Neue Tools, neue Features, neue Edition

Faktencheck: Visual Studio 2015
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Das Release von Visual Studio 2015 steht kurz vor der Tür und Entwickler dürfen sich auf zahlreiche neue Tools und Features freuen, die den Entwickleralltag deutlich erleichtern werden. Welche Neuheiten anstehen, und was es mit dem neuen Lizenzmodell auf sich hat, lesen Sie hier.

Microsoft will die finale Version von Visual Studio 2015 ab dem 20. Juli, also neun Tage vor dem Launch von Windows 10, zum Download zur Verfügung stellen. Das kündigte S. Somasegar, Corporate Vice President der Developer Division bei Microsoft, kürzlich auf dem Visual-Studio-Blog an. Mit der neuen Version von Microsofts Entwicklungsumgebung dürfen sich Entwickler auf zahlreiche spannende Neuerungen und Verbesserungen in den Bereichen Testing, Diagnose und Debugging freuen. Auch das Lizenzmodell hat sich Microsoft vorgenommen, denn der Softwarekonzern will Entwicklern künftig auf allen Levels Zugang zu den populärsten Visual-Studio-Features geben. Die wichtigsten Änderungen und Neuheiten findet Ihr hier zusammengefasst.

Aus vier mach drei – neues Lizenzmodell

Mit der neuen Version der Entwicklerplattform wird es auch ein neues Lizenzmodell geben. Statt den ursprünglichen vier Editionen wartet Microsoft nur noch mit drei Kernangeboten auf:

  • Visual Studio Professional 2015 mit MSDN
  • Visual Studio Enterprise 2015 mit MSDN
  • Visual Studio Community 2015

Die Key-Features von Visual Studio werden über alle Editionen hinweg zur Verfügung stehen; beispielsweise wird CodeLens, das zuvor nur in Visual Studio Ultimate verfügbar war, Teil von Visual Studio Professional sein. Wie genau sich die neuen Editionen zusammensetzen, zeigt die folgende die Grafik:

Visual Studio 2015 editionen

Visual Studio 2015 Editionen, Quelle: Microsoft TechWiese

Für Unternehmen werden also die Produkte Premium und Ultimate zur neuen Enterprise-Edition verschmelzen. Was drin steckt in der neuen Edition hat Microsoft in der TechWiese etwas näher beleuchtet. Der Vorteil für Entwickler liege vor allem darin, dass die Edition den vollen Funktionsumfang mitbringe, um bestehende Architekturen zu untersuchen und objektorientiertes Design sowie Analysen durchzuführen. Bereits bei der Fehlersuche sollen Entwickler außerdem Tools erhalten, die sie dabei unterstützen, die Anwendungen zu verstehen. Unter anderem enthält die Edition beliebte Features der bisherigen VS Ultimate, wie den verlaufsbezogenen Debugger IntelliTrace oder Code Maps zur graphischen Visualisierung bestimmter Abhängigkeiten im Code.

Was die Kostenfrage der Editionen anbetrifft: Alle Nutzer von Visual Studio Premium oder Ultimate mit MSDN erhalten ein kostenloses Upgrade auf die neue Enterprise-Edition. Der Preis des deutlich umfangreicheren Visual Studio Enterprise liegt wesentlich unter dem bisherigen Preis für Visual Studio Ultimate. Visual Studio Community 2015 wird für Privatanwender auch weiterhin kostenlos angeboten. Detaillierte Preisaussagen erfolgen direkt über die Softwarehändler. Mehr Infos zu den Edition von Visual Studio 2015 gibt´s auf der Produktseite von Microsoft.

Debugging-Verbesserungen in Visual Studio 2015

In Sachen Fehlersuche und Diagnose wird Visual Studio 2015 viele Bereiche mit neuen Tools und Funktionen abdecken. Der berühmte Visual-Studio-Debugger, der schon in den vergangenen Versionen der Entwicklungsumgebung die Fehlersuche vereinfacht hat, bekommt ein neues Design und außerdem zusätzliche Funktionalitäten verpasst. Highlight ist der Lambda-Support des neuen Debuggers und das damit verbundene Watch-Fenster. Zum Einsatz kommt das neue Werkzeugfenster beim Debuggen von Visual-Basic- und C#-Projekten. Alle weiteren Details dazu hat das das Viual-Studio-Team via Blogpost zusammengefasst.

Diagnostic Tools

Apropos Debuggen: Während des Debugging-Prozesses wird ab sofort das neue Diagnostic-Tools-Fenster erscheinen, das wertvolle Einblicke in das Innenleben der zu erstellenden Apps gibt. Das Fenster zeigt Informationen und Daten zu verschiedenen Tools auf, darunter: Debugger Events (mit IntelliTrace), Memory-Usage-Tool und CPU-Usage-Tool. Das Debugger-Events-Tool verschafft Nutzern Zugang zu Break-, Output- und IntelliTrace-Events, die während des Debugging-Prozesses angesammelt werden. Die Daten werden in Visual Studio als Timeline und in der Tabellenansicht abrufbar sein. Über das Memory-Usage-Tool kann außerdem der Speicherverbrauch einer App eingesehen werden, während das CPU-Usage-Tool über einen Live-CPU-Graphen Einblick in die CPU-Auslastung der Anwendung gibt.

