Das Web für jeden nutzbar machen

Mozilla startet Offensive gegen Cross-Browser-Inkompatibilität
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Noch immer haben Millionen von Websites Kompatibilitätsprobleme mit einigen der großen Browser. Das führt zu einer schlechten User Experience und somit zum Absprung vieler Nutzer. Mozilla möchte gegen diese Cross-Browser-Inkompatibilität vorgehen und ruft daher die Webentwickler-Community dazu auf, das Web für jeden nutzbar zu machen.

In den letzten 20 Jahren hat sich das Web ganz schön verändert: Nicht nur die Anzahl der Websites ist von knapp einer Million auf über eine Milliarde gewachsen, auch die Nutzerzahl stieg von gerade einmal 50 Millionen Usern auf über drei Milliarden. Und die besuchen Inhalte im Web von mehr als acht Milliarden Geräten aus. Dieses explosive Wachstum macht Cross-Browser-Kompatibilität heute noch wichtiger als jemals zuvor.

Aus diesem Grund ruft Mozilla alle Webentwickler dazu auf, bei ihrer Arbeit genau daran zu denken – denn das Problem von Cross-Browser-Inkompatibilität tritt weitaus häufiger auf als gedacht. Viele Nutzer verwenden nicht denselben Browser wie der verantwortliche Webentwickler und stoßen dadurch schnell auf Schwierigkeiten. Außerdem haben unterschiedliche Nutzer auch unterschiedliche Bedürfnisse – man denke nur an sehbehinderte User. Mit der größte Fehler sei es zu denken, dass Nutzer den Browser wechseln, weil eine Seite nicht lädt. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die Website nie wieder aufgerufen wird.

Ursachen für Cross-Browser-Inkompatibilität

Aber was führt denn überhaupt zu Cross-Browser-Inkompatibilität? Zu den häufigsten Übeltätern zählen laut Mozilla etwa Entwickler, die browserspezifische Features einsetzen, um bestimmte Effekte ohne Fallbacks oder Polyfills in anderen Browsern zu erreichen. Aber auch Developer, die zu sehr auf ein einziges Toolset setzen, können Cross-Browser-Kompatibilitätsfehler übersehen.

Zudem sorgen auch Browserhersteller, die noch nicht standardisierte Features implementieren oder – im Gegenteil – zu langsam bei der Einbindung von Standards und Bug-Fixes sind, für Probleme. Auch Websites, die User Agent Sniffing einsetzen, um unterschiedlichen Content in unterschiedlichen Browsern zu liefern, sind für Cross-Browser-Inkompatibilität mitverantwortlich.

Cross-Browser-Inkompatibilität

Ursachen für Cross-Browser-Inkompatibilität, Quelle: Mozilla

Einige dieser Stolpersteine begleiten Webentwickler seit den Anfängen des Web. Doch mittlerweile gibt es einige Tipps und Tricks sowie gute Tools, die dabei helfen, Inhalte für jeden Nutzer in jedem Browser gleichermaßen ordentlich darzustellen.

Guter Content für alle Nutzer in jedem Browser

Doch wie schafft man es, gute Inhalte für alle Nutzer zu bieten – und das auch noch browserübergreifend? Dafür muss erst einmal klar sein, welche Hürden zu nehmen sind: Stichwort Browserversion. Zwar nutzen etwa 70 Prozent der Webentwickler die Desktopversion von Chrome, aber nur 57 Prozent aller User setzen den Google-Browser ein. Und nur 45 Prozent nutzen Chrome geräteübergreifend – Testen und Entwickeln nur für Chrome lässt also etwa die Hälfte der User außen vor. Zudem variiert die Browsernutzung geographisch: In Deutschland liegt Firefox vorne, während Japaner den Internet Explorer bevorzugen. Ebenfalls ist zu bedenken, dass im eigenen Browser vorhandene Features nicht zwangsläufig in anderen Browsern laufen müssen.

Darüber hinaus umfasst das Erstellen von Cross-Browser-kompatiblen Websites das Designen und Coden für ein breitgefächertes Publikum, darunter auch Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen. Funktioniert eine Website zwar in allen Browsern, aber nicht für einen Screen Reader, bleibt eine große Zielgruppe außen vor. Denn man sollte sich vor Augen halten, dass es beispielsweise allein in den USA mehr Sehbehinderte gibt als Internetnutzer in Kanada. Websites, die für Screen Reader und Hörgeschädigte optimiert sind, sind zudem auch gleichzeitig mobile- und SEO-freundlicher.

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Architektur mit JavaScript

mit Golo Roden (the native web)

JavaScript Testing in der Praxis

mit Dominik Ehrenberg (crosscan) und Sebastian Springer (MaibornWolff)

Um zu gewährleisten, dass jeder Nutzer in jedem Browser eine ansprechende Website präsentiert bekommt, sollten Developer daran denken, dass es sich bei der Webentwicklung um eine „skilled discipline, not just a menial task“ handelt. Die fertige Website ist das eigene Aushängeschild und mitverantwortlich für den eigenen Erfolg:

Writing code that stands up over time; delivering information to anyone who requests it; creating rich functionality that works for all: These are the noble goals of a great web developer.

Fazit

Was Webentwickler nicht vergessen sollten: User werden nur in den seltensten Fällen den Browser wechseln, wenn der Inhalt nicht richtig dargestellt wird. Vielmehr bekommen sie einen schlechten Eindruck und besuchen aus diesem Grund die Website nicht noch einmal. Umfrageergebnisse von Akamai zeigen, dass 22 Prozent der Nutzer in einem solchen Fall die Website sofort verlassen und nicht wieder kommen:

Broken web experiences drive users away. If half of your users are on a different browser, and you want to keep them, testing it in that browser is essential.

Damit die eigene Website von allen Browsern aus erreichbar ist, sollten Entwickler alle genannten Faktoren im Gedächtnis behalten. Bei der Umsetzung können die Dev Tools der jeweiligen Browserhersteller oder Cross-Browser-Testing-Tools helfen. Auch das Reporten von Bugs in Websites oder Browsern hilft bei der Entwicklung weiter. Im Mozilla-Entwicklerblog geben Justin Crawford, Chris Mills und Ali Spivak weitere Tipps zur Optimierung der eigenen Website(s).

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