Wird Brendan Eich zum Problem für Mozilla?

Brendan Eich als Brandherd
Kommentare

Nachdem Brendan Eich zum CEO von Mozilla befördert wurde, mehren sich die Stimmen gegen den Erfinder von LiveScript. Die Kampagne geht sogar so weit, dass drei Mitglieder des Mozilla Bord ihren Job an den Nagel gehängt haben. Schliddert Mozilla in eine Führungskrise?

Nach der Wahl Brendan Eichs zum CEO von Mozilla haben drei Mitglieder des Mozilla Board of Directors ihre Ämter niedergelegt: Gary Kovacs, John Lilly und Ellen Siminoff. Damit entfacht der seit Jahren schwelende Unmut gegen Eich ein neues Feuer – und dieses Zeichen dürfte man so schnell nicht übersehen können.

Brendan Eich, Erfinder von LiveScript, ist in der Vergangenheit für seine Unterstützung der Proposition 8 in Kalifornien bei vielen in Ungnade gefallen. Die Proposition 8 war ein Antrag zur Änderung der Verfassung Kaliforniens. Mit diesem Volksentscheid sollte durchgesetzt werden, dass nur noch heterosexuelle Ehen anerkannt werden – was im November 2008 auch geschah. Erst zwei Jahre später wurde der Volksentscheid von einem Bundesgericht für verfassungswidrig erklärt.

Letzte Woche nun wurde Eich zum neuen CEO von Mozilla ernannt; was nicht nur innerhalb der Organisation für reichlich Unmut sorgte und auf Twitter zu organisierten Äußerungen geführt hat:

Brendan Eich, der CEO

Am Mittwoch letzter Woche wandte sich Eich mit seinem Blogpost Inclusiveness at Mozilla in seiner Rolle als CEO mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit: So wisse er durchaus, dass ihm viele User und Mitarbeiter skeptisch gegenüberstehen würden – sein oberstes Ziel sei es daher, seinen Worten Taten folgen zu lassen.

I am deeply honored and humbled by the CEO role. I’m also grateful for the messages of support. At the same time, I know there are concerns about my commitment to fostering equality and welcome for LGBT individuals at Mozilla. I hope to lay those concerns to rest, first by making a set of commitments to you. More important, I want to lay them to rest by actions and results.

Nun hat es Mozilla also mit einem CEO zu tun, der unter genauester Beobachtung steht und sich dringend wird beweisen müssen. Das sehen auch zahlreiche andere Mozillians so. So schreibt Christie Koehler, Head of Education, beispielsweise in ihrem Blogpost, dass sie zwar enttäuscht über Eichs Unterstützung der Proposition 8 sei, jedoch nie feststellen konnte, dass seine persönliche Ansichten innerhalb der Foundation für Probleme gesorgt hätten. Dafür habe er enorme Fürhungsqualitäten gezeigt: „[…] over the years I have watched Brendan be an ally in many areas and bring clarity and leadership when needed.“

Ähnlich äußert sich auch Eric Shepherd, Developer Documentation Lead, in seinem Blogpost über Brendan Eich als CEO:

[…] in the more than eight years I’ve worked at Mozilla, I’ve never known Brendan to treat anyone differently based on their gender, sexual orientation, color, religion, eye color, height, weight, or anything else (sorry for being slightly flippant there; it’s how I handle this stuff).

Sowohl Koehler als auch Shepard räumen jedoch ein, dass sie beide noch nie enger mit Eich zusammengearbeitet hätten.

Das Board of Directors

In Mozillas Board of Directors verbleiben somit drei Mitglieder: die Mozilla-Mitbegründerin Mitchell Baker, Reid Hoffmann, seines Zeichens Mitbegründer des Karrierenetworks LinkedIn, sowie die Geschäftsführerin von Spiegel Online, Katharina Borchert.

Zum Problem für Mozilla wird das indes noch nicht. Denn wie es in Artikel 4 – Board of Directors – der Satzung heißt, müssen mindestens zwei Mitglieder vorhanden sein.

Section 2. Number, Tenure and Qualifications. The number of directors that shall constitute the whole board shall be not more than seven (7) nor fewer than two (2). The exact number of directors may be fixed from time to time within such limit by a duly adopted resolution of the Board of Directors or shareholders. The exact number of directors presently authorized shall be three (3) until changed within the limits specified above by a duly adopted resolution of the Board of Directors or shareholders. Directors need not be shareholders.

Ob Eichs Berufung zum CEO nun Grund genug ist, sich von Mozilla abzuwenden, obliegt der persönlichen Entscheidung eines jeden einzelnen. Vielen Kollegen ist er einzig und allein als engagierter Kämpfer für ein offenes und freies Web bekannt, obwohl sie eigenen Bekundungen lange Zeit nichts über Eichs private Seite wussten.

Vielleicht ist es genau das, was Mozilla in der jetzigen Situation, in der Mozillas Hauptprodukt, der Firefox, immer mehr in Kritik erntet, braucht: Einen Kämpfer für das Web, der im Fokus steht. Wenn er sein Engagement in diese Richtung fortsetzt und der Foundation durch sein Auftreten und das Umsetzen seiner Ankündigungen den Rücken freihält, ist zumindest einer Sache gedient.

Aufmacherbild: Close up of human hand holding fire flame von Shutterstock / Urheberrecht: Sergey Nivens

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -