Warum der PHP-Core nur von einer kleinen Elite weiterentwickelt wird
Kommentare

Der PHP-Core-Contributor Nikita Popov fragte die 23.000 Leser der PHP-Community auf Reddit, was ihre Gründe sind, sich nicht an der Weiterentwicklung des PHP-Kerns zu beteiligen.

Dabei nannte er mögliche Gründe, die schon jetzt sehr bekannt sind:

  • Die Leute haben keine Zeit.
  • Sie könnten den Patch nicht selbst schreiben, also wäre man sicherlich auch nicht an ihren Ideen interessiert.
  • Die meisten Core-Entwickler haben nichts mit der User-Basis zu tun, also werden sie wahrscheinlich fremde Vorschläge ablehnen.
  • Das Gesprächsklima in der Mailingliste ist schlecht. Damit wollen sie nichts zu tun haben.

Und mit seinen Annahmen hat Popov eine ziemlich gute Ahnung gehabt, was für die hohe Hemmschwelle sorgt. Allerdings sei PHP da gar nicht viel anders als der Rest der Open-Source-Welt. Neben fachlichen Hürden der komplizierten Programmiersprache C kommen neue Teilnehmer oft nicht gegen das Drama an, das in manchen Debatten darüber entsteht, ob ein Feature implementiert werden soll, oder nicht. User Rygu glaubt, dass insbesondere PHP aber sowohl technisch als auch nicht-technisch [also menschlich] zugänglicher gestaltet werden sollte. Modernes Issue Tracking; schnelleres Prüfen, Akzeptieren und Einbinden von Pull Requests und mehr Entscheidungsgewalt der Community täten dem Projekt gut. Auch Nichtmitglieder des Core-Teams sollten Ideen einbringen, Code prüfen und bei RFCs mitabstimmen dürfen. Der Core sei überhaupt ein Konzept, was dem Open-Source-Charakter von PHP einen starken Abbruch tue:

The „core“ is a scary and closed concept, and it gives the open source php project a very closed source reputation.

Ein sehr beispielhaftes PHP-Feature seien die Traits, wie User mnapoli anmerkt. Während er gegen Traits an sich nichts einzuwenden hat, findet er spannend, welch schweren Debatten sie standhalten mussten, bevor man sie durchgewunken hat. Jüngere Beispiele hingegen, die für PHP 5.6 ein ähnlich nützlicher Gewinn gewesen wären, werden fast ohne Diskussion einfach abgeschmettert. Core-Mitglied Anthony Ferrara hat deswegen das Handtuch geworfen, seine jüngsten RFCs zurückgezogen und seinen Austritt aus den Internals angekündigt.

Die Wahrnehmung der Internal Mailing List ist sowohl extern, als auch intern recht negativ. Der Essener PHP- und Zend-Berater Gordon Oheim bezeichnete sie sogar als „vergifteten Kindergarten„. Es gibt dennoch Mitglieder, die sich davon nicht einschüchtern lassen wollen und einfach mitmachen werden. Freilich werden sie gegen viele starke Egos antreten müssen und natürlich werden ihre Vorschläge nicht den Wünschen aller anderen Beteiligten entsprechen. Aber würde sich dieser Zustand wirklich verbessern, wenn der Club dank stärkerer Öffnung noch größer würde? Vielleicht nicht, aber eventuell würde sich mit mehr Vielfalt bei guter Moderation der allgemeine Tonfall verbessern. Und eventuell ist das alles, was man in Anbetracht des Status quo anstreben kann.

Aufmacherbild: Two boys fighting von Shutterstock / Urheberrecht: Luis Louro

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -