Interview mit Simon Eichenauer von Mailjet

"Die Cloud macht die Fluktuation von E-Mails effektiver"
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Transaktionsbasierte E-Mails belasten einerseits durchaus den E-Mail-Server. Viel schlimmer aber: Gerade weil heutzutage über die eigene Website so einfach große Mengen an E-Mails automatisiert versendet werden können, haben die Mailprovider entsprechend reagiert. Spam-Filter, die eigentlich ungewollte Werbung und Co. aussortieren sollen, greifen auch immer wieder bei Transaktions-Nachrichten zu und schon landet das angeforderte Passwort im Mülleimer. Darum gibt es inzwischen diverse externe Anbieter, die dafür sorgen wollen, dass Ihre Mails wirklich dort landen, wo sie hingehören. Wir haben mit Simon Eichenauer, Leiter des Bereichs Developer Relations bei Mailjet SAS in Deutschland, Österreich, Schweiz und Skandinavien, darüber gesprochen, wie Mailjet dieser Herausforderung begegnet.

PHP Magazin: Herr Eichenauer, Mailjet ist eine Cloud-basierte Infrastruktur zum Versenden von E-Mails. Wie viele aktive Sender hat Mailjet Stand heute und wie viele E-Mails werden darüber pro Woche versendet?

Simon Eichenauer: Mailjet hat weltweit rund 20.000 aktive Sender und sendet wöchentlich Millionen von E-Mails.

PHP Magazin: Welche Features stehen mir über den All-in-one-Service zur Verfügung? Und an wen richtet sich der Service hauptsächlich?

Eichenauer: Mit dem All-in-one-Service bezeichnen wir zunächst unser einfaches Management von Marketing-und Transaktions-E-Mails auf einer Plattform. Durch eine zentrale Plattform mit allen Informationen können E-Mails besser optimiert werden. So können Sender- und E-Mail-Feedback von ISPs und/oder Nutzerstatistiken zentral gesammelt werden. Zu diesen zählen bspw. Informationen bzgl. Hard Bounces/Soft Bounces, der verwendete E-Mail-Client, geographische Infos usw.. Damit haben Nutzer eine bessere Übersicht über alle Daten bezüglich der Marketing-E-Mails und Transaktions-E-Mails. Weiterhin können die Daten zur Optimierung sowie zur Verbesserung des Reputations-Managements genutzt werden: Ein effektiveres Nachverfolgen von Marketing- und Transaktions-E-Mails hilft die Zustellbarkeit zu optimieren und E-Mails im Posteingang zu platzieren. Insgesamt haben Nutzer dank der zentralen Plattform eine stark verbesserte Möglichkeit, E-Mails effizienter versenden zu können – und brauchen nur einen Login.

Mailjet ist eine europäische Firma mit lokalen Niederlassungen und EU-Fokus. Das bedeutet, wir können besser auf die lokalen ISPs eingehen, in Deutschland z.B. Web.de oder T-Online, und bieten darüber hinaus einen lokalen Support an. Wir halten uns ebenfalls strikt an die EU-Datenschutzgesetze. Wir haben ein sehr flexibles Preismodell, das sich Ihrem monatlichen E-Mail-Volumen anpasst.

PHP Magazin: Wenn wir von einer Cloud-Infrastruktur sprechen, ist das Thema Skalierung relevant: Wie bewältigt Mailjet das sicherlich immense Datenvolumen?

Eichenauer: Mailjet hat seine ganz eigene Cloud-Infrastruktur entwickelt. Sie erlaubt es uns, automatisch zusätzliche Server-Ressourcen in verschiedenen europäischen Datenzentren hinzuzufügen. Diese binden sich dann selbst in unser Backend ein und stehen quasi sofort zur Verfügung. Das Datenvolumen kann somit also auf sehr viele Server verteilt werden. Interessanterweise geht es bei uns nicht nur darum, möglichst viele E-Mails möglichst schnell zu verschicken. Vielmehr spielt auch das Throttling eine große Rolle. Je nach Reputation der einzelnen IPs schicken wir E-Mails auch absichtlich langsamer als theoretisch möglich, damit möglichst alle E-Mails in der Inbox landen.

PHP Magazin: Welches bestehende Know how konnte und wurde aus der Unternehmensgeschichte, die ja eng mit Fotolia zusammenhängt, eingebracht?

Eichenauer: Thibaud Elziere, Gründer von Fotolia, hat im Laufe seines Arbeitslebens festgestellt, dass es noch kein benutzerfreundliches E-Mail-Tool gab, das auf seine Ansprüche zugeschnitten war. Seine bisherigen Erfahrung über die vorhandenen und fehlenden E-Mail-Tools nutzte er, um sich mit den IT-Spezialisten Julien Tartarin und Wilfried Durand zusammenzusetzen und eine Cloud-E-Mail-Plattform zu konzipieren, die den Ansprüchen des heutigen Mailverkehres gerecht wird.

PHP Magazin: Was genau sind die Vorteile der Cloud-basierten Lösung? Worauf baut Mailjet auf?

