Warum Microsoft den Browser-Krieg gewinnen könnte
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Alles deutet darauf hin, dass wir am Anfang eines neuen Browser-Krieges stehen. Microsoft hat angekündigt, im Classic Mode von Windows RT, der Windows-Variante für Geräte mit ARM-Chips, keine Browser

Alles deutet darauf hin, dass wir am Anfang eines neuen Browser-Krieges stehen. Microsoft hat angekündigt, im Classic Mode von Windows RT, der Windows-Variante für Geräte mit ARM-Chips, keine Browser von Drittanbietern zuzulassen. Sowohl Mozilla als auch Google haben sofort mit heftigen Protesten reagiert und erwägen sogar, Klage gegen Microsoft einzureichen.

Das Ganze erinnert stark an die Antitrust-Klage gegen Microsoft aus dem Jahre 1998. Hier wurde dem Software-Riesen auferlegt, in seinem Windows-Betriebssystem auch andere Browser als den Internet Explorer zu erlauben, da nur so die Marktfreiheit gewährleistet werden könne. Doch diesmal stehen die Vorzeichen anders und diesmal könnte Microsoft siegreich aus dem nächsten Browser-Krieg hervorgehen.

Zuerst einmal muss nämlich geklärt werden, ob Windows RT überhaupt unter die Bedingungen der oben genannten Vereinbarung fällt. In dem Urteil von 2001, das aus der 1998er-Klage hervorging, ist die Rede von „Windows“ und von „Client-PCs“ – hier muss Microsoft Drittanbietern seine Browser-APIs zur Verfügung stellen. Doch wie sieht es aus mit Tablets? Sind Tablets noch Client-PCs? Und ist Windows RT überhaupt noch Windows? Bevor eine Entscheidung fallen kann, müssen zuerst einmal diese Begrifflichkeiten geklärt werden.

Betrachten wir WindowsRT einmal aus der Tablet-Ecke heraus, sehen die Bedingungen schon ganz anders aus. Sicherlich kann man Microsoft in diesem Bereich nur schwerlich vorwerfen, durch Zurückhaltung von APIs seine dominante Marktposition zu missbrauchen, denn schließlich ist die Position Microsofts auf dem Tablet-Markt alles andere als dominant.

Apple und Android sind hier die bislang noch unerreichten Marktführer. Und genau diese Unternehmen verfolgen eine ähnliche Praxis, wie sie auch Microsoft mit WindowsRT anvisiert. In Googles Chrome OS läuft nur ein einziger Browser – Chrome. Im Apple-eigenen iOS sieht es ähnlich aus: Die Webkit Rendering Engine und der JavaScript Interpreter sind direkt in iOS eingebaut. Browser von Drittanbietern können nur dann funktionieren, wenn sie auf diesen beiden Komponenten sitzen.

Auch wenn wir uns mit der neusten Entwicklung im Browser-Geschäft ein wenig in die Neunzigerjahre zurückversetzt fühlen: Der Markt hat sich gewandelt. Neue Geräte sind dazugekommen und Microsoft ist keineswegs mehr im Besitz eines Monopols. Bleibt abzuwarten, ob diese neuen Entwicklungen auch den Ausgang des wiederaufgenommenen Browser-Krieges beeinflussen. Eines steht zumindest schon mal fest: Die Chancen Microsofts stehen deutlich günstiger als noch vor zehn Jahren.

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