Vieles, aber nicht alles wird Pokémon Go werden

UX Lessons Learned: Pokémon Go ist sooo 2016
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2016 wird auch als das Jahr von Pokémon Go in Erinnerung bleiben. Als plötzlich Stampeden von jungen und älteren Leuten durch die Innenstadt und Parks strömten, immer der neuesten Sichtung hinterher. War es eine Revolution? Darüber lässt sich streiten. Aber zumindest fürs UX-Design lassen sich ein paar Erkenntnisse gewinnen.

Hunderte pilgerten durch die Stadt, den Blick starr auf das Display gerichtet. Das ist für sich genommen nichts neues, aber anstatt das Brandenburger Tor, suchten sie Pokémons. Sie waren jung, alt, dick, dünn und unterwegs, um ein sehr seltenes „Abra“ zu ergattern. Oder sie warteten geduldig am Flussufer auf ein „Dratini“. Den Höhepunkt markierten Bilder und Videos von Menschenmassen, die einen New Yorker Stadtpark stürmen oder in Hong Kong öffentliche Plätze bevölkern. Vereint in der Jagd nach virtuellen Figuren.

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Pokémon Go Fans in einem Park in Hong Kong (© Shutterstock/Lee Yiu Tung).

Manch einer sprach von einer Revolution, in welcher die digitale und reale Welt „endlich“ verschmolzen sind. Einige Wochen zog sich das Phänomen dann hin, aber spätestens mit dem Ende des Sommers war es auch um Pokémon Go wieder geschehen. Es hatte Momentum und vielen Menschen Freude bereitet, aber eine Revolution würde bedeuten: Jetzt ist alles für immer anders. Zumindest waren die traditionellen Grenzen von Coach-Potato und Weltenbummler kurzzeitig aufgehoben.

Gute UX trifft Popkultur

Nachhaltigen Einfluss hat Pokémon Go allerdings aufs UX-Design. Der Erfolg der App bestand darin, eine immersive Erfahrung für eine breite Masse anzubieten und die Bereitschaft zu wecken, sofort Geld auszugeben. Die wichtigste Lektion fürs UX-Design ist der leichte Einstieg, die intuitive Bedienung und die spielerische Interaktion mit der Realwelt. Ebenso sind die Customization-Optionen vorbildlich, denn sie erlauben es den Usern, sich binnen Sekunden einen ziemlich individuell wirkenden Avatar zu gestalten. Zu guter Letzt sind vor allem „Pokestops“ eine Lehrstunde dafür, welches Potenzial Augmented Reality bietet, um Geschäfte zu machen. Diese Lektionen sollten auch jenseits der Gaming-Apps beachtet werden.

Damit steht auch fest: 2017 wird sich dieses Phänomen nicht wiederholen. Denn nicht unterschätzt werden dürfen diejenigen Aspekte des Hypes, auf die Designer keinen Einfluss haben. Die vielgerühmte Erfahrung auf allen Ebenen und mit allen Sinnen – also sensorisch, optisch, digital und real – ist letztlich nur zur Hälfte dem guten Design geschuldet. Genauso wichtig sind einerseits die vielen Jahre erfolgreicher Unterwanderung der Popkultur durch Pokémons. Eine weitere Grundlage des Erfolges war das Erlebnis des genuin Neuen, und diese Erfahrung ist schließlich im letzten Sommer verbraucht worden.

Lessons learned?

Egal ob es als Game-of-Thrones- oder Harry-Potter-Variante erscheint: Es wird keinen neuen Hype dieses Ausmaßes geben. Das liegt auch ganz einfach an der Art der Trends, die für 2017 angekündigt werden. Die Welt des Gamings wird 2017 aller Voraussicht in der VR-Brille und damit wieder zu Hause stattfinden. Auch Interaktionen mit KIs und Chatbots sind ebenfalls nicht unbedingt ein Erlebnis, das die Masse auf der Straße miteinander teilen will.

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Endlich wieder von zu Hause aus Spaß haben (© Shutterstock/Inspiring)

Ein weiterer Trend ist „UX goes commodity„. Dahinter steckt die Anforderung, dass Apps praktisch und nützlich sein müssen, wie etwa Pokestops, nur für „realere“ Dinge. Die spielerische Möglichkeit, mit AR-Features viel Zeit zu vertrödeln, ist die Haupteigenschaft von Pokémon Go. Sie sollte aber als wenig wichtigste Innovation für andere Apps 2017 im Vordergrund stehen.

Anstatt also einen Trend anzusteuern, sollte vor allem sichergestellt werden, dass nicht die falschen Lektionen gelernt werden. Trotz überlasteter Server und technischer Schulden war Pokémon Go ein großer Erfolg, der manch einen Verantwortlichen dazu verleiten könnte, unfertige Produkte zu releasen. Das andere große Manko waren die mangelhaften Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Usern, was Games und AR-Apps für 2017 noch viel Raum für Innovation übrig lässt. Wer von den Lektionen von Pokémon Go profitieren wird, sind andernfalls vor allem die Großen wie Google Maps.

 

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