Wie die virtuelle Währung das Netz in Atem hält

Der Bitcoin-Rausch
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Manch ein Hobbykeller verwandelt sich dieser Tage in eine Art Goldgräberclaim. Das Schürfen von Bitcoins scheint gerade das 3-D-Drucken in der Gunst der Nerds abzulösen. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen.

Blicken wir zunächst zurück auf die Entstehung der Zahlungsmittel. Währungen wie der Euro oder der Dollar haben zumindest historisch gesehen eine Bindung an ein bestimmtes Land oder eine Region. Der Wechselkurs entsteht anhand des Prinzips von Angebot und Nachfrage auf den internationalen Devisenmärkten. Geht es einem Land gut, werden viele ausländische Investoren hier ihr Geld anlegen, der Kurs steigt entsprechend an. Länder mit wirtschaftlichen Problemen werden abgestraft, der Rückgang der Wirtschaft treibt auch den Wechselkurs in den Keller.
Viele Staaten nutzen so genannte geldmarktpolitische Instrumentarien; letztlich wird damit der Kurs einer Währung manipuliert. Im eigenen Währungsraum kann die Geldmenge mit der Festlegung des Leitzins beeinflusst werden. Nach außen werden Staatsanleihen zur Steuerung des Wechselkurses genutzt.
Da wir uns mittlerweile in einer globalen Wirtschaft befinden, können nun die eigentlich zur Stabilisierung gedachten Instrumentarien zum Gegenteil genutzt werden. So sind viele Staaten darauf bedacht, dass sich die Wechselkurse zum eigenen Vorteil entwickeln. So ist es etwa für China gut, wenn der Yuan eher schwach im Vergleich zum Dollar steht. Die chinesischen Exporte in die USA werden damit begünstigt. So wie China durch das Horten von amerikanischen Staatsanleihen den Wechselkurs von Yuan nach Dollar beeinflusst, finden sich ähnliche Bespiele auch in allen anderen Bereichen.
Betrachten wir nur die innenpolitischen Auswirkungen einer niedrigen Leitzinspolitik, sind diese sicherlich sogar positiv. Niedrige Leitzinsen sollten zu niedrig verzinsten Verbraucher- und Unternehmenskrediten führen. Damit erhöht sich die Nachfrage im eigenen Land und die Wirtschaft sollte durchstarten können. Problematisch kann das System werden, wenn der Markt eigentlich gar kein lokaler Markt mehr ist, sondern faktisch ein globaler. Da investiert eine deutsche Bank in die lokalen Märkte der USA. Durch die hohe internationale Verflechtung können sich so kleinste Unregelmäßigkeiten zu einer globalen Krise ausweiten. Die Abhängigkeit des Geldmarkts von zentralen Stellen und die vielen kaum zu durchschauenden Manipulationen waren auch ein Grund für die Suche nach alternativen Währungen.
Blicken wir weiter zurück in der Menschheitsgeschichte, dann sehen wir nach der reinen Selbstversorgung zunächst den Übergang zum Warentausch. Auch hier haben sich dann schnell Wechselkurse etabliert. Vielleicht Kurse wie der Möhren-Kartoffel-Sack-Kurs, bei dem im gleichen Mengenverhältnis getauscht wird. Daneben entstanden dann aber auch Kurse, die die Veredelung eines Produkts inkludierten. In das Verhältnis Brot zu Mehl wird dann auch die Arbeitsleistung für die Herstellung mit eingeflossen sein.
Im Laufe der Zeit erschien es zunehmend unpraktisch, Möhren und Weizen in den Supermarkt zu schleppen und wieder hinaus. Alle entwickelten Kulturen nutzten hier dann eine Form eines Zahlungsmittels. Wobei das Zahlungsmittel als Versprechen genutzt wird, der Tauschhandel wird mit einem Ersatz abgegolten. Im Deutschen entsteht im Zusammenhang mit der Vergeltung dann der Begriff des Gelds.

Aber was ist Geld eigentlich?

