Mobile User Experience für Ypsiloner

Das richtige Webdesign für die Generation Y
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Mittlerweile strömt eine neue Generation junger Menschen auf den Arbeitsmarkt, die oftmals als Generation Y gekennzeichnet wird. Ihre Teenagerzeit fällt mit der weltweiten Digitalisierung zusammen. Sie sind es also von klein auf gewöhnt, ihr Leben auf Facebook & Co. mitzuteilen – und ihre Kaufkraft nimmt in den letzten Jahren stetig zu. Ein Grund mehr, sich auch aus der Designperspektive näher mit ihnen zu beschäftigen.

Die heutige Arbeitswelt wandelt sich immer mehr zu einer Kreativ- und Wissensökonomie. Arbeiten ist nicht mehr an bestimmte Orte und Zeiten gebunden, sondern durch die massenhafte Verbreitung von Breitbandanbindungen nahezu von überall möglich. Smartphones und Laptops stehen für eine Kultur des mobilen Arbeitens, die sich nicht mehr an starren Präsenszeiten orientiert.

Statussymbole wie Dienstwagen und verglaste Eckbüros werden immer häufiger gegen Flexibilität, Eigenständigkeit und mehr Freiräume eingetauscht. Das Arbeiten in Coworking Spaces wird unter Freiberuflern, Kreativen, kleineren Startups oder digitalen Nomaden stets populärer und auch das Konzept des Home Office ist kein Fremdwort mehr im alltäglichen Büroalltag.

Die Autonomie der Beschäftigten zahlt sich in der Regel aus. Sie arbeiten meist produktiver, kreativer und effizienter. Als Grund für die Veränderungen in der Berufswelt wird wiederholt ein Stichwort herangezogen: die Generation Y.

Generation Y

Zu den Mitgliedern der Generation Y gehören diejenigen, die nach 1980 geboren worden sind. Die „Ypsiloner“ sind in der Regel gut behütet aufgewachsen, besitzen einen Hochschulabschluss und eine gute Berufsausbildung. Sie stellt die erste Altergruppe dar, die mit dem Internet groß geworden ist und den Aufstieg sozialer Medien wie Facebook, Twitter oder YouTube miterlebt hat. Das Austauschen und Verändern von Informationen im digitalen Raum ist für sie völlig normal.

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Generation X versus Generation Y, Quelle: © Shutterstock / is am are

Heutzutage ist die „GenY“ dem Teenalter entsprungen und strömt massenhaft auf den Arbeitsmarkt. Die Angehörigen besitzen mittlerweile eine immense Kaufkraft. Für das Jahr 2017 wird sie auf über 200 Milliarden Dollar geschätzt. Eine internetaffine Generation, die Flexibilität und Eigenständigkeit priorisiert, ist insbesondere für den E-Commerce-Bereich interessant.

Es ist also nicht verwunderlich, dass sich in den Communities mittlerweile rege darüber ausgetauscht wird, wie man das eigene Design am besten an die Wünsche und Bedürfnisse der Generation Y anpassen kann. Doch was spricht sie an? Wie in der Arbeitswelt kommt es in der Gestaltung auf Flexibilität, Effizienz und Eigenständigkeit an.

#1. Flexibilität: Mobile First

Über 80 Prozent der Ypsiloner sind im Besitz eines mobilen Endgeräts. Der Wert älterer Erwachsenengruppen liegt deutlich darunter. Warum steht die Generation Y technischen Erneuerungen so positiv gegenüber? Die Antwort liegt in ihrer Sozialisation. Ob nun vom Modem zum Breitbandanschluss, von AOL zu Facebook oder vom Desktop zum Smartphone: Seit ihren frühen Jugendjahren haben sie es gelernt, sich an eine Technikbranche anzupassen, die sich ständig im Wandel befindet.

Aber das ist noch nicht alles. Für sie ist es ebenso selbstverständlich, aufgrund digitaler Datenkanäle überall und jederzeit auf Informationen zugreifen zu können. Die massenhafte Verbreitung mobiler Endgeräte ist deshalb nicht nur dem Anpassungsverhalten der Betroffenen geschuldet, sondern ebenfalls das Ergebnis einer flexiblen und effizienten Informationsverwaltung. Man ist nicht mehr länger auf einen stationären Desktop-PC angewiesen, sondern kann seine Daten überall und jederzeit per Smartphone abrufen und verwalten.

