der Energie bei Seitenaufrufen einsparen könnte, wenn das Unternehmen alle JPEG-Dateien auf ihrer Webseite auf 92 Prozent komprimieren würde. Für Facebook läge der Wert sogar bei 30 Prozent! Auf diese Weise ist es möglich, den Batterieverbrauch ohne nennenswerte Qualitätseinbußen zu senken und die User Experience im gleichen Zug zu steigern. Eine weitere Studie ergab, dass 35 Prozent der Ladezeit auf die Berechnung von HTML-Dokumenten und JavaScript-Dateien entfällt.

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Performante User Experience

Aus technischer Sicht ist es also mehr als ratsam, im Zuge der Optimierung des eigenen Internetauftritts an die Bedürfnisse mobiler User, der Performance eine hohe Priorität einzuräumen. Dass Anwender schnelle Ladezeiten bevorzugen, lässt sich aber auch aus ihrem Verhalten schlussfolgern. So hat eine Studie über das Online-Shopping herausgefunden, dass zu Stoßzeiten mehr als 75 Prozent der Online-Kunden lieber auf eine konkurrierende Plattform ausweichen als Verzögerungen im Ablauf und lange Ladezeiten in Kauf zu nehmen.

Die Ergebnisse werden durch eine Studie von Google untermauert. Sie belegt, dass Benutzer generell schnelle Webseiten bevorzugen und häufiger besuchen. Wie das Experiment zeigte, konnte ein deutlicher Rückgang von Suchanfragen bei denjenigen Personen festgestellt werden, deren Ladegeschwindigkeiten manipuliert und verlangsamt worden sind. Es stellte sich außerdem heraus, dass die betroffenen User nach Ende der Manipulation eine gewisse Eingewöhnungsphase brauchten, bis sie wieder die gleiche Anzahl an Suchanfragen tätigten.

Die negativen Auswirkungen einer langsamen Performance beeinflussten nicht nur die direkten Reaktionen der Probanden, sondern wirkten sich auch ungünstig auf deren zukünftiges Verhalten aus. Ob und wie oft die User eine Webseite besuchen, hängt demzufolge von ihren gemachten Erfahrungen und den darauf basierenden Entscheidungen ab. Wie sich gezeigt hat, ist die Performance hierbei ein wichtiger Faktor.

Zu guter Letzt wirkt sich die Ladegeschwindigkeit auch positiv auf das Ranking bei Suchanfragen aus, da schnelle Seiten generell höher eingestuft werden als langsamere. Laut Google stellt aber nach wie vor der Inhalt mit das höchste Kriterium bei der Ermittlung von Suchergebnissen dar. Trotzdem kann eine schnelle Ladezeit zu einer guten User Experience der gesamten Webseite beitragen. Wie eine Studie von Microsoft zeigte, erinnern sich die User am besten an die erstplatzierten Ergebnisse ihrer eigenen Suchanfragen. Die Performance einer Webseite zu optimieren, ist daher nicht nur von Vorteil für die User, sondern auch für das eigene Produkt.

Fazit

Im Zuge der Optimierung des Internetauftritts an die Bedürfnisse mobiler User sollte der Performance eine hohe Priorität eingeräumt werden. Denn von der Ladezeit einer Webseite hängt es häufig ab, ob die mobile Surferfahrung als positiv oder negativ bewertet wird. Von einer schnellen Geschwindigkeit profitiert aber nicht nur der User, sondern auch das eigene Projekt. Zudem sollte man nicht vergessen, dass ein Plus an Performance allen Benutzern geräteübergreifend zugutekommt.

Aufmacherbild: Young programmer software engineer via Shutterstock / Urheberrecht: ErinArt

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