Nun zunächst kennen wir alle die Urform des Zahlungsmittels in Form einer Goldmünze. Später wurden diese Münzen durch nicht edle Metalle oder auch Geldscheine abgelöst. Wobei hier zunächst galt, dass ein Staat weiterhin das Äquivalent des Papier- oder Blechgelds in Gold aufzubewahren habe. Mittlerweile sieht man dies nicht mehr so eng und weltweit liegt diese Deckung weit unter zehn Prozent der Devisen. Die Deckungsrate in den wichtigsten Industriestaaten liegt allerdings noch bei 60 bis 75 Prozent. Wobei hier immer mit Devisen das ausgegebene Bargeld definiert wird. Früher war damit dann auch die Geldmenge begrenzt, heute muss allerdings zum Bargeld noch das so genannte Buchgeld addiert werden. Das Buchgeld ist faktisch die zusätzliche Geldmenge, die sich durch elektronische Überweisungen auf den Konten der Banken befindet. Im Ursprung ja eingezahltes Bargeld, welches aber nun durch z. B. Zinserträge oder Kreditlinien den Ursprungsbetrag übersteigt. Aktuell wird der Anteil von Buchgeld an der Gesamtgeldmenge auf etwa 80 Prozent geschätzt.
Geldscheine und insbesondere Münzen, die ja ohne Seriennummern geprägt sind, besitzen faktisch eine hohe Anonymität. Für Buchgeld gilt dies nicht. Alle Banken sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Transaktionen vollständig nachvollziehbar vorzuhalten. Daneben gelten auch für die Eröffnung von Bankkonten Regelungen, die bestimmen, dass die Identität der Kontoinhaber geprüft werden muss.
Dazu gesellt sich der internationale und vor allem währungsübergreifende Handel. Damit beginnt dann auch der Handel mit dem Geld an sich.

Technische Grundlagen einer digitalen Währung

Wie könnten wir nun eine digitale Form einer Währung herstellen, die in der Lage wäre, physisches Geld (also Bargeld) zu ersetzen? Versuchen wir uns einfach mal an einem möglichen Systemdesign. Eine Zahlung wäre gleichbedeutend mit der Weitergabe einer digitalen Münze; damit müssten wir den Aufbau einer digitalen Transaktion festlegen. Wir definieren, dass eine solche Transaktion durch die Weitergabe eines digitalen Texts in einem Netzwerk zu erfolgen hat. Möchte die Benutzerin Erna nun dem Benutzer Fritz einen Betrag überweisen, dann schreibt Erna an Fritz eine Nachricht wie: „Ich, Erna, gebe Fritz hiermit eine Münze“. Dabei entstehen aber bereits eine Menge grundlegender Probleme. Zunächst entsteht das Problem, dass die gleiche digitale Münze wieder und wieder ausgegeben werden könnte. Auch ist eine solche Nachricht nicht wirklich fälschungssicher.
Betrachten wir die technologischen Anforderungen. Dabei haben wir zunächst das Teilproblem der Identität. Sprich, wir müssen sicherstellen, dass sich nicht Hugo Habicht als Erna ausgeben kann und damit Fritz eine Münze übergibt, die ihm nicht gehört. Der andere Aspekt betrifft die Sicherstellung, dass eine Transaktion nur genau einmal ausgeführt wird. Und schließlich brauchen wir noch einen Weg, um die unehrlichen Panzerknacker und Diebe auszusperren.
Als ersten Schritt führt man die Vergabe einer Seriennummer ein, die die einzelnen digitalen Münzen oder virtuellen Geldscheine eindeutig identifiziert. Wer genau diese Seriennummern zuteilt und wie sich die im Umlauf befindliche Geldmenge reguliert, lassen wir zunächst einmal außen vor. Wichtig ist, dass sich nicht jeder einfach selbst „Geld drucken“ kann, sondern die Entstehung kontrollierbar wird.
Das Problem der Identität lässt sich technisch mit einer Public-Key-Verschlüsselung lösen. Dabei wird die Nachricht mit dem privaten Schlüssel digital signiert; die Signatur und der öffentliche Schlüssel werden einfach der Nachricht hinzugefügt. Damit ist dann allerdings nur sichergestellt, dass die Nachricht vom Besitzer des privaten Schlüssels signiert wurde, aber nicht, ob diese Person wirklich diejenige ist, welche sie ausgibt zu sein. Der Besitz des Schlüssels ist aber mit dem Besitz der digitalen Münze verbunden. Auch in der Bäckerei legt niemand zum Brötchenkauf seinen Personalausweis vor.
Für die Sicherstellung der Einzigartigkeit einer Transaktion existiert eine Reihe von Möglichkeiten. Der nachliegende Weg führt in die klassische Geldwirtschaft. Hier wird eine Transaktion von einer Bank eventuell unter Zuhilfenahme weiterer Dienstleister durchgeführt und beglaubigt.
Digitale Währungen versuchen sich aus dieser Abhängigkeit von Banken und Dienstleistern zu emanzipieren. Grundprinzip ist dabei die Verteilung der Transaktionsprüfungen auf das Zahlungsnetzwerk selbst. Das Peer-to-Peer-Verfahren führt dann aber dazu, dass alle Transaktionen auf jeden Peer vorgehalten werden müssten. Und mit „alle Transaktionen“ sind wirklich alle gemeint – weltweit und seit der allerersten Transaktion. Dabei kann dann bei jeder Transaktion die komplette Historie des involvierten Gelds nachvollzogen werden. Womit dann die Legitimität einer Transaktion sichergestellt wird.

