Wie die KWP Informationssysteme GmbH ihre Kunden auch auf mobilen Geräten unterstützt

Handwerk goes Cross-Plattform
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Die Cross-Plattform-Entwicklung verspricht viele Vorteile, doch lassen sich die auch in der Praxis beobachten? Das wollten wir in einem exklusiven Interview in Erfahrung bringen.

Deswegen haben wir mit Christian Scheubeck gesprochen. Er vertritt die KWP Informationssysteme GmbH und berichtet von den Erfahrungen, die das Unternehmen mit dem Thema Cross-Plattform-Entwicklung gesammelt hat.

Entwickler Magazin: Herr Scheubeck, können Sie bitte kurz die KWP Informationssysteme GmbH vorstellen? Welche Art von Software bieten Sie Ihren Kunden an?

Christian Scheubeck: Die KWP Informationssysteme GmbH entwickelt seit über zwanzig Jahren kaufmännische Software für Handwerksbetriebe. Wir sehen uns in Deutschland als führenden Anbieter von Branchenlösungen in den Bereichen Elektro, Heizung, Klima und Sanitär. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 45 Mitarbeiter und umfasst neben dem Hauptsitz in Ergolding weitere Niederlassungen in Bottrop, Bremen, Chemnitz, Hannover und Rosenheim. Mehr als 8 000 Handwerksbetriebe zählen zu den Nutzern der kaufmännischen Softwarelösung „kwp-bnWin.net“. Als Basistechnologie verwenden wir Microsoft .NET und Microsoft SQL Server.

EM: Handwerker erbringen Ihre Dienstleistung häufig vor Ort beim Kunden. Welchen Stellenwert haben mobile Lösungen für Ihre Kunden?

Scheubeck: In der Tat wird mobiler Zugriff auf Unternehmensdaten immer wichtiger. Smartphones und Tablets sind immer häufiger Teil des Werkzeugkoffers unserer Kunden. Notebooks werden dagegen als zu schwer, zu anfällig und zu kompliziert angesehen.

EM: Die KWP bietet seit 2007 mobile Notebook-Lösungen und seit 2011 eine iPad-App für das eigene Hauptprodukt an. Welche Erfahrungen konnten Sie dadurch sammeln und welche Dinge sollten in der neuen mobilen Lösungsgeneration verbessert werden?

Scheubeck: Wir waren seinerzeit mit unserer Notebook-Software und später mit der „bnInfoCenter“-App für das iPad Vorreiter in unserer Branche und haben sehr früh Handwerkersoftware „mobil“ gemacht. Unser technologischer Ansatz war ein möglichst großer Code-Reuse vorhandener APIs und Logik.

Hier haben wir aber auch gesehen, wo die Limits von .NET-basierten Lösungen liegen und dass eine ständige Online-Verbindung auf Dauer nicht zielführend ist. Die Kunden haben schon zu dieser Zeit vereinzelt nach dem Support für weitere Plattformen und Offlinefähigkeit gefragt. Es war klar, dass es hier noch eine andere Antwort geben muss. Im Jahr 2011 gab es diese Antwort jedoch noch nicht – heute ist das anders!

EM: Für die neuen mobilen Produkte KWP info und KWP baumappe haben Sie sich für eine Cross-Plattform-Lösung entschieden. Welche Betrachtungen haben zu dieser Entscheidung geführt?

Scheubeck: Wir wollten dem Kunden die freie Gerätewahl lassen. Kunden kaufen mobile Geräte nach persönlichem Geschmack – das müssen wir als Software-Partner ernst nehmen. Gleichzeitig ist der Begriff „Applikation“ sehr fließend geworden: Installierbare Boxsoftware? App aus einem Store? App als webbasierte Lösung im Browser? Wir wollten schauen, ob wir alle diese Wege mit einem einzigen Ansatz adressieren können. Unsere Bedingung war außerdem, dass wir ein gutes UI auf jedem Device präsentieren, offline nutzbar sind und unsere App-Features auf allen Plattformen identisch ausliefern können.

