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Lizenz-Mix
Ein jedes Geschäftsmodell, das vorsieht, Open-Source-Software zu erstellen oder zu verwenden, fußt auf ausgewählten oder vorgegebenen Lizenzen. Eine fundierte Diskussion aller möglichen

Lizenz-Mix

Ein jedes Geschäftsmodell, das vorsieht, Open-Source-Software zu erstellen oder zu verwenden, fußt auf ausgewählten oder vorgegebenen Lizenzen. Eine fundierte Diskussion aller möglichen Lizenzmodelle würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, weshalb hier nur die wesentlichen Optionen für Hersteller oder Systemintegratoren aufgezeigt werden.

Generell lässt sich die Wertschöpfung innerhalb eines Open-Source-Geschäftsmodells auf zwei Arten erzielen:

  • Support und Services: Das Produkt steht unter einer Open-Source-Lizenz zur Verfügung. Einnahmen generiert man über Dienstleistungen rund um das Produkt.
  • Lizenzeinnahmen: Zusätzlich zum Open-Source-Produkt ließen sich proprietäre Add-ons anbieten, die kostenpflichtig sind.

Beispielsweise stellt der CMS-Hersteller eZ Systems seine Software eZ Publish unter der GNU General Public License (GPL) öffentlich zur Verfügung. Die GPL ist eine Open-Source-Lizenz, die als „viral“ bezeichnet wird, weil sie wie ein Virus auf Quellcode überspringt, mit dem sie in Berührung kommt. Solcher Quellcode muss dann auch unter die GPL gestellt werden, wie auch derjenige Quellcode, der zu einem bestehenden GPL-Programm hinzugefügt wurde. Die eZ Publish Community hat mehrere hundert Erweiterungen für das PHP CMS entwickelt und unter einer mit der GPL kompatiblen Open-Source-Lizenz online gestellt.

Es gibt jedoch Unternehmen im eZ-Publish-Umfeld, die ihre Einnahmen aus proprietären Erweiterungen beziehen, die sie für eZ Publish anbieten. Manche dieser Erweiterungen sind von eZ Systems zertifiziert worden. Da solche proprietären Erweiterungen nicht mit der GPL kompatibel sind, bietet eZ Systems sein eZ Publish alternativ nicht nur unter der GPL, sondern unter kostenpflichtigen proprietären Lizenzen an. Bis ins Jahr 2006 hatte eZ Systems selbst noch proprietäre Add-ons für eZ Publish angeboten. Diese Strategie wurde jedoch aufgegeben, und seitdem steht jede von eZ Systems erhältliche Software unter der GPL.

Dreh- und Angelpunkt des so genannten Dualen Lizenzmodells des Unternehmens (das übrigens auch MySQL praktiziert), ist die GPL und die Tatsache, dass eZ Systems das Copyright am gesamten eZ-Publish-Code besitzt. Nur als Copyright-Inhaber kann eZ Systems entscheiden, dass seine Software unter bestimmten Bedingungen auch mit proprietärem Quelltext verbunden werden darf. Diese Rahmenbedingungen erlauben es eZ Systems, an proprietären Lösungen auf Basis von eZ Publish mit zu verdienen.

Von der Community vorangetriebene Projekte wie Typo3 oder Drupal stehen zwar auch unter der GPL, jedoch gibt es keine Instanz, die das Copyright am kompletten Code besitzt und diesen zu Konditionen anbieten würde, die ihn mit proprietären Erweiterungen kompatibel machten. Für den kommerziellen Erfolg als Open-Source-Anbieter benötigt es jedoch nicht unbedingt das Duale Lizenzmodell, wie zuletzt die Finanzspritze von 7 Millionen US-Dollar an Risikokaptial für die von Drupal-Initiator Dries Buytaert gegründete Firma Acquia beweist. Wichtig ist lediglich, dass ein relevanter Markt um ein quelloffenes Produkt entsteht.

Mit Open-Source-Software lassen sich auch proprietäre Komplettlösungen erstellen und verkaufen. In diesem Fall verwenden die Hersteller Softwarekomponenten, die unter einer nichtviralen Lizenz stehen, wie zum Beispiel die Apache-Lizenz.

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