Löst Googles Accelerated-Mobile-Pages-Projekt das Responsive Webdesign ab?

AMP vs. Responsive Web Design
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Über Web Performance wird viel geredet – gerade, wenn es um die Performance des Webs auf Mobile Devices geht. Wurde Responsive Design noch vor einigen Jahren als eine Art „heiliger Gral“ des Webdesigns für Mobile Sites gepriesen, sorgen sich Webdesigner, dass die Tage des Responsive Webdesigns gezählt sein könnten. Denn Google hat angekündigt, mit seinem neuen HTML-Subset AMP (Accelerated Mobile Pages) die Performance des Mobile Webs signifikant beschleunigen zu wollen.

Zu Recht? Das fragt sich Tom Maslen im Responsive-Design-Blog des BBC und zeigt, welche Auswirkungen die Einführung von AMP auf die Arbeit mit Responsive Webdesign haben könnte – und stellt Überlegungen an, ob AMP das RWD sogar eines Tages ganz ablösen könnte.

Die BBC Newssite: schon seit 2012 Responsive unterwegs

Schon 2012 stellte die BBC eine erste Version ihrer Responsive News Website vor; seitdem wurde ständig an der Optimierung der Seitenperformance der Seite gearbeitet, um gerade auf Mobile Devices für eine bessere Ladezeit zu sorgen. Schon vor drei Jahren sorgte die als „Cutting the Mustard“ bekanntgewordene Strategie dafür, dass nur der minimal benötigte Content so schnell wie möglich gerendert und erst für eine „Premium-Experience“ – etwa auf Desktop – mit einem umfangreicherem Interface versehen wurde. Der Vorteil daran: Die BBC-Newsseite konnte so besonders schnell geladen werden und funktionierte problemlos in allen Browsern.

Mittlerweile gilt im Webdesign aber umso mehr: Mobile First – allerdings möglichst ohne gesonderte Mobile- und Desktop-Seiten zu entwickeln. Dazu kommt bei der BBC das Problem, dass das Design-Team der Mobile-Newsseite lange isoliert gearbeitet hat; Performance-Probleme und Probleme bei der Responsive Experience der User waren die Folge.

Zwar hat sich seither einiges an der BBC Newsseite getan, trotzdem bleiben Latenz und Third-Party-Skripte die größten Stolpersteine – und die lassen sich eben nur bis zu einem gewissen Grad ausschalten, wenn man seine Seite Responsive gestalten will. Kein Wunder also, dass native Apps immer beliebter werden, immerhin bieten sie eine gut koordinierte User Experience.

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Eine Web-App in ihrer reinsten Form

Das von Google ins Leben gerufene AMP-Projekt verspricht, dass Herausgeber von Online-Content diesen bereits Mobile-optimiert erstellen und veröffentlichen können und er direkt überall geladen wird:

The Accelerated Mobile Pages (AMP) Project is an open source initiative that embodies the vision that publishers can create mobile optimized content once and have it load instantly everywhere.

Das Ziel ist dabei vor allem, die User Experience der Nutzer, die Content auf Mobile Devices aufrufen, zu verbessern und eine leichtere Möglichkeit zur Content-Distribution zu bieten. Noch gibt es nur wenige Beispiele von Seiten, die mit AMP arbeiten; die die es gibt überzeugen jedoch mit ihrer schnellen Ladezeit, die der Performance von Sites ohne AMP deutlich überlegen ist. Dafür nennt Maslen vor allem drei Gründe:

  • alle AMP-Seiten laufen über Googles Content Delivery Network (CDN)
  • es wird keine eigenes JavaScript ausgeführt – auch wenn AMP über eine eigene JavaScript-Engine verfügt
  • es gibt eine Custom-Markup-Sprache für nicht-Text-basierte Content-Elemente wie Bilder oder Videos

Damit können AMP-Seiten den zu rendernden Content etwa im Viewport priorisieren, während Custom-Elemente für nicht-Text-basierten Content vom Browser ignoriert werden und AMP so erlauben, die Reihenfolge des Asset-Loadings und -Renderings selbst zu bestimmen. Dazu sagt Maslen:

This loading strategy plus the fact that the page is on CDN gives the page the best possible chance of getting to the user and rendering something into the viewport as quickly as possible. It’s an implementation of a web page that prioritises performance over accessibility, semantics and SEO.

AMP: ein Konkurrent für Facebook und Apple

Nicht nur die bessere User Experience und kürzere Ladezeiten machen APM zu einem interessanten Projekt, auch die verbesserten Distributionsmöglichkeiten spielen eine wichtige Rolle. Bereits seit einiger Zeit gibt es Facebook Instant Articles und Apple News, und beide Veröffentlichungswege machen sich Push-Notifikationen in nativen Apps zu Nutze:

By pushing all reading experiences into native apps we could potentially see web-ad supported content disappear into the app ecosystem.

Zudem haben sowohl Facebook Instant Articles als auch Apple News ein eigenes Datenformat – und das ist vor allem nicht mit dem Web kompatibel. AMP dagegen ist nicht nur ein mit Facebook und Apple konkurrierendes Format, sondern auch ein Veröffentlichungssystem, das auf dem Open Web basiert. Vergleichbar ist AMP dabei vor allem mit RSS, allerdings erlaubt es Herausgebern von Online-Content diesen gleichzeitig mit ihrer Werbung und Analytics zu bündeln und so das sogenannte „vertical publishing“ zu stärken.

AMP vs Responsive Webdesign?

Wenn AMP allerdings vor allem mit RSS vergleichbar ist, was hat das Ganze dann mit Responsive Webdesign zu tun? Dem ist Tom Maslen ebenfalls in seinem Artikel nachgegangen – und hat insbesondere zwei interessante Mutmaßungen angestellt, wie sich AMP auf Responsive Webdesign auswirken könnte:
1.

AMP ersetzt Responsive Webdesign nicht


Der Vorteil von Responsive Webdesign ist vor allem, dass ein Feature einmal designt wird und dann auf allen Devices verfügbar ist, die unterstützt werden sollen. Wäre AMP als Ersatz für Responsive Webdesign gedacht, würde das eine deutliche Rückentwicklung des Webdesigns bedeuteten – quasi zurück zum Jahr 2012, wo der Standard eine eigene Mobile-Site und eine Seite für alle anderen Devices war.

Dass AMP das Responsive Webdesign ersetzt, glaubt Maslen nicht. Gründe dafür gibt es einige, zum Beispiel den Browser-Support. AMP unterstützt nur die zwei jeweils aktuellsten Versionen aller großen Rendering-Engines; Proxy-Browser wie Opera Mini werden nicht unterstützt. Auch die Accessibility bleibt noch auf der Strecke, denn die AMP-Experience für Screenreader ist nicht nicht besonders weit fortgeschritten.

Überhaupt ist AMP derzeit auf eine bestimmte Aufgabe zugeschnitten: eine besonders schnelle Lese-Experience für User zu bieten. Andere Contenttypen als Text werden kaum unterstützt; hier bietet RWD also weiterhin einige deutliche Vorteile.
2.

Device Detection ist keine bessere Technik als Responsive Webdesign


Nur weil AMP das Mobile Web beschleunigen soll, ist das noch lange keine Anerkennung des Versagens von Responsive Webdesign, erklärt Maslen. Responsive Webdesign leistet gute Arbeit darin, Usern eine möglichst gute User Experience bei der Nutzung von Mobile Websites zu bieten. Daran dürfte AMP auch so schnell nichts ändern. Zwar, so meint Maslen weiter, ist Device Detection durchaus nützlich, kann aber die Hauptprobleme nicht lösen, die RWD längst löst, nämlich die Frage, was das Mobile Web eigentlich ist und wo die Grenze zwischen „Mobile Web“ und „Web“ gezogen werden sollte. Responsive Webdesign ist und bleibt hier die einzige Alternative.

Wohin führt das also?

Ein Kritikpunkt, der von vielen angebracht wird, ist, dass AMP die Gestaltung von Webseiten nachhaltig verändert. Dabei lässt sich derzeit noch gar nicht vorhersagen, wohin die Reise von AMP überhaupt gehen soll. Viel wahrscheinlicher ist es laut Maslen daher, dass es zu einem „Standards War“ zwischen AMP, Apple News und Facebook Instant Articles kommen wird, bei dem nur ein Content-Object-Modell als Sieger hervorgeht. Kaum ein Herausgeber dürfte nämlich in der Lage sein, alle drei Modelle zu bespielen.

AMP dürfte da gute Chance haben – immerhin soll es ein offenes Format werden. Dazu meint Maslen:

A format that allows the creator to define the layout sounds like a better strategy than one which behaves like an XML document.

Als Bedrohung für Responsive Webdesign sieht er AMP jedoch trotzdem nicht – eher als Möglichkeit, um Webdesignern zu zeigen, wie man RWD verbessern kann.

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HTML & CSS Days 2020

Web Performance Optimierung

mit Sven Wolfermann (maddesigns)

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Aufmacherbild: Closeup of a white desk with a modern laptop computer and an antique typewriter back to back. von Shutterstock / Urheberrecht: Steve Cukrov

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