Die Bildsprache der Apps: Wie Symbole die User Experience beeinflussen
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Die Welt wächst immer weiter zusammen, das Leben wird immer stressiger. Das wirkt sich auch auf das Kaufverhalten der Konsumenten aus. Ein potentieller Kunde verbringt nicht mehr als zehn bis maximal 20 Sekunden mit der Entscheidung für oder gegen eine App.

Für Designer bedeutet das, dass sie ihre Apps optisch so einfach und intuitiv verständlich wie möglich gestalten müssen. Aber wie kann das gelingen, wenn doch sogar dasselbe Symbol in verschiedenen Ländern unterschiedliche Bedeutungen haben kann? Jenny Reeves gibt dazu einige Tipps.

Bedeutungsvielfalt

Ein Häkchen hinter einer Schulaufgabe bedeutet in Deutschland, dass die Antwort korrekt ist. In Amerika hingegen hängt die Bedeutung von der verwendeten Farbe ab – grün ist neutral, rot steht für falsch. Und in Schweden? Da sind Häkchen immer ein Symbol für falsche Antworten. Diese Vieldeutigkeit von Symbolen macht es nicht leicht, User Experience auch für komplexe Anwendungen so einfach wie möglich zu gestalten. Um sich von den zahlreichen Mitbewerbern abzuheben, braucht es außerdem eine innovative, kreative Idee. Aber wie gelingt es, das alles unter einen Hut zu bringen?

User Experience erforschen

Der erste Eindruck eines Nutzers ist entscheidend dafür, ob er einen zweiten Blick auf eine Anwendung wirft. Zu den meisten Suchanfragen liefern die Appstores dutzende von passenden Angeboten – mindestens. Wer hier Erfolg haben möchte, muss ab der ersten Sekunde überzeugen. Doch wie beurteilt man, ob der erste Eindruck gelungen ist? Der Programmierer selbst hat bis hierhin bereits so viele Stunden mit seinem Projekt verbracht, dass er kaum noch eine objektive Einschätzung abgeben kann.

Besser ist es also, die App von Außenstehenden bewerten zu lassen. Ein frischer Blick hilft, Fehler zu erkennen und einen Einblick zu bekommen, wie echte Käufer später auf die App reagieren werden. Wenn das aber nicht möglich ist, kann auch eine gezielte Analyse der Optik einer App zum Ziel führen.

Vertraute Optik

Wichtig ist dabei vor allem die Frage, was der potentielle Nutzer im Appshop und auf der Startseite der App zu sehen bekommt. Kann er alles, was er im Shop sieht, ohne weiteres auch in der App wiederfinden? Wirkt die Optik des Angebots vertraut, einfach auf den Kunden, noch bevor er die App heruntergeladen hat? Ist die Nutzerführung intuitiv und bietet schnellen Zugriff auf alle Features?

Bekannte Symbole sind ein guter Weg, um eine möglichst einfache Bedienbarkeit einer App zu gewährleisten. Ist ein Icon dem Nutzer bereits vertraut, muss er nicht erst darüber nachdenken, was er damit tun kann. Sind Menüs und Optionen logisch miteinander verknüpft, erspart das dem Nutzer die Suche nach Einstellungsmöglichkeiten. Das alles bedient die Erwartungen einer Kundschaft, die immer ungeduldiger wird und sich nur ungern auf Fremdes einlässt.

Real-Life-Vorlagen

Häufig werden Designer allerdings vom Wunsch getrieben, etwas Neues zu präsentieren um aus der Masse hervor zu stechen. Das Erfinden einer ganz eigenen Symbolsprache bietet sich hierfür allerdings weniger an, als die Übernahme von Objekten, die der Nutzer aus dem realen Leben kennt. Eine Lupe ist darum so gut als Symbol für die Suchfunktion geeignet, weil die Nutzer sie schon mit diesem Vorgang verbinden, bevor sie das Symbol erstmalig verwenden.

Designer sollten hier aber auch im Kopf behalten, dass Icons nicht grundsätzlich immer zu einer leichteren Verständlichkeit von Menüs beitragen. So ist die Nutzerführung in Microsofts Outlook erst dadurch besser geworden, dass Microsoft neben Symbolen auch Begriffe verwendete. Symbolik ist in Apps noch einmal von größerer Bedeutung als in Desktop-Anwendungen und durch ihre immer weitere Verbreitung steigt auch die Vertrautheit mit bekannten Symbolen. Bevor eine App aber mit zu vielen Symbolen versehen wird, sollte die Notwendigkeit für einzelne Icons kritisch hinterfragt werden.

Komplexes einfach halten

Dazu wird die Nutzeroberfläche als Ganzes betrachtet. Nicht jedes Symbol ist notwendig; nicht jede Option muss einzeln im Bildschirm erscheinen. Ein überfrachtetes Design wird immer unübersichtlich wirken, gerade auf den kleinen Bildschirmen. Weiß der User sofort, wo er zuerst hin muss, um die App zu nutzen oder wird er durch weitere Funktionen von den Basics abgelenkt?

Zusätzliche Optionen, die eine App von ihren Konkurrenten abheben, sollten aber natürlich trotzdem prominent platziert werden. Manchmal ist es sinnvoll, hier zu überlegen ob etwas wirklich auf die Startseite muss – aber auch anders herum zu schauen, ob die Platzierung im dritten Submenü sinnvoll ist. Zwar ist dem Programmierer bekannt, was sich dort finden wird; ob ein User aber jemals so weit in die Tiefe der Anwendung vordringen wird, darf als fraglich angesehen werden. Ob also eher ein zusätzliches Symbol oder ein weiterer Menüpunkt zur Vereinfachung beitragen, ist in vielen Fällen ein Balanceakt.

Die wohl wichtigste Frage ist aber, was der Otto-Normal-Nutzer von der App erwarten wird. Genau darauf muss das Design am Ende ausgerichtet werden. Denn das ist der entscheidende Faktor: Findet sich der Nutzer im Design sofort zurecht? Wenn das gelingt, ist der Grundstein für eine gute App gelegt.

Aufmacherbild: Concept for mobile apps via Shutterstock.com / Urheberrecht: tandaV

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