Backdrop: Drupal-Fork als Rettungsboot für Amateur-Entwickler?
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Nathan Haug, derzeit als Consultant bei der auf Drupal spezialisierten Webdesign-Agentur Lullabot beschäftigt, hat Drupal 7 geforkt. Damit will er den Entwicklern eine vereinfachte Alternative zum Upgrade

Nathan Haug, derzeit als Consultant bei der auf Drupal spezialisierten Webdesign-Agentur Lullabot beschäftigt, hat Drupal 7 geforkt. Damit will er den Entwicklern eine vereinfachte Alternative zum Upgrade auf Drupal 8 bieten. In seiner offiziellen Ankündigung begründet Haug diesen Schritt damit, dass er die Drupal Community nicht als „Masse professioneller Entwickler“ sieht.

The traditional audience of Drupal is not a crowd of professional developers. We’ve gotten to that point through years of building flexible systems that can be built at low cost. However, „low cost“ isn’t exactly how most people would describe Drupal today. Even in the current version of Drupal, we’ve abstracted things beyond where a new developer could pick up Drupal in a day, grasp the basic concepts, and then start building a website.

Seiner Erfahrung zufolge hatten viele Entwickler PHP noch gar nicht beherrscht, als sie ihre ersten Gehversuche mit Drupal gewagt haben. Doch da sich das Content Management System anhand seiner intuitiven APIs gut verwalten ließ, fanden sich auch Einsteiger sehr schnell mit der Entwicklung zurecht.

Nun, da mit Drupal 8 unter anderem das Symfony Framework seinen Weg in den Kern gefunden hat, ist das Abstraktionsniveau und damit auch die Lernkurve stark angestiegen. Drupal könnte damit künftig die Amateur-Entwickler als wichtiges Standbein verlieren, wie Haug befürchtet. Dies will er mit Backdrop abfedern. Auch will er damit eine Abwanderung der Entwickler nach WordPress verhindern. Der Gesamtmarkt aus Drupal 8 und Backdrop soll sich sogar vergrößern, wenn man seiner Prognose glauben will, die er in der folgenden Grafik illustriert hat:

Hypothetisches Wachstum des kombinierten Marktanteils von Drupal und Backdrop ©Nathan Haug

Haug hat auch schon eine langfristige Planung für Backdrop vorgelegt. So will er die Frequenz der Bugfix- und Feature-Releases gegenüber Drupal erhöhen, während die API-Änderungen der Major Releases in längeren Abständen erfolgen sollen. Die Features sollen sich stets an denen von Drupal orientieren (feature-comparable). Oberste Priorität sei hierbei, Brüche in der Abwärtskompatibilität zu vermeiden.

À propos Kompatibilität: Die Backdrop-APIs sind den derzeitigen Drupal 7 APIs (erwartungsgemäß) so ähnlich, dass es für einige Entwickler einfacher sein soll, ihre derzeitigen Module dahin zu portieren, als sie auf Drupal 8 umzurüsten. Außerdem verspricht Haug, dass ein „Upgrade“ von Drupal 7 auf Backdrop in etwa den gleichen Aufwand bedeuten soll wie das auf Drupal 8. Zusätzlich seien die Kosten sowohl für die Modul-Entwicklung als auch für das Hosting geringer.

Schon heute ist Backdrop auf GitHub unter GPL v2 verfügbar. Zusätzlich wurde ein Fundraiser auf Indiegogo gestartet, mit dessen Erlös von 50.000 US-Dollar zwei Entwickler ein halbes Jahr lang in Teilzeit an dem Projekt arbeiten sollen.

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