Was im Studium fehlt – und trotzdem wichtig ist!
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Was das Software-Engineering-Studium nicht vermittelt und trotzdem wichtig ist – zumindest was das irische Institute of Technology Carlow betrifft –, darüber sinniert der frischgebackene Software Engineer Robbie Lynch in seinem Blog.

Wie bei fast allen Studiengängen, so gilt nämlich auch dort: Landet man nicht gerade in der Forschung, dürfte vieles aus dem Curriculum nach Ende des Studiums schnell in Vergessenheit geraten – während gleichzeitig die nebenbei erworbenen Kenntnisse an Gewicht gewinnen.

Und dies bedeutet, so Lynch, im Falle des Software Engineering: arbeitet man nicht an eigenen Projekten oder beschäftigt man sich nicht selbstständig mit neuen Technologien, so wird man spätestens am ersten Arbeitstag echte Probleme bekommen.

Lynchs nicht abschließende Liste der wichtigsten Fertigkeiten umfasst:

  • Die Dokumentation von Software: Jeder hat wohl schon einmal eine Bedienungsanleitung in Händen gehalten, für die die Bezeichnung „unverständlich“ noch eine gnadenlose Untertreibung wäre. Strukturierte, informative und klare Dokumentationen zu erstellen ist keine leichte Aufgabe und muss deshalb alsbald geübt werden.
  • Das Schreiben von Clean Code: Clean Code beschreibt kurz gesagt „Dokumente, Konzepte, Regeln und Verfahren, die intuitiv verständlich sind. Intuitiv verständlich ist alles, was mit wenig Aufwand in kurzer Zeit richtig verstanden werden kann“ (Wikipedia). Doch wie genau man dieses Ziel erreichen kann, darüber erfährt man Lynch zufolge nichts.
  • Das Testen und Debuggen: Selbst wenn die grundlegenden Verfahren behandelt werden, bleiben in der Regel viele Fragen offen, z.B.: „Wie baut man einen wirklich guten Test auf? Was sollte man überhaupt testen und was nicht?“ Auch beim Debugging muss man sich mitunter elementar wichtige Dinge wie die richtige Verwendung des IDE-Debuggers im Selbststudium beibringen.
  • Versionskontrollsysteme: Lynch konnte beobachten, wie manche Kommilitonen Stunde um Stunde damit verschwendeten, nur weil sie keine Ahnung von Versionskontrollsystemen à la Git hatten und deshalb alles händisch erledigen mussten.
  • Die Gründung eines Startups: Auch wenn einige Dozenten ihre Studenten ermutigen, sich mit der Existenzgründung zu beschäftigen, so werden diese im Grunde allein gelassen. Eine entsprechende Gründermentalität zu vermitteln oder auch betriebswirtschaftliche Grundzüge zu vermitteln könnte eine sinnvolle Ergänzung des Lehrplans darstellen.

Zwar existieren spätestens seit der Bologna-Reform auch in Deutschland explizit praxisorientierte Studiengänge im Bereich Software Engineering (versus den eher theoretisch orientierten alteingesessenen Informatikstudiengängen), doch auch auf diese dürften die von Lynch genannten Punkte – zumindest teilweise – zutreffen.

Aufmacherbild: The school blackboard and chalk written desktop computer von Shutterstock / Urheberrecht: romvo

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