Durch diese Anforderungen ist native Programmierung pro Plattform sehr früh aus dem Rennen gewesen. Der Aufwand, pro Plattform immer wieder neu programmieren zu müssen, hätte das geplante Budget gesprengt.

Im Cross-Plattform-Ansatz mit JavaScript und HTML5 haben wir dagegen einen sehr guten Weg gesehen und gefunden. Eine durchgehende Single-Code-Basis war für uns sehr verlockend!

EM: Die Abgrenzung zu nativer Entwicklung ist verständlich. Wäre aber nicht ein Cross-Plattform-Framework wie Xamarin oder Appcelerator Titanium auch eine mögliche Lösung gewesen?

Scheubeck: Das ist eine valide Frage! Insbesondere Xamarin haben wir natürlich wegen unserer Affinität zu .NET intensiv betrachtet. Aber wir wollten keine Abhängigkeit von einem Hersteller, der uns „nur“ eine Zwischenschicht bietet.

Wir wollten für ein attraktives App-Pricing keine Lizenzgebühren für eine Lösung zahlen, die wir an anderer Stelle auch als Open Source frei und mit Lizenzcode bekommen können. Und natürlich haben wir auch gesehen, dass Xamarin keine Antwort auf die Frage der Nutzbarkeit der App im Browser oder auf jedem denkbaren Desktop – also auch Linux oder Chrome OS – bietet.

Ganz am Schluss haben wir uns auch die Frage gestellt, wie wir zukünftig neue Mitarbeiter für unseren Dev-Bereich begeistern wollen. Wir glauben, dass wir durch den Einsatz eines modernen Webtechnologie-Stack als Arbeitgeber viel attraktiver wirken.

EM-Spezial: Cross-Plattform-HTML5

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Welche Power in Cross-Plattform-Entwicklung steckt, zeigen wir euch ab dem 16. September am Kiosk – in unserem Entwickler Magazin Spezial: Cross Plattform mit HTML5 und JavaScript. Auf keinen Fall verpassen!

EM: Konnte die Cross-Plattform-Lösung Ihre Erwartungen erfüllen?

Scheubeck: Die Antwort ist ein klares ja. Natürlich darf man nicht verschweigen, dass die Lernkurve steil und auch steinig war. Doch am Ende dieses Weges zu sehen, wie mit einem Build-Befehl gegen die aktuelle Codebasis nacheinander eine Weblösung, Desktop-Apps für Windows sowie Apps für iOS, Android und Windows Phone in Sekunden „ausgeworfen“ werden, ist immer wieder ein toller Moment. Wir bieten unseren Kunden damit eine superschnelle Time-to-Market für Updates und neue Features. Bugs müssen wir jetzt immer nur einmal fixen und haben Fehler dann auf allen Plattformen behoben. Und ganz wichtig: Unsere Kunden fühlen sich immer sehr gut abgeholt, weil die App jetzt für „ihr“ vorhandenes Gerät zur Verfügung steht.

EM: Haben die Erfahrungen mit der plattformübergreifenden JavaScript-Programmierung Einfluss auf Ihre zukünftige Produkt-Roadmap?

Scheubeck: Auf der vorhandenen Single-Code-Basis mit umgesetzten Modulen für Authentifizierung, Lizenzmanagement, Offlinedatenhaltung und Hintergrundsynchronisation sollen definitiv weitere Apps gebaut werden. Durch den neuen Ansatz sehen wir den Begriff „App“ in unseren Planungen auch sehr viel weiter und flexibler als bisher. Wir trauen uns jetzt die Umsetzung von Ideen zu, die bisher nicht zur Diskussion gestanden hätten. Für uns ist es naheliegend, zukünftig Teile unserer Desktoplösung direkt mit dem Cross-Plattform-Ansatz basierend auf JavaScript zu entwickeln.

ScheubeckChristian Scheubeck ging 1992 nach seiner Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel und Fachausbildung zum Wirtschaftsinformatiker zur KWP Informationssysteme GmbH. Heute ist er dort Entwicklungsleiter, Prokurist und Mitinhaber.
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