So funktioniert Bitcoin

Kommen wir zurück zu unserem eigentlichen Thema. Wie arbeitet nun konkret Bitcoin? Begrifflich müssen wir uns dabei zunächst klar werden, dass es eine Bitcoin-Münze als echte materielle Währung nicht wirklich gibt. Hier kann man zwar mittlerweile kleine runde Plastikmünzen kaufen, aber natürlich sind diese nur ein Symbol.
Es geht viel mehr um das so genannte Bitcoin-Protokoll. Dieses Protokoll definiert den Ablauf einer Transaktion und die Sicherung derselben. Der Ursprung geht auf das Posting eines Whitepapers zurück, das Ende 2008 erschienen ist. Hier stellt ein gewisser Satoshi Nakamoto das Verfahren in seinen Grundzügen vor. Am 3. Januar 2009 entsteht dann der erste so genannte Bitcoin-Genesis-Block. Tatsächlich hat niemand bisher jenen Nakamoto zu Gesicht bekommen und es ist davon auszugehen, dass es sich um ein Pseudonym handelt.
Die Basis des Bitcoin-Protokolls ist zunächst die beschriebene Nutzung eines Public-Private-Key-Verfahrens. Ein so genannter Bitcoin-Client ist ein Stück Software, das eine Reihe von Aufgaben erfüllt. Der Client stellt zum einen die „Geldbörse“ dar, in der das verfügbare Guthaben gespeichert ist. Dabei ist das Verfahren allerdings komplexer als es auf den ersten Blick scheint. Ein solches Wallet besteht rein technisch einfach aus den Schlüsselpaaren. Ein Hash des Public Keys ist dabei vergleichbar mit einer Kontonummer. Ein Client kann selbstständig und autonom beliebig viele Konten erstellen. Ein neu erstelltes Konto ist dabei zunächst leer. Bitcoin-Benutzer nutzen oft sogar viele unterschiedliche Konten; dabei geht man sogar soweit, für jede Transaktion ein neues Konto zu erstellen.
Wenn man nun Geld auf sein Konto überwiesen haben möchte, dann teilt man diese Kontonummer seinem Gegenüber mit. Dieser führt dann mit dieser Nummer als Ziel eine Transaktion aus. Der Ursprung ist entsprechend ein anderes Konto, auf dem sich ein Betrag in Bitcoins befinden muss. Dabei können auch komplexe Transaktionen mit mehreren Eingabe- bzw. Ausgabekonten genutzt werden.
Der Absender stellt nachfolgend die Transaktion dem Netzwerk zur Verfügung. Auch wir bzw. unser Bitcoin-Client erhält dann im Laufe der Zeit die Transaktion und erkennt dabei die eigene Kontonummer. Entsprechend wird dann der Betrag auf dem eigenen Konto erhöht. Später könnte dieses Konto dann der Ursprung einer anderen Transaktion sein.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass wirklich alle Clients alle Transaktionen speichern. Sobald ein Bitcoin-Client, vielleicht nach einem längeren Urlaub, wieder online geht, oder eventuell nach der ersten Installation, müssen zunächst etliche Gigabyte an Transaktionsdaten synchronisiert werden.
Letztlich ist das bisher beschriebene Verfahren nichts anderes als der reine Text aus dem Anfangsbeispiel, ergänzt um eine zusätzliche digitale Signatur. Mit der Signatur ist allerdings nur feststellbar, dass die Nachricht wirklich vom Absender stammt – abgeleitet aus dem kryptographischen Prinzip, dass sich eine mit dem Private Key verschlüsselte Nachricht nur mit dem zugehörigen Public Key entschlüsseln lässt. Die Signatur verhindert aber nicht, dass der Absender inhaltlich falsche Angaben gemacht hat. Die Kontrolle der Richtigkeit einer Transaktion muss daher auf einem anderen Weg stattfinden.
In einer klassischen Transaktion würden wir das Vertrauen in die beteiligten Banken setzen. Im Bitcoin-Protokoll gibt es eine solche Instanz bewusst nicht. Die Kontrollfunktion wird bei Bitcoin an das Peer-to-Peer-Netz delegiert. Bei dieser Prüfung wird in der verteilten und zu jeder Zeit vorhandenen globalen Transaktionshistorie eine neue Transaktion auf Plausibilität geprüft. Danach wird ein so genannter Proof-of-Work-Prozess durchgeführt. Dieser Arbeitsbeweis, der relativ lange einen Rechner oder einen Pool von Rechnern beschäftigt, soll verhindern, dass irgendjemand ein „Schattennetzwerk“ aufbaut, indem gefälschte Transaktionen innerhalb des Subnetzes gegenseitig bestätigt werden. Diese Gefahr würde immer dann bestehen, wenn es einem einzelnen Betrüger gelänge, die technologische Übermacht an Rechenkraft zu erlangen.

