Vol #03 mit Fundstücken aus Grafik, Design, Typografie, Web & Responsive Webdesign

Textualität – Opera-Redesign, eine Brotschrift für Quellcode & Abschied von Adrian Frutiger
Kommentare

In dieser Artikelserie präsentieren wir einen abwechslungsreichen Mix aus ebenso spannenden wie interessanten Fundstücken aus Grafik, Design, Typografie, Web und Responsive Webdesign. In der heutigen Ausgabe: neues Logo für Google, Redesign für Opera, eine Brotschrift für Quellcode, Abschied von Adrian Frutiger und Podcasts von Typeradio.

Google hat ein neues Logo

Am 1. September hat Google sein neues Logo vorgestellt. Die vier identitätsstiftenden Farben Blau, Rot, Gelb und Grün bleiben, aber die Schrift ist jetzt serifenlos. Grotesk sozusagen.
Der Abschied von den Serifen hat zum Ziel, dass das Logo auch auf winzigen Displays (z.B. auf einer Smartwatch) immer eindeutig erkennbar und gut lesbar ist. Das ist nachvollziehbar, allerdings verliert es dadurch natürlich auch ein Stück Individualität. Ein weiterer Grund scheint ganz pragmatischer Natur – das Logo ist so optimiert, dass es auch bei langsamer Internetverbindung gut lädt. Dafür wird es jetzt auch oft animiert dargestellt: Erst fliegen vier bunte Punkte in den typischen Google-Farben ins Bild, tanzen fröhlich und formen sich dann zum Schriftzug. Im offiziellen Video (unten eingebettet) wird am Ende sogar noch das „e“ rotiert, so dass sich der Querstrich aus der Horizontalen leicht nach oben bewegt. Damit entsteht ein „lächelndes e“.

Google_700breit

© Google

Ergänzt wird das Logo durch weitere Elemente, so erscheint z.B. ein vierfarbiges Mikrofon, wo man mit Google interagieren kann. Das kleine blaue „g“-Icon wird durch ein vierfarbiges „G“ ersetzt, das zum Logo passt. Mit diesem neuen Erscheinungsbild reiht sich Google ein in die schon bekannten Rebrandings von Yahoo, eBay und Microsoft. Die Meinungen dazu sind gespalten: Während die einen Google zu junger dynamischer Kreativität gratulieren, wird es von anderen als seelenloser Mainstream verspottet.

Opera im neuen Look

Auch für Opera war es an der Zeit, sich eine neue Markenidentität anzulegen. Nach 20 Jahren hätte sich die Firma „sehr verändert“ – so stellte das in Norwegen gegründete Unternehmen jüngst das neue Erscheinungsbild für den kostenlosen Webbrowser auf ihrem Firmenblog vor. Das „O“ als Anfangsbuchstabe des Namens wurde beibehalten, doch erscheint es jetzt als dreidimensionale Umsetzung, die rote Primärfarbe ist geblieben. Der begleitende Schriftzug ist in der Basis Grotesque gesetzt, einer geometrischen serifenlosen Linear-Antiqua der Colophone Foundry aus London.
Unter dem Motto „Do more“ soll das „O“ auch mehr symbolisieren, nämlich den „Zugang zu mehr Inhalten, mehr Entdeckungen, mehr Antworten, mehr Kommunikation, mehr Spass, mehr Dateneinsparungen, mehr Leben“.
Für die Umsetzung hat Opera gleich mit zwei Agenturen zusammen gearbeitet: DixonBaxi aus Großbritannien, umd die globale Marken- und Kreativstrategie zu entwickeln, sowie Anti aus Norwegen, die für die visuelle Identität verantwortlich zeichnen. Im gleichen Zuge wurde die Firmenbezeichnung von „Opera Software“ zu „Opera“ geändert. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen Nutzerzahlen von 350 Millionen für Browser und Apps pro Monat.

Opera

@ Screenshot http://blogs.opera.com/news/opera-neues-logo-und-markenidentitaet/

Stellen Sie Ihre Fragen zu diesen oder anderen Themen unseren entwickler.de-Lesern oder beantworten Sie Fragen der anderen Leser.

