Front-End-Performance firmeninterner Web-Applikationen verbessern

Best Practices: Web-Performance und private Firmennetzwerke
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Die Verbesserung der Web-Performance wirkt sich positiv auf die User Experience eines Internetauftritts auf und hat einen großen Einfluss auf Konversion, Umsatz und Markenimage eines Unternehmens. Doch können die Best Practices zur Optimierung der Web-Performance auch zur Leistungssteigerung von Web-Applikationen in Unternehmensnetzwerken gewinnbringend eingesetzt werden?

Auf den ersten Blick hinkt der Vergleich: Es ist nicht ganz klar, was die Best Practices einer guten Web-Performance mit der Verbesserung von Web-Applikationen in privaten Firmennetzwerken zu tun haben sollen. Innerhalb des Netzwerks eines Unternehmens spielt Konversion keine Rolle, und auch der Umsatz hängt nicht von den Besucherzahlen ab. Selbst bei einer schlechten Performance werden die Nutzer – sofern sie ihren Job behalten wollen – das Netzwerk nicht meiden.

Wird über die Verbesserung interner Netzwerke gesprochen, richtet sich die Diskussion weniger auf Konversion und Umsatz, sondern mehr auf die Steigerung von Produktivität und Nutzerzufriedenheit. Allerdings überschneiden sich beide Bereiche in einem Punkt: Was bleibt, ist die negative Auswirkung einer schlechten Performance auf das Image der eigenen Marke. Die Reputation hauseigener IT-Abteilungen steht und fällt heutzutage mit der Bereitstellung leitungsstarker Dienste und Applikationen.

Back-End oder Front-End-Optimierung?

Nicht zuletzt hat das mit den Entwicklungen im IT-Bereich zu tun. Heutzutage zeichnen sich gute IT-Leistungen durch ihre Serviceorientierung aus. Wie bei herkömmlichen Webseiten hängt auch die Bewertung hauseigener Dienste mittlerweile von den Erfahrungen der Nutzer ab. Inzwischen ist die Performance von Web-Applikationen innerhalb und außerhalb eines Unternehmens gleichgewichtig. Und warum sollte das, was für öffentliche Webseiten gilt, nicht auf für private Anwendungen nützlich sein?

Die meisten Best-Practice-Konzepte einer guten Web-Performance fokussieren sich entweder auf die Front-End- oder Back-End-Optimierung. Wie die goldene Perfomance-Regel von Steve Souders besagt, entfallen 80 Prozent der Reaktionszeiten der Endnutzer auf den Front-End-Bereich und nur 20 Prozent auf das Back-End.

Als Faustformel gilt: Sorgt man sich um die Verfügbarkeit einer Webseite, konzentriert man sich auf das Back-End. Liegt einem die Verbesserung der Ladezeiten und User Experience am Herzen, fokussiert man sich auf das Front-End.

Unterschlagen werden sollte nicht, dass die meisten Unternehmen deutlich komplexere Back-End-Prozesse besitzen als öffentliche Homepages. Trotzdem bleibt die Hauptaussage bestehen: Legt man den Fokus bei der Optimierung firmeninterner Web-Applikationen auf das Front-End, kann das zu deutlichen Performance-Verbesserungen für die Nutzer führen.

Welche Rolle spielt das Netzwerk?

Um die Performance-Engpässe bei herkömmlichen Webseiten ausfindig zu machen, wird meistens auf Analyse-Tools wie Yslow oder Pagespeed zurückgegriffen. Die Werkzeuge ermitteln ihre Daten per Analyse von Netzwerkbandbreiten und -latenzen. Hierbei werden allgemeine Annahmen über die Struktur des Netzwerkes vorausgesetzt. So ist es „common sense“, dass die Bandbreite von Websevern limitiert und ihre Latenz hoch ist. Auch kann ein Paketverlust nicht vollends vermieden werden; zudem besitzt man keine vollständige Kontrolle über oder einen kompletten Einblick in das Netz.

Für öffentliche Internetauftritte sind solche Annahmen über die Netzwerkstruktur sinnvoll – für firmeninterne Web-Applikationen nicht. Innerhalb von Unternehmen ist man nicht nur auf Webserver angewiesen. IT-Administratoren stehen noch eine Reihe weiterer Möglichkeiten zu Verfügung, um die Performance des Front-Ends zu verbessern: Load-Balancer, Proxy-Server, WAN-Optimierungscontroller, Applications-Delivery-Controller, Authentifizierungsserver, private Netzwerkverbindungen, VPNs, QoS-Richtlinen, etc.