Eichenauer: E-Mails stellen sehr hohe Ansprüche an die Variabilität von stationären Servern. Diese Fluktuation macht die Cloud effektiver, denn hier kann flexibel hoch und runter skaliert werden. SMTP-Server sind außerdem sehr kompliziert zu managen und nehmen sehr viel Zeit von Entwicklern in Anspruch.

PHP Magazin: Mailjet wirbt damit, seine Datenzentren ausschließlich in Deutschland und Frankreich zu haben: Was ist dort sicherer als anderswo auf der Welt? Und vor allem: Kann diese Sicherheit auch langfristig gewährleistet werden?

Eichenauer: Unser Hauptsitz befindet sich in Paris und bis heute ist keinerlei US-Firma an Mailjet beteiligt. Da sich auch unsere Datenzentren alle ausschließlich in der EU befinden, agieren wir stets nach EU-Datenschutzrichtlinien und haben mehr Möglichkeiten, die Daten unserer Nutzer zu schützen, da wir nicht vom Patriot Act betroffen sind. Der Patriot Act erlaubt US-Behörden – auch ohne richterliche Anordnung – Daten von Unternehmen einzufordern. Nach EU-Datenschutzrichtlinien können hier nur Daten eingefordert werden, die in Zusammenhang mit einem spezifischen Fall stehen und durch einen richterlichen Beschluss angeordnet wurden.

PHP Magazin: Heute sind über 90 Prozent der versendeten E-Mails Spam, entsprechend gibt es Filter, ISPs usw. – wie gewährleistet Mailjet, dass meine E-Mails ankommen? Welche Quote erfolgreicher Übermittlung kann Mailjet aufweisen?

Eichenauer: Kein E-Mail-Dienstleister dieser Welt kann garantieren, dass eine Nachricht auch in den Posteingang gelangt. Es gibt hunderte von Faktoren und hochkomplizierte Algorithmen, die dazu führen, dass E-Mails im Spam-Ordner enden. Die Algorithmen der ISPs werden kontinuierlich weiterentwickelt und bestimmen anhand von Faktoren wie z.B. der E-Mail selbst (Design und Inhalt), der Sender-Reputation, der Domain-Reputation und des Senderverhaltens (Volumen, Tempo, Häufigkeit des Sendens), ob die Nachricht als Spam eingestuft wird.

Vor gerade einmal 14 Tagen erhielt ich beispielsweise eine E-Mail von Apple, die in meinem Spam-Ordner landete, obwohl sie sogar drei der wichtigsten technischen Signaturen beinhaltete (technische Signaturen, wie SPF, DKIM und DMARC dienen dazu, eine E-Mail mit einer bestimmten Domain zu verlinken und so zu identifizieren, dass es sich um einen offiziellen Sender dieser Domain handelt). Deshalb ist es wichtig, auch bei Transaktions-E-Mails die Klick-und Öffnungsraten zu verfolgen, um Rückschlüsse daraus zu ziehen, ob die E-Mails in den Posteingang gelangt sind.

Eine genaue Quote können wir Ihnen nicht nennen, aber Nutzer, die unseren kostenlosen Service in Anspruch nehmen, können ein Maximum von 200 E-Mails pro Tag senden. Falls Sie also 1000 E-Mails versenden möchten, bräuchten sie dafür 5 Tage. Dabei führen wir Neukunden mit einem hohen E-Mail-Volumen Schritt für Schritt an ihr Zielvolumen heran. Das liegt daran, dass eine Sender-Reputation nicht von heute auf morgen aufgebaut werden kann. Wir erhöhen das E-Mail-Volumen langsam sowie basierend auf unseren Statistiken, um ihre Reputation zu schützen.

PHP Magazin: Mailjet ist entweder über SMTP Integration oder auch Plug-ins für CMS, CRM und e-Commerce möglich. Sprechen wir etwas konkreter über die Plug-in-Variante: Was genau kann man sich darunter vorstellen? Ist Contribution möglich, und wie eng wird mit Nutzern zusammengearbeitet (Feedback etc.)?

Eichenauer: Mailjet stellt Programmierungsschnittstellen (APIs) zur Verfügung, die es Entwicklern ermöglicht, Daten von Mailjet in ihr lokales System zu integrieren. Mit Hilfe unserer leistungsfähigen APIs können Nutzer ihre gesamten Mailjet-Daten in ihr Informationssystem integrieren. Sie können auf unserem System aufbauend Ihre eigenen Skripte und Anwendungen entwickeln und entsprechend Contributions tätigen. Hier beispielhaft einige APIs, die Sie bei uns verwenden können:

  • Newsletter-API: Ermöglicht es, programmatisch Newsletter und Kampagnen zu erstellen, zu verwalten und zu überwachen
  • Event-Tracking-API: Erlaubt es, Trigger für Push-Nachrichten zu erstellen und zu verwalten. Beim Eintreten von ausgewählten Events wird dann eine Benachrichtigung an die hinterlegte Callback-URL verschickt.
  • Send-API: Diese erlaubt, Tags an Transaktions-E-Mails hinzuzufügen, so dass diese zu Gruppen zusammengefasst werden können.

PHP Magazin: Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Aufmacherbild: mail cloud shape von Shutterstock / Urheberrecht:phloxii

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