Das neue WordPress-Admin-Interface Calypso wird Open Source

Calypso – Rethink WordPress
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WordPress – oder besser dessen Codebase – genießt nicht unbedingt den besten Ruf unter Entwicklern. Doch war wäre, wenn auf einmal alles anders wäre?

Mit Calypso schreibt das WordPress-Team seine ganz eigene was-wäre-wenn-Geschichte; die erfreuen sich schließlich schon immer einer enormen Beliebtheit – zuletzt und höchst aktuell mit der Serienvariante des Romans The Man in the High Castle von Philip K. Dick. Doch was hat das mit dem beliebtesten Content-Management-System des Webs zu tun? Nun, was, wenn WordPress auf einmal moderne Technologien und Architekturen miteinander verbinden würde?

Calypso – Rethink WordPress(.com)

Die Welt entwickelt sich ohne unterlass weiter; erst recht, was den technologischen Fortschritt angeht. Und so kommt es, dass man manchmal vor der Frage steht, wie man mit einem zehn Jahre lang gewachsenen System umgehen soll. Genau hier setzt Calypso an; es schickt sich an, WordPress aus der Legacy-Hölle zu befreien. Um genauer zu sein: das Backend von WordPress.com.

Our existing codebase and workflows had served us well, but ten years of legacy was beginning to seriously hinder us from building the modern, fast, and mobile-friendly experiences that our users expect. It seemed like collaboration between developers and designers was not firing on all cylinders.

Ein Umdenken musste stattfinden, und man stellte sich im Team die Frage, wie ein WordPress aussehen würde, wenn man es heute entwickeln würde. Calypso gibt darauf einige beeindruckende Antworten.

Legacy-Hölle PHP

Der Technology-Stack ist beeindruckend. Mit Calypso verabschiedet sich WordPress.com von MySQL und PHP und setzt vollständig auf JavaScript und agiert dabei als broswerbasierter Client, der mit dem WordPress-REST-API kommuniziert. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eben jenes API, das in der kommenden WordPress-Version 4.4 eine wichtige Rolle spielen wird; viel mehr arbeite man aktuell unter Hochdruck daran, beide API-Versionen einander anzugleichen und in einem der nächsten Major-Releases eine finale Version des REST-API mit WordPress ausliefern zu können.

Das Team hinter Calypso hat bereits sehr früh auf Facebooks React und Flux gesetzt und nutzt das Framework-Bundle für das Rendering der In-House-entwickelten Single Page Application, die das WordPress-Backend ersetzt. Serverseitig nutzt es einen Node.js-Layer, der die Website initial erstellt; der Rest der Logik ist im Browser zu finden.

Das ermöglicht eine Echtzeit-Interaktion mit den Inhalten der auf WordPress.com gehosteten Seiten, wobei der Fokus vor allem auf Performance und dem Thema Responsive Web Design liegt.

Um die Entwicklung voran zu treiben, hat man sich von SVN und Trac verabschiedet und sie vollständig auf Git und GitHub ausgelagert – eine Beteiligung der Community ist eindeutig erwünscht.

Weitere Hintergründe zur Technologie und vor allem den Workflows auf GitHub will das Calypso-Team rund um Project Lead Andy Peatling nach und nach im WordPRess-Developer-Blog veröffentlichen. Erste Einblicke in die Hintergründe deuten bereits an, dass interessierten Entwicklern hier eine spannende Einblicke gewährt werden könnten.

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Was ist Calypso?

Calypso – Whats new

What’s new, Quelle: WordPress.com

Calypso ist das neue Interface für WordPress, das aktuell bei auf WordPress.com gehostete Seiten zum Einsatz kommt. Außerdem dienst es als Basis für die für den Mac erhältliche Desktop-App – die Desktop-Applikationen für Windows und Linux sollen in Kürze veröffentlicht werden. Auch selbst-gehostete WordPress-Installationen lassen sich mit Calypso verwalten; alles, was dazu nötig ist, ist ein installiertes Jetpack-Plugin.

Calypso ist jedoch nicht Teil des WordPress-Cores. Zumindest noch nicht. Laut offizieller Projekt-Website liegt es an der Community, das zu entscheiden:

We’re laying an entirely new foundation for a generation of apps and services built on WordPress — but whether the Calypso codebase eventually becomes part of core WordPress and replaces WP-Admin is up to the WordPress community.

Paradigmenwechsel

Mag man von der WordPress-Codebase halten, was man will – der Erfolg gibt dem System recht. Nicht nur, dass es 25 Prozent Marktanteil besitzt; auch die simple und elegante User Experience gibt anderen Systemen stets zu denken. Man kann sagen, was man will, aber WordPress hat zweifelsohne viel für die Entwicklung des Webs getan, wie wir es heute kennen.

Mit Calypso schickt sich das Team nun an, diese Arbeit auch in Zukunft fortzusetzen; auch wenn eine Abkehr von PHP vielen zunächst als harter Schritt erscheinen wird. Zwar ist eine vollständige Ablöse der Sprache noch Zukunftsmusik, aber es zeichnet sich ab, dass eines der größten und einflussreichsten Projekte des Webs PHP aufs Abstellgleis zu schieben droht.

Und das, wo die Veröffentlichung des wohl wichtigsten Releases in seiner 20-jährigen Geschichte gerade erst bevorsteht.

 

Aufmacherbild: Evolution of the Steel Pan Player. von Shutterstock / Urheberrecht: jorgen mcleman

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