Aufmacherbild: Gold nuggets isolated on black background von Shutterstock / Urheberrecht: scyther5

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Vertrauen für die Fleißigen

Der Arbeitsbeweis selbst ist grundsätzlich sehr einfach. Es wird einfach der doppelte Hash eines Blocks von Transaktionen berechnet. Dabei wird der eigentlichen Nutzlast ein Zähler hinzugefügt. Das Hashing erfolgt dabei mithilfe des sha256-Algorithmus. Die Berechnung eines Hash-Codes ist sehr schnell; selbst eine herkömmliche CPU schafft dabei einige tausend Berechnungen pro Sekunde. Im Bitcoin-Protokoll wurde aber vorgeschrieben, dass die Berechnung etwa zehn Minuten dauern soll, um wirklich zu einem Arbeitsbeweis zu gelangen. Daher definiert man noch eine bestimmte Eigenschaft, die der gefundene Hash haben soll. Diese „Schwierigkeit“ ist letztlich eine bestimmte numerische Größe, die ein Hash numerisch unterschreiten soll. Die Anpassung der Schwierigkeit erfolgt dynamisch, sodass das Zehn-Minuten-Raster auf Dauer eingehalten wird. Findet nun ein Bitcoin-Client einen Hash mit der gesuchten Eigenschaft, dann darf dieser Client einen bestimmten Betrag (in Bitcoins) auf ein eigenes Konto überweisen. Faktisch fügt jeder Client diese Transaktion einfach in den Block der fremden Transaktionen mit ein. Sprich: Mit dem Finden des Hashes ist dann gleichzeitig auch die Bezahlung abgeschlossen. Damit ist dann auch das Problem gelöst, dass alle Rechner an dem gleichen Problem arbeiten. Durch die unterschiedlichen Provisionskonten unterscheiden sich auch die Grunddaten für das Hashing. Hier entstehen quasi aus dem Nichts neue Bitcoins, daher wird dieser Prozess auch als Schürfen (Mining) bezeichnet.
Zunächst betrug die Provision für das Mining eines Hashes und damit die Bestätigung der Transaktion fünfzig Bitcoins. Dabei war definiert, dass sich dieser Betrag alle vier Jahre halbiert. Dies ist Ende letzten Jahres das erste Mal passiert und wird sich solange fortsetzen bis der Betrag null ist. Damit ist dann irgendwann um 2130 Schluss mit neuen Bitcoins und auch die Geldmenge ist hierdurch genau begrenzt. Dann wird es ca. 21 Millionen volle Bitcoins geben, die dann allerdings bis zu acht Dezimalstellen haben können. Damit entstehen dann jeweils weitere 100 Millionen sog. Satoshi je Bitcoin.
Dass ein Miner sozusagen aus dem Nichts heraus Geld erzeugen kann, hat den Zweck, die Bitcoin-Schürfer für die Prüfung der Transaktionen zu entlohnen. Bis dahin sind Transaktionen letztlich kostenfrei, da die Verarbeitung durch die Mining-Provision abgegolten wird. Auf lange Sicht wird die Provision ja immer kleiner und damit werden dann auch wohl Transaktionsgebühren fällig werden. Bis zu diesem Zeitpunkt dauert es aber wohl noch einige Jahre, und solange herrscht vielleicht noch die Goldgräberstimmung.

