Verlieb’ dich nie in den eigenen Code!
Kommentare

Für viele, vielleicht sogar für die meisten Menschen ist es nur natürlich, der selbst geleisteten Arbeit einen ganz besonderen Stellenwert zuzuweisen. So auch IT-Entwickler. Besonders Projekte, in die

Für viele, vielleicht sogar für die meisten Menschen ist es nur natürlich, der selbst geleisteten Arbeit einen ganz besonderen Stellenwert zuzuweisen. So auch IT-Entwickler. Besonders Projekte, in die man viel Herzblut gelegt hat – Code, den man liebgewonnen hat und auf den man stolz ist -, möchte man in der Regel nicht ohne weiteres ad acta legen.

Doch manchmal gerät man in Situationen, in denen genau dies notwendig wird, so schmerzhaft es auch ist. Zum Beispiel dann, wenn man feststellen muss, dass von Anderen entwickelter Code aus diversen Gründen dem eigenen überlegen ist.

Don’t fall in love with your own Code!

Der Software-Architekt Kevin Daly berichtet aus der eigenen Praxis von genau solch einem Fall: Für ein aktuelles Projekt hatte er ein kleines Framework geschrieben und träumte schon davon, dass dieses der nächste Stern am Open-Source-Himmel werden könnte. Auf einem Tech Meetup in Toronto musste er jedoch mit wachsendem Entsetzen feststellen, dass das Team von Spring Boot im Grunde die selben Probleme gelöst hatte wie er selbst.

Als Folge erstellte er eine selbstkritische Checkliste, die jeder IT-Entwickler in solch einem Fall nutzen kann, um eine ehrliche Selbsteinschätzung vorzunehmen.

Wann macht was Eigenes Sinn?

Im Zentrum steht dabei die Frage, ob das eigene Framework, die eigene Bibliothek etc. bereits vorhandenen bzw. konkurrierenden Lösungen über- oder unterlegen ist, und zwar im Hinblick auf:

  • Qualität: Wird der Code in vielen Projekten verwendet? Existieren Unit Tests? Ist der Code sinnvoll designt?
  • Community: Hat sich eine Community um das Projekt gebildet? Ist diese stabil? Hat das Projekt Zukunftsperspektiven? Wird es von Unternehmen unterstützt? Wird Support angeboten?
  • Kosten: Verfügt das eigene Team über die erforderlichen Kenntnisse, um auf das Framework zu wechseln? Wenn nicht, wie hoch ist der Trainingsbedarf? Was ist günstiger: ein Wechsel oder die Beibehaltung des status quo?
  • Ist die eigene Arbeit vielleicht doch besser?: Größere Frameworks versuchen häufig, möglichst viele User-Bedürfnisse abzudecken, ohne sich in einem Feld besonders hervorzutun; sie sind sozusagen ein „Hansdampf in allen Gassen“. Es liegt also durchaus im Bereich des Möglichen, dass ein „hausgemachtes“ Framework tatsächlich deutlich besser auf bestehende Erfordernisse zugeschnitten ist. In diesem Fall ist es überlegenswert, sich an ein größeres Projekt anzuhängen und es mit dem eigenen Know-how zu verbessern – auf lange Sicht kann dies die Wartung erleichtern und so die Kosten senken.

Besonders der letzte Punkt zeigt: Verfolgt man eine pragmatische Sichtweise auf die eigene Arbeit kann man sich zwar ein gebrochenes Herz einhandeln. Allerdings kann sie auch zu etwas noch viel Besserem führen – aber das ist in der Liebe ja keine Seltenheit.

Aufmacherbild: heart on a keyboard key von Shutterstock / Urheberrecht: Olivier Le Moal

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -