Von Windows in die weite Welt – Cross-Plattform-Entwicklung im Microsoft-Umfeld
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In letzter Zeit ist im Microsoft-Umfeld ein Trend nicht zu übersehen: Das ehemals so in sich geschlossene und nach außen hin abgeschottete Unternehmen öffnet sich mehr und mehr gegenüber fremden Technologien, anderen Plattformen, ja sogar dem Open-Source-Bereich.

Welche Rolle Visual Studio in dieser neuen Offenheit spielt, demonstrierte Dariusz Parys (Microsoft) in seiner Session „Windows, iOS, Android und Web – viele Plattformen, ein Entwicklungstool“ auf der BASTA! 2014. Dort zeigte er, wie man mit der Microsoft-Entwicklungsumgebung die gesamte Fülle der aktuell auf dem Markt befindlichen Plattformen abdecken kann. Hierfür gibt es im Grunde genommen drei verschiedene Vorgehensweisen:

Cross-Plattform-Entwicklung mit Visual Studio – 3 Optionen

  1. Universal Apps erlauben, große Code-Anteile zwischen den beiden Microsoft-Plattformen Windows und Windows Phone (die übrigens schon in wenigen Monaten zur einzigen großen Plattform „Windows“ zusammengefasst werden sollen, wie Parys verriet) zu teilen. Im Store sind derartige Universal Apps gekennzeichnet durch ein spezielles Icon, das unter anderem darauf hinweist, dass man die App für die eine Plattform nicht mehr neu erwerben muss, wenn man die für die andere bereits besitzt.
  2. Will man auch noch Android und iOS mit abdecken, kann man sich wiederum dafür entscheiden, native Apps für diese beiden Nicht-Microsoft-Plattformen zu entwickeln. Das hat den Vorteil, dass man mit nativen Apps auch Zugriff auf die nativen APIs des jeweiligen Gerätes, als quasi auf das Gerät selbst hat, und seine App mit nativen Controls bestücken kann, die sich für den Benutzer einfach natürlicher anfühlen. Die native App-Entwicklung für Android und iOS mittels C# und Visual Studio macht Xamarin möglich. Allerdings kann nur die kostenpflichtige Xamarin-Business-Lizenz in Visual Studio integriert werden. Wer lieber kein Geld bezahlen möchte, muss auf Xamarin Studio zurückgreifen.
  3. Eine dritte Möglichkeit stellt die Entwicklung mobiler Web-Apps oder hybrider Apps mittels HTML5, JavaScript, CSS3, Responsive Design und der großen Vielfalt der verschiedenen JavaScript Frameworks dar. Auch so genannte Hybrid Apps können dank der Cordova-Integration in Visual Studio neuerdings ohne großen Aufwand entwickelt werden. In diesem Falle werden die nativen APIs der jeweiligen Geräte – sei es mit Windows-, Android- oder iOS-Betriebssystem – über eine native Shell angesprochen. Diese sorgt dafür, dass die entsprechenden JavaScript-Kommandos bis zum Kern hin durchgeschleust werden.

Welcher dieser drei Ansätze letztendlich der richtige ist, lässt sich nur schwer sagen, hängt die Antwort auf diese Frage doch wie so oft von der jeweiligen Situation und den Anwendungsabsichten des Entwicklers ab. Und vielleicht sollte er ja sogar noch eine vierte Möglichkeit in Betracht ziehen: In der auf Parys folgenden Session „Windows 8 Look & Feel in Web-Anwendungen mit WinJS“ erklärte André Krämer (André Krämer – Software, Training & Consulting) nämlich, wie man den typischen Windows-8-Look ganz einfach auch auf klassische Websites und sogar auf mobile Plattformen wie Android oder iOS bringen kann.

Dariusz Parys zeigt die Möglichkeiten von Visual Studio als Cross-Plattform-IDE / © Software & Support Media

Dariusz Parys zeigt die Möglichkeiten von Visual Studio als Cross-Plattform-IDE / © Software & Support Media

 

Windows-8-Design goes Cross-Plattform

Das Werkzeug der Wahl ist in diesem Falle WinJS, eine von Microsoft bereitgestellte JavaScript- und CSS-Bibliothek, die eine Sammlung von UI Controls anbietet, nebst für Entwickler nützlichen Komfort-Funktionen wie Data Binding und Promises. Seit ihrem mit der Build 2014 verbundenen Open-Source-Gang unterstützt die Bibliothek nicht nur Windows und Windows Phone, sondern in bester Cross-Plattform-Manier auch Chrome, Firefox, iOS und Android.

Bestehende Windows-8-Apps können so ins Web oder auf andere Geräte portiert werden, wenn auch hierfür Nacharbeiten nötig werden können, beispielsweise bei den Styles, und kein Zugriff auf die jeweiligen Gerätefunktionen geboten ist. Entschließt man sich jedoch, eine neue Web-Anwendung für eine der genannten Plattformen zu entwickeln, zeigt WinJS ihr volles Potential: In diesem Falle ist die JavaScript-Bibliothek voll browserübergreifend nutzbar und auch die Kombination mit bestehenden Libraries wie AngularJS oder Knockout bietet sich an.

Genauso wie die Eröffnungskeynote der BASTA! 2014 zeigen uns somit auch diese beiden Sessions eindeutig: Microsoft erweitert seinen Horizont. Der Blick ist schon längst nicht mehr ausschließlich auf die eigene Windows-Plattform gerichtet. Stattdessen blickt Redmond hinaus in die weite Welt und auch die vermeintliche Konkurrenz ist schon lange nicht mehr sicher.

Aufmacherbild: save planet concept with human hand von Shutterstock / Urheberrecht: SSokolov

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