Mal kurz Millionär werden

Vor ein paar Jahren war die Beschäftigung mit Bitcoins durchaus exotisch. Kolportiert wird das Beispiel eines norwegischen Studenten, der vor knapp vier Jahren im Rahmen seines Studiums mit der Kryptowährung in Berührung kam. Faktisch hat er damals für 27 Dollar 5 000 Bitcoins gekauft. Das Konto geriet in Vergessenheit, erst Ende letzten Jahres erinnerte sich der Student wieder daran und landete so in den weltweiten Nachrichten: Mittlerweile waren seine Bitcoins knapp eine halbe Million Euro wert.
In den Anfangszeiten hat man für die Berechnung der richtigen Hashes einfach den Bitcoin-Client selbst genutzt. Sozusagen als Goldesel ließ sich so im Hintergrund Geld schürfen. Die Website https://www.bitcoin.de ist einer der Handelsplätze, an dem sich Bitcoins in andere Währungen tauschen lassen. Hier steht der Wechselkurs bei um die 920 US-Dollar zu einem Bitcoin. Vor Kurzem lag der Kurs bereits bei weit über 1 000 Dollar. Damit wird natürlich der Betrieb eines Mining-Systems immer attraktiver. Nachdem zunächst nur CPUs eingesetzt wurden, kam hiernach der Umschwung auf die Nutzung von GPUs. Ursprünglich für die Grafikverarbeitung entwickelt, funktionieren diese auch prima als Mega-Hash-Generator. Allerdings mit dem Nachteil, dass GPUs unter Volllast durchaus mal 800 Watt ziehen können. Mittlerweile nutzt man so genannte ASICS; dabei handelt es sich um spezielle, in Hardware gegossene Hashing-Systeme, die durchaus Hash-Raten im Gigabereich produzieren, im Bezug auf den Stromverbrauch aber noch verträglich sind. Der Stromzähler wird aber trotzdem ordentlich an Umdrehungen zulegen.

Und wo ist nun der Haken?

An dieser Stelle sind Parallelen zum Goldrausch durchaus gegeben. Stellen wir uns vor, dass Sie alle zehn Minuten 25 Bitcoins als Ergebnis Ihrer Schürfbemühungen erhalten. In der Stunde also 150, oder 3 600 am Tag. Und jeder Bitcoin ist dann knapp 600 Euro wert. Und dazu brauchen Sie nur den Butterfly Super Miner für knapp 800 Euro das Stück. Kurzes Kopfrechnen, Breakeven nach zwei Stunden, Millionär zur Mittagszeit? Nur warum starren auch Sie wie gebannt auf das Plakat im Goldschürferbedarfsladen? Wahrscheinlich weil Sie wissen, dass hier viele Fakten fehlen.
Richtig wäre die Rechnung, wenn Sie den einzigen Miner auf der Welt besäßen. Die Berechnung der richtigen Signatur ist zufällig, sprich: es kann faktisch genau eine Berechnung brauchen oder unendlich viele. Die Extra „Schwierigkeit“ dient ja dann dazu, den Findungsprozess auf ca. zehn Minuten festzulegen. Alles das hier ist Wahrscheinlichkeitsrechnung; womit es dann Tschernobyl und Fukushima nicht hätte geben dürfen. Aber je schneller ein Miner wird, um so eher wird die Schwierigkeit angepasst. Ähnliches gilt dann auch für die steigende Kraft des Netzwerks. Je mehr Miner einsteigen, desto weniger wird jeder einzelne abbekommen.
Dazu kommt, dass nur wenige Miner alleine arbeiten. Viele schließen sich in Pools zusammen. Hier wird das gemeinsam erarbeitete Ergebnis im Verhältnis der eingebrachten Rechenleistung aufgeteilt.
Waren es damals die Schaufelverkäufer und Wasserlieferanten, sind es heute die Elektrizitätswerke und die Hersteller von Bitcoin Minern, die sich die Hände reiben. Und ganz nebenher gesagt – gezahlt wird hier in „echter“ Währung.

