Wie Websites auf Apples Smartwatch funktionieren könnten

Apple Watch und das liebe Web
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Apple hat es getan und neben den zu erwarteten Smartphones iPhone 6 und iPhone 6 Plus die Apple Watch veröffentlicht. Die hat erwartungsgemäß für Aufsehen gesorgt und soll nun das bewerkstelligen, was zahlreiche Android-Uhren vor ihr nicht geschafft haben: das „Konzept Smartwatch“ salonfähig machen. Eigentlich könnte uns das egal sein, gäbe es nicht doch die Hoffnung – oder Befürchtung –, dass man das Device nutzen könnte, um Webinhalte darauf anzuzeigen. Doch will man das wirklich? Und wie sollte das funktionieren?

Wer anderes als Peter-Paul Koch hätte sich dazu seine Gedanken gemacht – und bringt ein Konzept auf den Tisch, das viele von uns seit seinem Aufkommen im Internet Explorer 8 anno 2009 unter Garantie schon wieder vergessen haben.

Apple Watch und ein Browser

Zugegeben – PPK selbst begibt sich in eine Welt der Mutmaßungen und Gedankenexperimente. Und das beginnt schon bei der Frage, ob die Apple Watch – über die bei der Vorstellung generell nur wenig bekannt gegeben wurde – überhaupt einen Browser an Bord hat:

As far as I can determine the Apple Watch does not run the full Safari browser, but it does run a WebView for certain apps that display their data in HTML. Why is that?

Clearly, the WebView is considered necessary to the Watch — mostly likely because apps that Apple deems critical need a WebView.

Wo eine WebView, da ein Browser?

Das (mögliche) Fehlen eines Browsers könnte zwei Gründe haben: die Hardware und die User Experience.

Wie bereits erwähnt ist kaum etwas über die Apple Watch bekannt; abgesehen vom Aussehen und der einen oder anderen Funktionalität. Die ausbleibende Angabe von Spezifikationen sorge in erster Konsequenz vor allem für viele Spekulationen, von denen einige, wie beispielsweise die magere Akkulaufzeit von gerade einmal einem Tag, mittlerweile bestätigt wurden. Andere Informationen, wie beispielsweise zur Hardware, bleiben weiterhin der Spekulation und eigenen Phantasie überlassen.

Auch Koch sieht hier einen Ansatzpunkt. Seiner Meinung könnte es durchaus so sein, dass die aktuelle Hardware der Apple Watch nicht stark genug für einen vollständigen Browser wäre. Apple würde in diesem Fall sicherstellen, dass Apps, die auf die WebView setzen, mit eben dieser ziemlich sparsam umgehen – JavaScript oder aufwändige Animationen wären somit Fehlanzeige.

Das allerdings wäre nur ein temporärer Hinderungsgrund – schließlich ist davon auszugehen, dass die Hardware stetigen Verbesserungen unterliegt. Früher oder später hätte das Handgelenksgimmick genügend Power, um mit Webinhalten wie gewohnt umzugehen.

Bleibt also der wesentlich offensichtlichere Grund …

Die Krux mit der UX

Niemand dürfte bei dem Anblick einer Smartwatch mit den Dimensionen einer guten, alten Taschenrechneruhr ernsthaft als erstes daran denken, damit im Web zu surfen. Von User Experience kann schließlich keine Rede sein.

Man stelle sich nur einmal vor, wie es wäre, eine URL einzugeben; ganz zu schweigen vom Ausfüllen eines Formulars. Abgesehen von der fehlenden (Hardware-)Tastatur könnte das auch mit einer virtuellen Tastatur eine frickelige Angelegenheit werden.

Und Platz für einen Zurück-Button gibt es auch nicht.

Die Viewport-Situation

Apple Watch Startscreen Wenig Platz für einen Browser? Apple Watch, ©Apple Inc.

Als ob das alle nicht schon Grund genug wäre, von einem Browser auf der Apple Watch abzusehen, gibt es noch ein ganz anderes Problem: die physikalische Größe und die Auflösung. Ein Thema, zu dem sich Peter-Paul Koch in Bezug auf das iPhone 6 schon so seine Gedanken gemacht hat.

Nun kommt aber wieder zu tragen, dass zu Apples Handgelenkscomputer kaum handfeste Informationen vorliegen – Koch zieht also die Galaxy Gear als Ausgangspunkt für seine weiteren Überlegungen heran, und die hat 320 x 320 Device-Pixel. Daraus kann man folgern, dass die ideale Breite des Viewports einer Smartwatch kleiner als 320 Pixel sein müsste.

Betrachtet man die Breite des Displays – 42 Millimeter in der großen Ausführung der Apple Watch – und vergleicht das beispielsweise mit dem iPhone 4s, das 54 Millimeter breit ist, kommt man auf ein noch genaueres Ergebnis und landet letzten Endes bei ca. 256 Pixel für den Viewport.

Aus der Distanz betrachtet

Zu der Theorie gesellt sich jedoch noch ein kleines Stückchen Praxis, denn eine Kleinigkeit fehlt in dieser Rechnung also noch: der Abstand der Augen zum Display.

The ideal viewport size for any browser depends on the width of the device and the typical distance from your eyes.

Eine Umfrage, die Koch kurzerhand auf Twitter initiiert hatte, ergab, dass die meisten Nutzer das Smartphone deutlich näher an den Augen haben als eine Smartwatch. Daraus schließt er, dass die (ideale) Breite des Viewports sogar noch weniger als 256 Pixel betragen müsste.

Reichlich wenig Platz für Inhalte.

Web Slices to the rescue

An dieser Stelle könnte man die Diskussion über den Sinn oder Unsinn eines Browsers in der Apple Watch eigentlich abbrechen – gäbe es nicht ein längst in Vergessenheit geratenes Feature des Internet Explorer 8: Web Slices.

Basically, the idea is that web developers define a certain area in their site, which can be shown independently from the main page. In the case of IE8, you had to give the area a class="hslice" (clearly microformats-inspired) and it’s subsequently shown in the browser’s Favorites bar.

Dieses Konzept könnte man Kochs Meinung nach bei Apple aufgreifen. Und in der Tat ist das durchaus eine spannende Idee.

Man stelle sich vor, dass man mit random Browser im Web unterwegs ist und ein Bereich auf der Website als „Slice“ definiert ist – beispielsweise aktuelle Sportergebnisse, ein Gutscheincode, ein Text oder ähnliches. Ein Klick (oder Touch) auf das Element würde nun den so markierten Bereich auf die Uhr „pushen“ und dort verfügbar machen – schon wäre das Web auf der Smartwatch.

Brave new many-device world

Natürlich behauptet Koch nicht, dass das die einzige Möglichkeit sei, das Web auf der Apple Watch (oder einer beliebigen anderen Smartwatch) verfügbar zu machen – aber es sei durchaus ein denkbarer Ansatz.

In der Tat scheint diese Lösung auch einige spannende Möglichkeiten mit sich zu bringen, wenngleich auch die Funktionalität der Web-Stückchen am Ende sehr eingeschränkt wäre.

Auf der anderen Seite muss natürlich die Frage erlaubt sein, ob wirklich jedes Device mit einem Browser ausgestattet sein muss …

Was meint ihr dazu?

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