So können häufige Designfehler vermieden werden

Was UX-Designer von Architekten lernen können
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Die Arbeitsweise von Architekten und UX-Designern ähnelt sich stark. Im Unterschied zur etablierten Berufsgruppe der Architekten ist die Branche des UX-Designs ein relativ junger Berufszweig. Um die eigenen Fähigkeiten auszubauen und gängige Fehler zu vermeiden, lohnt es sich für Designer, einen Blick auf die drei wichtigsten Projektphasen von Architekten zu werfen.

Architekten müssen sich an Bauvorschriften und gesetzliche Regelungen halten. Um eine Baugenehmigung zu erhalten, ist die Ausarbeitung detaillierter Pläne Pflicht. Hierbei müssen die Beschaffenheiten des Geländes berücksichtigt und Vorschläge für zukünftige Baumaßnahmen unterbreitet werden. Im Grunde ist das Vorgehen mit der Ausarbeitung eines guten Designvorschlags zu vergleichen.

1. Frühphase: Kenne deine Zielgruppe

Im Unterschied zu Designern können Architekten ihre Pläne nicht ohne gründliche Forschungen auf den Weg bringen – sie sind sogar rechtlich dazu verpflichtet. Für Designer gelten solche Standards hingegen nicht. Das Scheitern vieler Design-Startups ist im Wesentlichen auf eine mangelnde Grundlagenforschung zurückzuführen.

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Wenn Unternehmen nicht wissen, was sie tun, sind sie nur selten am Markt erfolgreich. Solange man aber seine eigene Zielgruppe nicht kennt, operiert man quasi blind. Es ist nach wie vor verwunderlich, warum UX-Designer nicht ausreichend Zeit für Zielgruppenanalysen einplanen. Viele bewerten solche Maßnahmen sogar als Luxus, den sie sich nicht leisten können.

Das Ergebnis ist ernüchternd. Sowohl Designer als auch Auftraggeber ziehen ohne ausführliche Analysen verkehrte Schlüsse und schätzen ihre potenziellen Kunden falsch ein. Produkte werden deshalb oftmals mit überflüssigen Features ausgestattet, die später kaum bis gar nicht genutzt werden. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch viel Geld. Mittel, die man besser in eine gute Datenanalyse gesteckt hätte.

2. Planungsphase: Sei besser als die Konkurrenz

Wenn Architekten den Auftrag erhalten, ein Gebäude zu entwerfen, müssen sie die Konkurrenz analysieren, um einen möglichst kostengünstigen Vorschlag präsentieren zu können. Das lässt sich auch auf den Bereich des UX-Designs übertragen. Es liegt in der Verantwortung der Designer, die Produkte von Wettstreitern richtig einzuschätzen und eigene Erfolgspotenziale ausfindig zu machen.

Im UX-Design wird die Wettbewerbsfähigkeit eines Produkts am Erfolg der direkten und indirekten Mitbewerber gemessen. Durch die Auswertung der Daten können UX-Designer Problembereiche näher bestimmen und neue Einsichten sowie Anregungen sammeln. Das hilft ihnen dabei, das Produkt am Ende so gut wie möglich zu gestalten und präsentieren zu können.

Ein passendes Beispiel hierfür ist die Benchmark-Studie von Userzoom, die die Mobile Experience der Online-Hotel-Plattformen Priceline und Kayal miteinander verglich. Userzoom beauftragte Testpersonen damit, ein spezifisches Hotel in San Francisco zu finden. Auf diese Weise war es ihnen möglich, die Stärken und Schwächen der beiden Produkte zu bestimmen. Die Nachteile der einen konnten so mit den Vorteilen der anderen Plattform ausgeglichen werden.

3. Arbeitsphase: Der Kontext zählt

In der Architektur ist der Kontext, in dem ein Gebäude entstehen soll, besonders wichtig. Ob ein Projekt realisiert wird oder nicht, hängt in der Regel davon ab, ob es mit dem baulichen Umfeld harmoniert. Die Meinung über die Angemessenheit eines Bauprojekts kann sich aber im Laufe der Zeit ändern.

Wie bei anderen Berufsgruppen auch, ist die Arbeit von Architekten gesellschaftlichen Veränderungsprozessen unterworfen. Der Wandel wirkt sich auf das berufliche Selbstverständnis und die gestalterischen Ansprüche aus. Das kann beispielsweise am Architekturstil des Brutalismus nachvollzogen werden. Die Mehrheit war fasziniert von geometrischen Körpern und der rohen Romantik von Formbeton. Heute fragen sich viele, wie man Anfang der 50er nur auf die Idee kommen konnte, das Stadtbild mit Betonklumpen zu zerstören.

brutalismus

IBM Brutalismus © Shutterstock / Claudio Divizia

Solche Fragen lassen sich nur mit Blick auf die jeweiligen Kontexte klar beantworten. Wie in der Architektur sollte man daher auch im UX-Design auf die bestehenden Rahmenbedingungen einen besonderen Wert legen.

Bei der Ausarbeitung aussagekräftiger Produkt-Style-Guides müssen UX-Designer sowohl die Bedürfnisse der User als auch die Ansprüche der Unternehmen im Auge behalten. Nur auf diese Weise ist es möglich, neue und alte Elemente zu kombinieren, ohne die visuelle Prägnanz und Konsistenz des bestehenden Auftritts zu gefährden.

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UX-Designer: Kinder ihrer Zeit

Das Berufsbild des Designers befindet sich in einem ständigen Wandel. Innovative Fortschritte im Bereich des Webdesigns und die kontinuierliche Weiterentwicklung technischer Geräte stellen Gestalter heute vor Herausforderungen, die vor zehn Jahren noch keine Rolle gespielt haben.

Der Berufszweig des UX-Designers ist daher ein Kind seiner Zeit. Der Erfolg nahezu jedes Produkts hängt heutzutage von einer guten User Experience ab. Der Trend ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass in den letzten vier bis fünf Jahren mobile Endgeräte enorm an Bedeutung gewonnen haben. Es ist kein Zufall, dass die Idee responsiver Designs zum gleichen Zeitpunkt aufkam.

Wird den kontextuellen Rahmen nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt, hängt man den aktuellen Entwicklungen oft hinterher. Ein gutes Beispiel hierfür ist die eher langsame Anpassung vieler E-Commerce-Webseiten an mobile Endgeräte. Zahllose Unternehmen unterschätzen immer noch den Einfluss von Mobile-Usern. Da immer mehr Nutzer zum Surfen auf Smartphones und Tablets zurückgreifen, kann die Optimierung der Webseite die eigene Konversion ungemein steigern.

Fazit

Sowie Architekten öffentliche und private Interessen miteinander in Einklang bringen müssen, sind UX-Designer darauf angewiesen, das Verhalten der Nutzer mit den Vorgaben der Auftraggeber gewinnbringend zu vermitteln. Eine gute User Experience und die Erfüllung von Business-Zielen schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern sind eng miteinander verknüpft.

Aufmacherbild: Background image with drawings of modern city via Shutterstock / Urheberrecht: Sergey Nivens

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