Tor, Seidenstraße und FBI

Ihren ersten großen Bekanntheitsschub hat die Bitcoin-Währung sicherlich im Zusammenhang mit der Schließung des Internetschwarzmarkts „Silk Road“ Ende 2013 erlangt. Die moderne Seidenstraße war ein Onlinemarktplatz, der nur im anonymisierten Tornetzwerk genutzt werden konnte. Hier wurde nur Bitcoin als Währung akzeptiert. Bei den auf dem Marktplatz angebotenen Waren handelt es sich offenbar mehrheitlich um Drogen und Waren, die nicht legal verkauft werden dürfen. Auf dem Markplatz wurde früher wohl auch Waffenhandel betrieben. Insbesondere deshalb fanden Ermittlungen des FBI statt, die schließlich zur Verhaftung des mutmaßlichen Systemadmins führten. Weitgehend unbekannt ist, dass auf diesem Weg das FBI Ende 2013 zum Besitzer eines der größten Bitcoin-Konten der Welt wurde; die etwa 175 000 Bitcoins entsprechen aktuell einem Gegenwert von rund 110 Millionen Euro.
Alle Nachahmer seien damit gewarnt, dass Bitcoin schließlich eine ewige Historie aller Transaktionen innewohnt. Damit kann jede Transaktion komplett nachvollzogen werden. Sobald nun ein Bitcoin in eine andere Währung getauscht wird, endet die anonyme Kette. Damit steigt dann entsprechend auch die Wahrscheinlich der Aufdeckung der vorherigen Transaktionsteilnehmer. Diesem Umstand zum Trotz ist mittlerweile die Seidenstraße 2.0 online erreichbar.

Einmal Pizza gegen Hashing

Parallel entwickelt sich auch in der Realwelt ein Trend hin zum Bitcoin. Wenn es nun langsam möglich wird, auch alltägliche Dinge mit Bitcoins zu zahlen, öffnet sich damit natürlich auch die Möglichkeit der Geldwäsche. Dies ist aber sicherlich kein Problem, welches nur durch Bitcoins entstanden ist. Denn auch in der Realwelt existieren ja schon lange gewisse Formen von alternativen Währungen. Der Klassiker sind vielleicht die Geschenkgutscheine oder auch die Getränkebons auf Veranstaltungen. Ähnliche Systeme existieren auch in der Onlinewelt, denken wir nur an die Linden-Dollars, die Währung in der Avatar-Community Second-Life. Aber allen diesen Währungen war bisher gemein, dass sie an ein Unternehmen gebunden oder von diesem kontrolliert wurden.
Hier hat Bitcoin durch seine „Selbstverwaltung“ einen gewissen Vorteil. Insbesondere im E-Commerce-Bereich sind die Virtualität und die nicht vorhandenen Transaktionsgebühren von Interesse. Vor allem dann, wenn auch die Waren virtuell sind (etwa Nutzungszeit von Onlinespielen oder auch E-Books), ergeben sich Vorteile. Sicherlich auch ein Grund, warum sich auch die großen Player im Onlinesegment für Bitcoin interessieren. Wobei ich mir bei eBay und Amazon noch nicht darüber im Klaren bin, inwieweit man sich hier nur zu Äußerungen im Sinne einer „Duldung“ hinreißen lässt, in Bezug auf eine aktive Förderung aber den Vortritt anderen lässt.
Es gibt aber durchaus auch eine Reihe von veritablen Unterstützern in der Realwelt. Bis man aber in Gastronomie nur dank eines gut gefüllten Bitcoin Wallets sattwerden kann, wird wohl noch einige Zeit vergehen. Hier taucht dann auch das Problem auf, das der Döner in den zehn Minuten bis zur Bestätigung der Transaktion nur in höchst unappetitlicher Form zurückgegeben werden könnte.
Darüber hinaus können die Kursschwankungen für Händler durchaus kritisch sein. Daher nutzen diese dann Zwischenhändler, die für einen gewissen Zeitraum einen festen Kurs garantieren. Hier entsteht dann natürlich wieder eine Gebühr, halt nur anders benannt.