Front-End-Optimierung öffentlicher und privater Applikationen

Öffentliche und private Web-Anwendungen unterscheiden sich aufgrund ihrer verschiedenartigen Netzwerkstrukturen voneinander. Als Administrator hat man innerhalb eines privaten Netzwerks erfahrungsgemäß mehr Einblick und Kontrolle über das Verhalten der User, die verwendeten Geräte und die benötigten Berechtigungen. Bei öffentlichen Webseiten müssen solche Daten erst mühselig durch verschiedene Analysen und Datenerhebungen gesammelt werden.

Systemadministratoren besitzen innerhalb eines Firmennetzwerks mehr Möglichkeiten, um die Front-End-Performance von Web-Applikationen zu verbessern. Im Umkehrschluss sind sie aber auch in der Lage, mehr Schaden anzurichten, sofern sie sich nicht ausreichend mit ihrem eigenen Netzwerk auskennen. Doch trotz des Strukturunterschieds, sollte man die Vorgaben einer guten Web-Performance nicht voreilig verwerfen.

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Was tun bei eingeschränkter Bandbreite?

Aber wie genau helfen die Best Practices Administratoren dabei, die Performanz firmeninterner Netzwerke zu steigern? Zur Verbesserung der Bandbreite sollte man das User Interface von Web-Applikationen an den Vorgaben minimalistischer Designs ausrichten. Auf diese Weise werden möglichst wenige Ladekapazitäten verbraucht. Ebenfalls ist es hilfreich, die häufigsten Content-Fehler zu vermeiden und auch das Browser-Caching im Auge zu behalten.

Was tun bei hoher Latenz?

Bei hohen Latenzen können die Methoden einer performanten Webseiten-Optimierung ebenfalls zu Rate gezogen werden. Ein User Interface, das möglichst minimalistisch gestaltet ist, reduziert die Anzahl sichtbarer Seitenelemente und führt zu weniger HTTP-Anfragen. Häufig ist auch das Nachladen zu vieler externer Dateien der Grund für lange Wartezeiten. Wie im Webdesign kann die Reduzierung und das Zusammenlegen von JavaScript-Dateien die Performance beschleunigen – immer vorausgesetzt, dass keine Abhängigkeitsprobleme entstehen.

Ein weiterer Grund für hohe Latenzen liegt in einem falschen Cache-Design. Auch hier kann man sich etablierter Webdesign-Methoden bedienen und beim Browsercaching auf Expires-Headers setzen. Stellt man das Intervall für die Abfragen entsprechend der eigenen Bedürfnisse ein, spart das insbesondere bei Bilddateien einiges an Ladezeit.

Authentifizierung und TCP-Parameter

Neben der Verbesserung des Interfaces gibt es aber auch noch andere Methoden, die man im Hinterkopf behalten sollte. So ist es ratsam, einen Blick auf das Authentifizierungsverfahren zu werfen. So schränkt die Challenge-Response-Authentifizierung von NTLM die Performance deutlich ein. Hier kann es unter Umständen sinnvoller sein, auf den Authentifizierungsdienst Kerberos zurückzugreifen.

Ebenso kann die Optimierung von TCP-Parametern zum gewünschten Erfolg führen. Wird berücksichtigt, dass Web-Applikationen in der Regel auf kurzlebige TCP-Connections setzen, kann die Performance ganz ohne direkte Veränderungen an der App verbessert werden.

Fazit

Auch wenn sich die Netzwerkvoraussetzungen von öffentlichen und privaten Web-Applikationen stark unterscheiden: Die Best Practices einer guten Webperformance lassen sich gewinnbringend auf die Optimierung der Latenz und Bandbreite von Web-Applikationen innerhalb von privaten Firmennetzwerken übertragen.

Im Unterschied zu öffentlichen Webseiten wird dadurch nicht direkt die Konversion oder der Umsatz des eigenen Produkts gesteigert. Allerdings führt die Verbesserung der Performance zu einem Anstieg der User Experience, die wiederum einen positiven Effekt auf die Produktivität und Zufriedenheit der Angestellten hat. Das führt auf lange Sicht nicht nur zu einem Anstieg der Zahlen, sondern auch zu einem wohligen Gefühl bei den Systemadministratoren.

Aufmacherbild: Colored wires via Shutterstock / Urheberrecht: Flegere

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