Warten auf die große Welle: Geld verdienen mit Open Source Software
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Eigentlich wollte Michael Herrmann nur seine neue Library Helium vorstellen, die Webautomatisierung vereinfachen soll. Doch sollte der warschauer Softwareentwickler Hacker News nicht verlassen, bevor er von der Community eine umfangreiche Lektion in Sachen Marketing-Chancen mit Open Source Software erhält.

Denn während sein Service gegenwärtig einen konkurrenzfähigen Eindruck erweckt, stellt sich die Hacker-News-Gemeinde unisono gegen die Entscheidung der Helium-Schmiede BugFree Software, denn Quellcode unter Verschluss zu halten. Und die Argumente, die dabei angeführt werden, klingen teilweise sehr plausibel. Als Vorteile einer Open-Source-Strategie werden die folgenden vorgestellt:

  • Stärkere Verbreitung, Verwendung und Entwicklung des Codes.
  • Einnahmen durch bezahlten Support und Enterprise-Lizenzen bei fünf bis zehn Prozent der Nutzer.
  • Open Core Lizenzierung mit Freemium-Modell (Community und Enterprise Edition).
  • Sämtliche Community-getriebene Weiterentwicklung fließt in den Kern zurück.
  • Einnahmen aus eigenen SaaS-Diensten.
  • Einnahmen aus Enterprise-lizenzierten Drittanbieter-Diensten.

Die wichtigste Komponente bei diesem Modell sei die Mund-zu-Mund-Propaganda. Während das Produkt, wie Herrmann und seine Kollegen es bereits anbieten, sehr gut sein kann, könnte ein technisch weniger ausgereifter Open-Source-Ableger trotzdem an Helium vorbeiziehen, wenn dessen Autor innerhalb weniger Monate zusammen mit einer stetig wachsenden Community ein überlegenes Produkt liefert.

Und die Traktion eines Open-Source-Konkurrenten ist auch auf Marketing-Seite schwierig: Während ein abgeschlossenes Produkt einen Startvorteil hat, und man damit einige Kunden für sich gewinnt und man es aktiv auf Konferenzen bewirbt, es in den Medien oder mithilfe von Partner-Software im Fokus der Entwickler behält, vermarktet sich ein Open-Source-Projekt wie von selbst. Open-Source-Entwickler schwärmen in StackOverflow, Google Groups, GitHub oder Blogs; kommentieren, committen, streiten über die nächsten Features. Das Projekt wird zum Gesprächsthema.

Für wen aber ist Open Source das richtige? Kommentator hyp0 bemerkt, dass der Open-Source-Markt besonders für diejenigen profitabel ist, die mit Beratung ihr Geld verdienen. Herrmanns Produkt jedoch ist eine Sofortlösung für ein spezielles Problem: Helium ist eine Schnittstellen-Bibliothek, deren Testskripte im Vergleich zu Selenium-Skripten effizienter gestaltet sind. So effizient und einfach, dass eine Beratung hierfür kaum nötig wird. Für die Nutzung des Closed-Source-Service werden jährlich rund 200 bis 450 Euro verlangt. [Update: Inzwischen gibt es eine kostenlose Probeversion.] Eine Idee, die diskutiert wird, ist eine Komponenten-Datenbank, mit der die Community Helium erweitern kann.

All diese Optionen jedoch übersehen, dass BugFree Software bereits ein halbes Jahr Arbeit in das Projekt investiert hat, ohne einen Cent damit zu verdienen. Als Team kann man es sich schlichtweg nicht leisten, auf die große Welle an Open Source Committern zu warten, die vielleicht gar nicht kommt.

Doch noch hat man den Gedanken nicht gänzlich abgelehnt, den Quellcode offen zu legen. Daher können wir Herrmanns Frage nur weiter reichen:

We quit our daytime jobs to work on this project and have to live off something… Maybe you have a suggestion as to what we could do to allow us to sustain our development in another way?

Aufmacherbild: Open Source Technology Platform in a Community von Shutterstock / Urheberrecht: kentoh

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