Und nun, was tun?

Mittlerweile ist um das Thema „Bitcoin“ ein riesiger Hype entstanden. Neben den netzimmanenten Medien steigen aber auch die etablierten Kanäle ein. Aus der ehemals nur die Kryptografieexperten interessierenden Nischenlösung und dem Monopoly-Geld für Nerds scheint sich eine Massenbewegung zu entwickeln. Angetrieben im Wesentlichen vom Wechselkurs, der innerhalb eines Jahres fast um den Faktor 50 gestiegen ist. Bei näherer Betrachtung wird klar, dass der Ursprung der Kurssteigerungen im Wesentlichen durch den chinesischen Markt ausgelöst wurde. Zunächst war hier eine große Euphorie zu verspüren. Allerdings ist man mittlerweile schon wieder auf dem Rückzug. Ich persönlich halte sogar ein Verbot von Bitcoins in China für möglich. Dieses würde zwar dem Kurs sicherlich schaden, aber nicht das Gesamtsystem in Frage stellen.
Für den Handel entwickeln sich hingegen gerade jetzt erst wirklich nutzbare Lösungen. Hier gilt es natürlich, zunächst die noch eher komplexe Technik zu vereinfachen. Daneben existieren noch eine Menge Vorbehalte gegen Bitcoins. Zumindest setzt die Anerkennung von Bitcoins als so genannte Privatwährung in Deutschland ein Zeichen. In den Vereinigten Staaten ist man sich offenbar noch unschlüssig. Neben dem FBI als „Bitcoin-Millionär“ spielt auch die NSA indirekt eine Rolle. Der Hash-Algorithmus sha256 stammt ursprünglich aus einem NSA-Labor.
Jedem, der sich vielleicht auch nur zum Spaß einen Bitcoin (oder ein paar Satoshis) in den virtuellen Geldbeutel legen möchte, sei geraten, seine Passwörter zu schützen. Vermutlich ist eine größere Menge an Bitcoins bereits verloren, weil die Private Keys oder deren Passwörter verloren gegangen sind. Letztendlich geht es aber im Wesentlichen um den Private Key. Deshalb sind Back-ups Pflicht; mittlerweile existiert sogar die Möglichkeit, einen Key als QR Code sozusagen auf Papier zu backuppen.
Ob sich das Mining auf Dauer lohnt, kann an dieser Stelle nicht abschließend geklärt werden. Auf jeden Fall entsteht eine Art Wettrüsten um den schnellsten Miner, der dann auch der teuerste werden wird. Letztlich völlig unsinnig, da hierdurch für die Erzeugung eines Bitcoins Unmengen an Energie in Form von Rechenleistung verschwendet wird.
Anleger sollten sich darüber im Klaren sein, dass Bitcoins sicherlich hochspekulativ sind. Daher gilt es, kein Geld anzulegen, auf das man im Notfall nicht komplett verzichten kann. Ich spare selbst noch auf meinen ersten ganzen Bitcoin. Ich hatte leider damals nicht zugegriffen. In der Zeitung bin ich mittlerweile trotzdem gelandet – nur halt nicht als Bitcoin-Millionär. Aktuell überschlagen sich die Ereignisse, vielleicht wissen Sie deshalb schon mehr, wenn Sie diese Ausgabe in den Händen halten. Und damit möchte ich mich empfehlen bis zur nächsten Ausgabe.

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