Nicht zu vergessen ist außerdem das neue Netzwerk-Tool. Dieses ist Teil des bereits bestehenden Performance und Diagnostic Hubs und kann eingesetzt werden, um Netzwerkprobleme beim Erstellen von Windows-Apps zu diagnostizieren. Hierfür hat das Tool einige nützliche Funktionen im Gepäck, beispielsweise den Summary-View – ein Interface, das eine vereinfachte Übersicht über alle erfassten HTTP-Operationen liefern soll.

Weitere Neuerungen rund um die App-Diagnose stellt Microsoft hier vor.

Neuer Editor und Sprachfeatures

Mit Visual Studio Code bringt Microsoft einen neuen, leichtgewichtigen Cross-Plattform-Code-Editor an den Start. Mit diesem sollen sich Modern-Web- und Cloud-Anwendungen erstellen lassen, die nicht nur auf Windows sondern auch auf OS X und Linux laufen. Ansonsten bringe Visual Studio Code alle Standard-Tools mit, die man von einem modernen Code-Editor erwarten kann, einschließlich Syntax-Highlighting, anpassbare Keyboard-Befehle, Bracket-Matching, IntelliSense und Snippets; allesamt sollen sie das Bearbeiten von komplexem Code erleichtern. Insgesamt unterstützt der Editor mehr als 30 verschiedene Programmier- und Markup-Sprachen, darunter PHP, Java, C#, C++, und HTML.

Derzeit ist Visual Studio Code in der Preview verfügbar und kann kostenlos heruntergeladen werden. Übrigens: Microsoft sucht Visual Studio Code Insider – dazu muss lediglich eine kleine Umfrage ausgefüllt werden. Insider erhalten Tipps, Tricks und frühen Zugang zu neuen Features und können bereits jetzt einen Blick auf die kommende Version 0.4.0 von Visual Studio Code werfen.

Visual Studio 2015 kommt außerdem mit neuem Compiler in Form der als Open Source veröffentlichten Microsoft .NET Compiler Platform. Damit wird es neue Sprachfeatures in den Programmiersprachen C#, F# und VB.NET sowie zusätzliche Editor-Features geben. Die Compiler-Plattform lässt sich dazu nutzen, Code-Analyse-Tools mit den gleichen APIs zu entwickeln, die auch Microsoft zur Implementierung von Visual Studio verwendet. Hierfür hat Microsoft über die Visual Studio Gallery vor kurzem eine Template-Sammlung zur Verfügung gestellt. Enthalten sind darin sowohl C# als auch Visual Basic Templates mit deren Hilfe zum Beispiel Code Refactorings oder Code Fixes erstellet werden können, die sich wie NuGet-Pakete oder VSIX-Erweiterungen in Visual Studio integrieren lassen.

Darüber hinaus wurde der XAML-Language-Service überarbeitet, vor allem in Bezug auf die Bearbeitungsmöglichkeiten mit IntelliSense, und soll nun schneller und zuverlässiger sein. Die Änderungen sollen es künftig u.a. erleichtern, neue Features – wie zum Beispiel Cross-Language-Refactoring-Operations und Aktualisierungen des IntelliSense-Filterings – einzuführen.

Testing und Fehlerbehebung

Auch in Sachen Testing hält Visual Studio 2015 eine Neuerung bereit: Smart Unit Tests werden künftig durch IntelliTest abgelöst. Wer IntelliTest ausführt, soll schnell erkennen können, welche Tests zu einem Fehler führen. Im Fall der Fälle kann so der erforderliche Code hinzugefügt werden, um die Fehler zu beseitigen. IntelliTest untersucht dazu .NET-Code, um Testdaten und eine Reihe von Komponententests zu erzeugen. Für jede Anweisung im Code wird eine Testeingabe generiert, die die betreffende Anweisung ausführt. Für jede bedingte Verzweigung im Code wird eine Fallanalyse ausgeführt. Auf Basis dieser Analyse werden Testdaten für einen parametrisierten Einheitstest jeder Ihrer Methoden erzeugt. Anschließend kann das jeweilige Spartenwissen eingebracht werden, um diese Komponententests zu verbessern.

Bei der Fehlerbehebung wird in Visual Studio 2015 mit der sogenannten „Light-Bulb“ außerdem ein hilfreiches neues Produktivitätsfeature zur Seite stehen. Das Symbol der Glühbirne wird im Visual-Studio-Editor angezeigt. In C# und Visual Basic sehen Entwickler eine Glühbirne, wenn eine Stelle im Code durch eine rote Wellenlinie gekennzeichnet ist und Visual Studio über eine Empfehlung verfügt, um das Problem zu beheben.

Über alle weiteren Entwicklungen halten wir euch natürlich auf entwickler.de auf dem Laufenden.

Aufmacherbild: rounded check mark icon (modifiziert) von Shutterstock / Urheberrecht: Ganibal;
Visual Studio Logo: Visual Studio 2013 Logo.svg, Cronoxyd, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

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