Hack – eine Brotschrift für Quellcode

Hack

Screenshot sourcefoundry.org/hack/

Chris Simpkins hat eine Schrift entworfen, um das Leben von Programmierern zu erleichtern: Hack. Sie ist kostenlos und frei verfügbar und hat viel Aufmerksamkeit in der Tech-Szene erregt.
Die Wurzeln liegen in der Open-Source-Community und bauen auf den ursprünglichen Bitstream Vera Sans Mono Glyphen auf. Die mulitlingual ausgebaute Monospace Schrift hat ausgewählte Serifen, um den Rhythmus zu optimieren und entstehende Lücken zu schließen. Das Set verspricht z.B. optimierte Zahlen, eine bessere Unterscheidbarkeit von l und I, und ein Semikolon, das seiner Bestimmung gerecht wird, nämlich das Ende einer Zeile zu markieren.
Eine hohe x-Höhe, großzügige Öffnungen und optimiertes Hinting machen Hack zu einer gut leserlichen Schrift, insbesondere für die Textgrößen von 8 bis 12 px. Mit besseren Monitoren kann man selbst mit 6 oder 7 px Textgröße angenehm arbeiten. Auf jaxenter.com könnt ihr ein kurzweiliges Interview mit dem Schöpfer von Hack, Chris Simpkins, lesen.

Adrian Frutiger, 1928–2015

Der Schweizer Schriftgestalter Adrian Frutiger ist am 10. September in Bremgarten bei Bern gestorben. Frutiger zählt zu den einflussreichsten Typografen des 20. Jahrhunderts. Nach seinem Studium an der Kunstgewerbeschule in Zürich ging Frutiger nach Paris und entwickelte dort die Beschirftung für den Pariser Flughafen Roissy (heute Charles de Gaulle). Diese dabei entstandene Roissy ist eine frühe Form der Frutiger. Die Schrift, die Frutiger weltberühmt machte, heißt Univers. Mit ihr hat er auch ein neues System eingeführt: Ausgangspunkt ist der Normalschnitt (Univers 55), von der sich alle weiteren herleiten. Die erste Ziffer steht für die Strichstärke, die zweite für die Buchstabenbreite, wobei gerade Ziffern für »oblique« stehen. In der 1997 erschienenen Überarbeitung von Linotype wuchs das System weiter auf nunmehr 59 Schnitte und das Nummerierungssystem wurde auf 3 Stellen (Strichstärke/Weite/Lage) erweitert.
Frutiger hat zahlreiche weitere Schriftfamilien entwickelt, u.a. Avenir, Centennial, Breughel, Iridium, Meridien und Serifa. Die auf Maschinenlesbarkeit optimierte OCR-B wurde 1973 zum ISO-Standard erhoben. Sein Buch „Der Mensch und seine Zeichen” ist ein Standardwerk für alle Schriftinteressierten. Frutigers immerwährendes Bedürfnis war es, die bestmögliche Lesbarkeit und Schönheit zu erreichen.

Frutiger

Quelle: http://www.linotype.com/720/adrianfrutiger.html

Typeradio. Now we’re talking!

Typeradio

Quelle: www.underware.nl

Habt Ihr schon von Typeradio gehört? Es handelt sich um einen MP3-Online-Radiosender, bzw. eine Podcast-Station, mit Beiträgen über Typografie und Design. Ins Leben gerufen wurde Typeradio 2004 von Underware, einem europäischen Design-Kollektiv, Donald Beekman und Liza Enebeis. Der Impuls war, das visuelle Medium der Typografie in ein Audioformat zu überführen. Sie wollten herausfinden, ob das überhaupt möglich ist und was die Konsequenzen davon sind – ein spannendes Experiment.
Auf Typeradio sint teilweise Live-Broadcasts zu hören und im Archiv gibt es über 400 Beiträge, in denen überwiegend Interviews mit typografie- und designaffinen Menschen zu hören sind. Diese wurden meist auf einem der vielen stattfindenden Events aufgezeichnet, auf denen Gleichgesinnte Typo-Fans zusammentreffen. Die aktuellsten Interviews wurden auf der Roboten 15 in Den Haag geführt, interviewt wurden Pieter van Rosmalen und Nikola Djurek. Die erste Frage ist immer die gleiche: „Are you religious?“ Viel Vergnügen beim Reinhören!

TEXTUALITÄT – alle Beiträge der Serie:

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -