Von Mensch zu Mensch statt Profi gegen Profi

Der Kampf um das Produkt: Stakeholder vs. Webdesigner?
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Die Welt des Webdesigns hat sich verändert. Ging es früher primär um ein hübsches Layout, stecken heute ganz andere Gedanken und Interessen hinter einem guten Design. Ein gutes Design ist nämlich mehr als reine Optik: Das User Interface muss eine gute Bedienbarkeit ermöglichen, die User Experience des Produkts muss angenehm gestaltet werden. Das Design entscheidet über Erfolg und Misserfolg der gesamten Website. Also mischen sich vermehrt Stakeholder in den Designprozess ein.

Das kann allerdings zu Problemen führen. Ein guter Webdesigner hat nämlich vornehmlich die Interessen der End-User im Blick und weniger Interesse daran, was das Marketing zu seinen Ideen zu sagen hat. Wie sich der Nutzer am leichtesten durch das Produkt bewegt, ist die eine Frage; wie die Firmenphilosophie am besten in eine Website einfließt, kann aber schon wieder eine ganz andere Sache sein. Nicht immer ist der Weg, der dem Designer logisch erscheint, auch der, der anderen Interessen innerhalb des Unternehmens entgegenkommt.

Kein Schwarz-Weiß-Denken

Wichtig ist dabei, dass es in den seltensten Fällen eine absolut richtige oder falsche Lösung gibt. Wird das gleiche Projekt zehn verschiedenen Webdesignern unabhängig voneinander vorgelegt, werden diese mit 20 verschiedenen Vorschlägen daherkommen. Mindestens. Insofern müssen die Ideen verschiedener Stakeholder auch nicht zwingend schlechter sein, als die des jeweiligen Designers. Eine reine Verteidigung des eigenen Designs gegenüber allen anderen Vorschlägen führt eher selten ans Ziel.

Sinnvoller ist es, sich auf einer Verhandlungsebene zu begegnen und verschiedene Ansätze gegeneinander abzuwägen. Der Webdesigner ist auf seinem Feld kompetent, die Stakeholder sind es auf ihren jeweiligen Gebieten. Auch sie wünschen sich, in ihrer Kompetenz wahrgenommen zu werden; auch sie sind am Ende einfach nur Menschen, die vor allem dann bereit zu Kompromissen sind, wenn man auch ihnen ein Stück weit entgegenkommt.

Smalltalk unter Kollegen

Ein wenig Smalltalk zu Beginn lockert jedes Gespräch auf – auch die eigene Einstellung zur Situation ist wichtig. Wer Stakeholder als Gegner betrachtet, ist weniger offen für neue Ideen als jemand, der von Anfang an eine Kooperation im Sinn hat.

Daneben kann auch eine gute Vorbereitung auf Gespräche mit Kollegen aus anderen Abteilungen helfen. Nicht jeder davon ist gänzlich ahnungslos, wenn es um Webdesign geht. Es lohnt sich also, zu Beginn nach gemeinsamen Grundlagen zu fragen. Auch sollten Designer sich darauf einstellen, dass mit Sicherheit das ein oder andere Designelement abgelehnt werden wird – was aber nicht immer in Stein gemeißelt sein muss. Wer sich von Anfang an vornimmt, an dieser Stelle erst einmal nachzufragen und Interesse an der Sichtweise seines Gegenübers mitbringt, kann das Gespräch viel aktiver selbst gestalten.

Interviews mit Stakeholdern durchführen

Im Webdesign gehört es häufig zum Standard, die Nutzer des Produkts zu interviewen, um das Design zu optimieren. Diese Technik kann auch auf den Umgang mit Stakeholdern angewendet werden. Was muss ich wissen, um die vorgeschlagenen Änderungen wirklich in ihrem Kontext zu verstehen? Welche Elemente des Designs gehören vielleicht sogar in den Aufgabenbereich anderer Abteilungen, sodass die Expertise für mich wertvoll ist? Diese Fragen sollten sich Webdesigner vor einem Gespräch mit Stakeholdern stellen. Dadurch kann die Kommunikation untereinander deutlich verbessert werden.

Eine gewisse Wertschätzung gegenüber der Kompetenz anderer Fachrichtungen hilft auch dabei, gut miteinander auszukommen. Zwar mag es erst einmal unangenehm sein zu hören, dass die eigene Arbeit aus Sicht eines Stakeholders nicht so gut gelungen ist. Wer sich aber darum bemüht, die andere Perspektive zu verstehen, entdeckt oft ganz neue Sichtweisen und stellt fest, dass dieser andere Background des Kollegen wichtig für das Projekt ist. Das sollte dann auch zurückgemeldet werden.

Agiles Arbeiten als Vorbild

Auch Ansätze aus der agilen Arbeitsweise können dabei helfen, eine bessere Kommunikation zwischen den Vertretern verschiedener Abteilungen aufzubauen. In der agilen Softwareentwicklung wird ein enger Kontakt zum Auftraggeber gepflegt, neue Ideen und Richtungsänderungen sind immer willkommen. Dabei müssen Entwickler sicherlich oft in Kauf nehmen, dass ihre eigenen Pläne nicht unbedingt den Vorstellungen des Auftraggebers entsprechen. Trotzdem funktioniert dieses Vorgehen, häufig steigert es am Ende sogar die Softwarequalität.

Eine gute Kommunikationskultur gehört hier außerdem zum Standard. Jeder tauscht sich mit jedem aus; häufig adaptieren agil arbeitende Teams auch die Grundsätze des DevOps – also der Kooperation von Software-Entwicklung und IT-Betrieb. Dass diese Ansätze vereinbar sind, zeigt gut, dass verschiedene Interessensgruppen durchaus zusammenarbeiten können. Somit könnten agil arbeitende Entwickler zum Vorbild für Webdesigner werden, die ungern mit Stakeholdern über ihre Ideen sprechen möchte.

Teambuilding mit Stakeholdern

Darüber hinaus ist auch der Teamgedanke der agilen Methodik im Kern auf alle anderen Themengebiete anwendbar. Der Mensch soll im Zentrum stehen, nicht die Technik und davon muss die Kommunikation geprägt sein. Gemeinsam auf ein Ziel hinzuarbeiten ist sinnvoller als ein von Differenzen geprägtes Miteinander.

Insofern könnte der Ansatz helfen, Stakeholder als Teammitglieder zu begreifen. Das Produkt besteht ja nicht nur aus dem Design. Natürlich müssen nun verschiedene Arten von Teams unterschieden werden. Das Design-Team wird anders zusammenarbeiten als ein Gesamtteam aus allen Stakeholdern und dem Designer zusammen. Dennoch könnte auch hier das Sinn machen, was im Kleinen hilft: Ein bisschen Teambuilding.

Ein gemeinsames Mittagessen schafft eine ganz neue Basis für die Zusammenarbeit; vielleicht bringt der Designer zum nächsten Meeting auch einfach ein paar Kekse mit? Es klingt lapidar, kann aber eine große Wirkung haben. Der Umgang miteinander wird zwar vermutlich nie so eng sein wie der von Kollegen, die tagtäglich direkt miteinander arbeiten. Trotzdem muss das nicht heißen, dass nicht auch zwischen Stakeholder und Designer eine gute Basis entstehen kann.

Aufmacherbild: Communication mapping. A group of people to communicate on the Internet via Shutterstock / Urheberrecht: Ellagrin

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