Interview zum .NET Architecture Camp

Web, nativ oder Cross-Plattform? – über die Qual der App-Wahl
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Dass das mobile Zeitalter angebrochen ist, darüber sind sich alle einig. Um in der neuen, mobilen Welt bestehen zu können, gibt es jedoch verschiedene Ansätze. Diese präsentieren Jörg Neumann und Christian Wenz in ihrem Workshop mit dem Titel „Mobile Anwendungen – Gegenüberstellung von Mobile Web, Nativen Lösungen und Cross-Plattform-Lösungen“ auf dem .NET Architecture Camp. Wir haben den beiden Experten schon im Vorfeld einige Fragen gestellt.

Windows Developer: In eurem Workshop „Mobile Anwendungen – Gegenüberstellung von Mobile Web, Nativen Lösungen und Cross-Plattform-Lösungen“ sprecht ihr von den drei Möglichkeiten, in der mobilen Welt tätig zu sein. Erklärt uns doch mal die Unterschiede zwischen diesen drei Optionen.

Christian Wenz: Der einfachste Weg, eine mobile Anwendung zu erstellen, ist die Implementierung einer mobilen Website. Die Luxusversion ist eine native App – also auf Basis von Objective-C für iOS, mit Java für Android und mit C# für Windows Phone. Der Mittelweg setzt darauf, nur eine Programmiersprache einzusetzen und per Compiler am Ende trotzdem eine native App zu erhalten. Welche Sprache und auch welche Technologie letzten Endes zum Einsatz kommen, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Wir sprechen insbesondere über diese Faktoren und stellen einige ausgewählte Technologien und Tools vor, die der aus Sicht von .NET- und Webentwicklern interessant sind.

Windows Developer: Kann man denn mit dem bloßen Auge überhaupt erkennen, ob man z. B. eine native oder eine Cross-Plattform-App vor sich hat? Gibt es bestimmte Anhaltspunkte, die uns die Verwendung einer bestimmten Technologie erkennen lassen?

Jörg Neumann: Dies macht sich weniger an der Optik, sondern vielmehr in der Bedienung bemerkbar. Häufig laufen native Apps ein wenig flüssiger und nutzen mehr Möglichkeiten der jeweiligen Plattform. Bei Cross-Plattform-Apps versucht man hingegen meist den kleinsten gemeinsamen Nenner aller unterstützen Devices zu finden. So würde man z. B. in einer nativen Windows Store App die sogenannten Contracts unterstützten, die eine Kommunikation zwischen Apps ermöglicht. Da dieses Feature jedoch nicht auf allen mobilen Plattformen zu Verfügung steht, würde man es bei einem Cross-Plattformen-Ansatz eher vernachlässigen.

Windows Developer: Welche Vorteile haben die drei genannten Technologien? In welchem Szenario sollten wir lieber die eine, wann lieber die andere einsetzen?

Jörg Neumann: Pure HTML-basierte Lösungen eigenen sich immer dann, wenn es darum geht, eine Website zu mobilisieren, also in ansprechender Form auf unterschiedlichen Endgeräten zu präsentieren. Auch einfache, datengetriebene Apps sind mit diesem Ansatz denkbar. Native Apps nutzen hingegen alle Möglichkeiten der jeweiligen Plattform. Dies ermöglicht eine bessere Usability, da die App mit Funktionen des jeweiligen Betriebssystems angereichert werden kann. So ist es beispielsweise einfacher, einen Barcode mit der Kamera zu scannen, als eine Nummer mit der Hand einzugeben. Ob eine solche App nun nativ oder mit einem Cross-Compiler-Ansatz entwickelt wird, hängt davon ab, wie viele Plattformen unterstützt werden müssen. Auch die Skills der Entwickler sind hierbei ein Faktor. So ist es für einen .NET-Entwickler sicherlich leichter, eine native Cross-Plattform-App auf Basis von Xamarin zu entwickeln, da er hierbei C# verwenden kann. Ein Web-Entwickler möchte hingegen seine vorhandenen HTML-, JavaScript- und CSS-Fähigkeiten einsetzen.

Windows Developer: Beim Thema Mobile-Entwicklung für mehrere Plattformen denken viele .NET-Entwickler zuerst an Xamarin. Welche Alternativen hierzu gibt es?

Christian Wenz: Es gibt zahlreiche Frameworks, die auf Webtechnologien setzen, um native Apps zu implementieren. Die bekanntesten sind wohl PhoneGap/Cordova sowie Titanium. Es gibt aber noch zahlreiche weitere. Wir zeigen im Workshop unter anderem PhoneGap, weil das aktuell sehr viel Traktion hat.

Windows Developer: Sind .NET-Entwickler denn im Allgemeinen gut auf die neue, mobile Welt vorbereitet oder besteht bei Ihnen im Vergleich zu anderen Technologieumfeldern noch Nachholbedarf?

Christian Wenz: Das lässt sich pauschal schwer beantworten. In der Tat ist es so, dass Microsoft es .NET-Entwicklern lange Jahre lang ermöglicht hat, Webanwendungen mit sehr wenig Web-Know-How zu erstellen – Stichwort ASP.NET WebForms. Das heißt natürlich nicht, dass .NET-Entwickler prinzipiell wenig Web-Expertise aufweisen, ganz im Gegenteil – Microsoft vollzieht ja gerade auch eine Kehrwende. Trotzdem stellen wir bei Kunden häufig fest, dass sehr plötzlich die Anforderung kommt, eine bis dato für Fat Clients konzipierte Anwendung fit fürs Web zu machen. Hier stellen wir gerne zunächst strategische Überlegungen an und entscheiden dann, welche Technologien zum Einsatz kommen sollten und ob es hier Nachholbedarf gibt.

Windows Developer: Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Informationen zum .NET Architecture Camp gibt’s hier >>

© Jörg Neumann

Jörg Neumann ist Principal Consultant bei der Acando GmbH in Hamburg, Associate bei thinktecture und Microsoft MVP im Bereich Client App Dev. Er entwickelt seit über zehn Jahren Software im Microsoft-Umfeld und berät Firmen im Bereich Client- und Datenbanktechnologien. Sein Wissen vermittelt er regelmäßig in Artikeln, Büchern und als Referent auf Entwicklerkonferenzen. Sie erreichen ihn über www.Acando.de, www.thinktecture.com oder seinen Blog headwriteline.blogspot.com.

© Christian Wenz

Christian Wenz ist Autor, Trainer und Berater mit den Schwerpunkten Webtechnologien und Web Security. Er schreibt regelmäßig Fachartikel für namhafte Zeitschriften; seine Bücher wurden in ein Dutzend Sprachen übersetzt. Als Teilhaber der Münchner Agentur Arrabiata Solutions GmbH leitet er komplexe Entwicklungsprojekte und macht Webanwendungen von international ausgerichteten Mittelständlern und Großkunden performanter und sicherer. Er arbeitet regelmäßig mit Entwicklungsteams rund um den Globus im Rahmen von Projekten oder Workshops zusammen.

Aufmacherbild: Three colorful closed doors on gray wall. von Shutterstock / Urheberrecht: yanugkelid

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