Die Generation Y unterscheidet sich aufgrund ihres technischen Anpassungsvermögens sowie der Nutzung digitaler Kanäle entscheidend von ihren Vorgängern – der Generation X und den „Baby Boomern“ der Nachkriegsgeneration. Die Verbreitung des Smartphones korreliert nicht ohne Grund mit einer neuen Kultur des mobilen Arbeitens, die auf mehr Flexibilität und räumliche Ungebundenheit setzt.

Es überrascht also nicht, dass Ypsiloner sehr viel Zeit mit ihren mobilen Geräten verbringen. Will man sie als Zielgruppe ansprechen, ist es daher ratsam, bei Designentscheidungen einen Mobile-First-Ansatz zu wählen. Die visuellen Elemente werden ausgehend vom kleinsten Bildschirm entworfen und Schritt für Schritt an größere Displayauflösungen angepasst. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass die Inhalte geräteübergreifend richtig dargestellt werden. Einige Punkte sollten hierbei beachtet werden:

  • Kerninhalte bleiben gleich: Die Kerninhalte müssen auf Desktop und Smartphone übereinstimmen, um die Nutzer nicht zu verwirren.
  • Bestehende Texte anpassen: Auch existierende Inhalte sollte man an mobile Geräte anpassen, damit sie leicht per Touchbedienung navigiert werden können.
  • Mobile Experience fördern: Es ist wichtig, das Grid und die Breakpoints so zu wählen, dass sie die mobile Experience des Seitenauftritts stärken.
  • Auf die Performance achten: Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine gute Performance. Lädt die Seite zu lange, verlassen die meisten Anwender die Page direkt wieder. Angepeilt werden sollte ein Wert von unter zwei Sekunden.
  • Simple Navigationen: Im Gegensatz zu Desktop-Seiten müssen mobile Navigationen simpel gestaltet und auf ihre Kerninhalte reduziert werden. Bei gleichzeitiger Bereitstellung zu vieler Informationen, fällt es Smartphone-Nutzern schwer, mit der Seite zu interagieren.

Ein gutes Beispiel für einen Mobile-First-Ansatz ist der Internetauftritt der Kreativagentur Loafcreative.

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Mobile-First (Desktop), Quelle: www.loafcreative.com.

Der Seitenaufbau von Desktop- und Mobile-Version ist nahezu identisch, die Kerninhalte sind dieselben und beide benutzen das Hamburger-Icon als Navigation. Durch die minimalistische Gestaltung werden die Inhalte auch auf mobilen Geräten besonders schnell geladen.

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Mobile-First (Mobile), Quelle: www.loafcreative.com.

Zum Testen der eignen Homepage kann auf zwei nützliche Tools zurückgegriffen werden. Google bietet einen Mobile-Friendly-Test an, der per Eingabe der URL überprüft, ob die eigene Seite für Mobilgeräte optimiert ist. Mit Screenfly kann man sich im Browser einen Eindruck davon verschaffen, wie das eigene Design auf verschiedenen Geräten dargestellt wird.

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#2. Effizienz: Eine gute User Experience

Die Anpassung des Designs an mobile Endgeräte ist allerdings nur ein erster Schritt. Wer viel Zeit mit etwas verbringt, kennt sich im Laufe der Zeit immer besser mit der betroffenen Materie aus. Die Generation Y ist seit Kindesalter den Umgang mit digitalen Medien und Angeboten gewöhnt und besitzt dementsprechend nicht nur eine lange Erfahrung, sondern auch eine kurze Aufmerksamkeitsspanne.

Wenn etwas nicht so funktioniert wie es soll oder anders funktioniert als gewöhnlich, wird nicht experimentell rumprobiert, sondern die Seite verlassen und das Angebot der Konkurrenz aufgesucht. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern führt ebenfalls zu höheren Bounce-Raten und einer niedrigen Konversion.

Das Design muss deshalb nicht nur mobilen Ansprüchen genügen, sondern ebenfalls eine gute User Experience besitzen. Man muss die Wünsche und Bedürfnisse seiner Anwender kennen, um ihre Handlungen und Interaktionen nachvollziehen zu können.

