Was ist die Zukunft des Web? The Longest Journey…
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…from Core to User: PHP und die gesamte Web-Entwicklung ändern sich. Anwender und Kunden stellen neue Ansprüche, und der PHP Core sowie die gesamte Architektur müssen darauf zugeschnitten werden.

…from Core to User: PHP und die gesamte Web-Entwicklung ändern sich. Anwender und Kunden stellen neue Ansprüche, und der PHP Core sowie die gesamte Architektur müssen darauf zugeschnitten werden. Doch woher weht der Wind und wohin treiben wir mit unserem Schiffchen? Einen Blick in die Kristallkugel gaben fünf sehr unterschiedliche Speaker auf der IPC 2012.

Unter der Moderation durch Tobias Schlitt (Qafoo) zeigten folgende Speaker beim Symposium, was die Zukunft des Web bringt:

Hans-Christian Otto (crosscan): „JavaScript wird die Web-Sprache der kommenden Dekade sein.“

Hans-Christian Otto (crosscan) sagte, dass JavaScript die Websprache der kommenden Dekade sein wird. Das iPhone legte mit seinem Verzicht auf Flash und Java vor und zwang die Webentwickler zum Umdenken. Während zum Release des Smartphones die Entscheidung noch strittig war, sind sich Entscheider heute einig, dass man eine JavaScript-Lösung braucht, will man am Markt bestehen. „The mobile web is the future of the web“, sagte der Front-End-Spezialist. Im Angesicht der gewachsenen System-Vielfalt (iOS, Android, Windows, OSX, Linux plus sämtliche Browser) ist JavaScript die einzige Möglichkeit geworden, User sämtlicher Plattformen zu erreichen.

V.l.n.r.: Tobias Schlitt (quafoo), Ilia Alshanetsky (Centah), Stefan Priebsch (thephp.cc), Hans-Christian Otto (crosscan), Johann-Peter Hartmann (Mayflower). Die Experten lieferten sich eine Diskussion über die Zukunft der Web-Entwicklung.

Stefan Priebsch (thephp.cc) ergänzte Ottos Punkt um den PHP-Background, wo sich mit Microframeworks zeigt, dass der Bedarf an schlanken Backends genau wegen der Mobilmachung der Anwender notwendig geworden ist: Server müssen auf die zahlreichen, kleinen Requests schnell reagieren können. Dabei spielt zusätzlich ein semantischer Aufbau eine wachsende Rolle. Zudem hat der PHP Consultant oft beobachtet, dass durch die wachsende Bedeutung und den verstärkten Einsatz von JavaScript Entwickler dazu neigen, Teile der Business Logic auf Client-Seite zu verlagern. Hier erhofft sich Priebsch, dass man diese wieder an einem Ort zusammenbringt, um Qualitätsstandards erhalten zu können.

Ilia Alshanetsky (Centah) sieht ebenfalls die JavaScript-Welle auf PHP als Umgebung zurollen. Der Core-Entwickler versichert, dass man bei PHP erkannt hat, dass HTTP-Requests alleine nicht mehr ausreichen, um mit der Flut der ausgetauschten JSONs und XMLs zurechtzukommen, die täglich über JavaScript hereingespült wird. Um auch in Zukunft noch mit PHP skalierbare Anwendungen erstellen zu können, wird man sich weiter an anderen Technologien orientieren und implementieren, was für das Web sinnvoll ist. „Egal was das Web für Entwicklungen erfährt: Spätestens ein bis zwei Releases später bietet PHP das passende Core-Feature für den Job.“

Johann-Peter Hartmann (Mayflower) sah über JavaScript hinaus noch eine weitere große Veränderung, auf die sich Entwickler einstellen sollten: DevOps-Teams sind im Kommen. Systemadministratoren sind mittlerweile schlichtweg überfordert mit der Vielseitigkeit einer modernen Webarchitektur. Während wir früher noch mit PHP, MySQL und einem Apache Server arbeiten konnten, sind es heute PHP, Node.js, Nginx, Redis, MongoDB, MySQL und viele andere. Tools wie Puppet machen es spielend einfach, Server oder Entwicklungsmaschinen aufzusetzen. „Ich treffe immer mehr Entwickler, die auch schon mit Vagrant arbeiten. Es ist inzwischen gut jeder dritte“, sagte Webarchitekt. Durch dieses Know-how-Wachstum entfallen für die Entwickler bei ihrem Job viele Wege und einige Telefonate mit dem Sys-Admin und Release-Zyklen können stark beschleunigt werden.

Doch können die Entwickler deswegen noch längst nicht alles alleine machen. Software besteht nicht nur aus ihrer Funktionalität, sondern auch aus User Experience. Und hier sei es laut Hartmann ganz wichtig, dass Designer und Developer zusammenkommen und über kontinuierliche A/B-Tests ihre Conversion optimieren lernen. Priebsch erinnert hierzu an das Modell des Minimal Viable Product nach Eric Ries: Entwickler sollen sich die Frage stellen, was der Minimalaufwand für Business Value ist und wie wir dieses Minimum erhalten. Erst wenn wir die optimale Balance zwischen Aufwand und Lohn finden, können wir unsere Arbeit als Agile bezeichnen.

Tools der Zukunft

Als Schlitt in die Runde fragt, was für Tools in Zukunft gehäuft zum Einsatz kommen werden oder sollten, empfiehlt Alshanetsky Git oder GitHub für die Versionskontrolle, da sich der Workflow auf diese Art dezentralisieren lässt. Dadurch wird die Entwicklung insgesamt schneller und effizienter. Auch Continuous-Integration-Lösungen inklusive flächendeckender Tests sind unerlässlich, will man langfristig die Qualität seiner Software sichern. Priebsch hält Test-Tools und CI ebenfalls für wertvolle Ergänzungen im Entwickler-Alltag, jedoch sollte man sich nie dazu verleiten lassen, Lösungen in seinen Workflow zu integrieren, zu denen noch gar kein Problem existiert.

Und die Tests standen weiter zur Debatte, da hier noch nicht das richtige Maß gefunden worden ist: Muss ich wirklich für zwei Zeilen neuen Code 20 Zeilen neue Tests schreiben? Oder ist für meine Zwecke eventuell Behaviour-Driven-Development ausreichend? Hier wird tatsächlich simuliert, was der Anwender wirklich mit der Oberfläche macht. Umgekehrt sagt Otto, dass etwa JavaScript Testing nicht mehr stiefmütterlich behandelt werden darf, da es sich teilweise um echte Business Logic handelt und nicht mehr um bloßen „fancy stuff“.

Lassen sich Ideale wie lückenlose Testierung und Continuous Integration erst einmal realisieren, sind Visionen denkbar wie kontinuierliches Integrieren neuer Features und schmerzfreies Rauswerfen alter Features. Dadurch müssen etwaige Fehlentscheidungen nicht lange ausgebadet werden und Verluste bleiben minimal.

Das Video zur Keynote werdet Ihr bald auf einer Heft-DVD des PHP-Magazins vorfinden.

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