  • Effiziente Informationsverwaltung: Eine Generation, die schon im Kindesalter gelernt hat, die Verwaltung von Informationen effizient zu gestalten, will sich nicht lange auf einer Seite aufhalten. Eine gute User Experience zeichnet sich dadurch aus, dass die gesuchten Auskünfte schnell und einfach aufbereitet werden. Nicht umsonst spielen Minimalismus und Flat Design heutzutage eine so wichtige Rolle im Webdesign. Sie reduzieren die Elemente radikal auf das Nötigste. Auch Trends wie das Storytelling sowie die Verwendung von Push-Notifications oder mobiler Navigationselemente auf Desktop-Webseiten sorgen in erster Linie dafür, die Inhalte so einfach wie möglich den Besuchern zu vermitteln.
  • Immer „on the run“: Die Generation Y zeichnet sich durch ihre Mobilität aus – und das nicht nur im Arbeitssektor. Die Ypsiloner haben ständig ihr Smartphone oder Tablet dabei und nur die wenigsten von ihnen trennen noch klar zwischen online und offline. Ausdruck dieser Entwicklung sind Plattformen wie Facebook, Twitter oder Instagram, auf denen zeitweise in Echtzeit nachvollzogen werden kann, wer was zu welcher Zeit tut. Das bedeutet, dass die Ypsiloner in der Regel nicht nur mit einer Plattform interagieren, sondern verschiedene Angebote gleichzeitig benutzen. Da das Smartphone oftmals unterwegs verwendet wird, wird die Aufmerksamkeit der Nutzer nicht nur durch das digitale Multitasking, sondern auch durch Freunde und Bekannte eingeschränkt. Deshalb ist es wichtig, das Design so einfach wie möglich zu halten und auf die wesentlichen Interaktionen zu beschränken. Eine gute User Experience zeichnet sich dadurch aus, die Nutzer möglichst wenig zum Nachdenken zu bringen – deswegen müssen Informationen möglichst intuitiv und effizient aufbereitet werden.

Ein gutes Beispiel für eine Webseite, die ihren Fokus auf die UX legt, ist die Internet Movie Database. Die Navigation per Smartphone erfolgt intuitiv und die gewünschten Inhalte sind schnell (Filme, Schauspieler, Serien) auffindbar.

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Quelle: www.imdb.com

Der minimalistische Designansatz und das Hamburger-Icon reduzieren das Design auf das Nötigste. Das macht es den Nutzern möglich, trotz digitalen Multitasking den Überblick nicht zu verlieren und schnell das zu finden, was sie suchen.

#3. Eigenständigkeit: Selfservice-Lösungen

Die Generation Y ist mit dem Selbstverständnis aufgewachsen, dass Informationen auf Abruf und jederzeit zur Verfügung stehen. Sie sind es nicht gewöhnt, auf etwas zu warten, sondern alles zu bekommen, wann und wie sie es wollen. Der im Arbeitsleben sich artikulierende Wunsch nach mehr Eigenständigkeit lässt sich auch auf die Erwartungen an den Kundenservice übertragen.

Wie Studien belegen, ist die Generation Y nicht gewillt, ihre Eigenständigkeit im Bereich der Kundebetreuung aufzugeben: Bevorzugt werden Selfservice-Lösungen. Sie wollen keine Service-Hotlines anrufen und minutenlang in Warteschleifen verharren. Probleme müssen nicht direkt mit einer anderen Person gelöst werden. Ypsiloner setzen auf anonymen E-Mail-Verkehr und wollen ihre Angelegenheiten am liebsten alleine lösen.

Aktive sowie moderierte Communities und Foren sind eine gute Methode, um die Eigenständigkeit der Nutzer zu fördern. Außerdem sollten FAQ-, Tutorial- und Troubleshooting-Seiten standardmäßig in den eigenen Designkatalog aufgenommen werden.

Dass die Generation Y effiziente Lösungsstrategien bevorzugt, die auf ständig zugängige Ressourcen basieren, demonstriert Zendesk.

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Selfservice-Lösungen, Quelle: support.zendesk.com.

Die Supportseite strotzt nur so vor Selfservice-Lösungen. Neben einem Community-Forum, gibt es eine leicht zu verstehende Wissensdatenbank sowie eine klar gegliederte Einführung für Neueinsteiger.

Fazit

Egal ob man einen E-Commerce-Shop betreibt oder nur will, dass die eigene Webseite regelmäßig besucht wird: Das richtige Design für die Generation Y hängt von einem ausführlichen Wissen über ihr Verhalten im Netz ab. Die Interaktionen der Ypsiloner ist wiederum im Wesentlichen durch drei Faktoren bestimmt: Effizienz, Flexibilität und Eigenständigkeit – die drei Säulen einer guten mobilen User Experience.

Aufmacherbild: illustration of coworking center concept via Shutterstock / Urheberrecht: Montae

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