Mit einem Klick ist alles weg

Die Gefahr des „Versehens-Klicks“
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Es ist der Albtraum eines jeden Computer-Nutzers: Das unbeabsichtigte Schließen eines Fensters oder Programms, ohne vorher die Arbeit gespeichert zu haben. Schon so manches Schriftstück wurde durch den „Versehens-Klick“ endgültig gelöscht. Manchmal heißt das, dass die Arbeit an der man stunden-, tage-, oder wochenlang gearbeitet hat, für immer verloren ist. Doch auch wenn keine wichtige Arbeit dem Versehens-Klick zum Opfer fällt, ist das unbeabsichtigte Ausführen eines Befehls nervig und zeitraubend. Zack Wallace hat einen Blick auf die Gründe für den Versehens-Klick geworfen. 

Wie es überhaupt zum Versehens-Klick kommt

Der Versehens-Klick kommt nicht etwa daher, dass der Nutzer nicht weiß, welcher Befehl ausgeführt werden soll. Vielmehr ist es so, dass man dieselbe Bewegung schon tausende Male ausgeführt hat, sodass sie in Fleisch und Blut übergangen ist. Das wird besonders problematisch, wenn sich das Muskelgedächtnis die falsche Bewegung gemerkt hat.

Sicher trägt der Nutzer Mitschuld am unbeabsichtigten Klick, immerhin hätte er sich zwei Sekunden Zeit nehmen können, um den Cursor richtig zu platzieren. Allerdings liegt es auch an den Entwicklern, die die Buttons und Menüführungen designen, denn wenig durchdacht ist das Platzieren von Befehlen, die fast entgegengesetzte Aktionen auslösen, schon.

Als Beispiel nennt Zack Wallace etwa, dass in Photoshop die Funktion „Exportieren“ direkt über dem Befehl „Rückgängig“ liegt. Es gibt zahlreiche andere Beispiele, wo Buttons mit gegenteiligen Funktionen zu nah beieinanderliegen und eine ungenaue Bewegung die Arbeit von Stunden zunichtemachen können.

Drop-Down-Menü GMail

Genauso nervig wie ungünstige Platzierung von Buttons ist auch das Design von manchen Drop-Down-Menüs, etwa in GMail (siehe nebenstehenden Screenshot). Obwohl genug Platz in der Menü-Bar ist, entschieden die Entwickler, zwei Optionen in einem Drop-Down-Menü zu platzieren, anstatt sie nebeneinander anzuzeigen.

 

Die Gefahr des Versehens-Klicks bannen

Was also tun, um die Gefahr des Versehens-Klicks zu minimieren? Besonders wichtig ist es für Entwickler, typische Muskelgedächtnis-Features im Hinterkopf zu behalten. Dazu gehören zum Beispiel, dass „Beenden“ in fast allen Menüs die letzte Option ist, oder dass der „About“-Dialog fast immer im Hilfe-Menü platziert ist (Ausnahmen bestätigten allerdings die Regel).

Ebenso hängt es vom präferierten Betriebssystem ab, wo die Minimieren/Maximieren/Schließen-Buttons sind – bei Windows open rechts, bei Mac oben links. Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum sich manche Nutzer auf anderen Betriebssystemen so schwer mit der Bedienung tun.

Auch die Farbe der Buttons hat Einfluss darauf, welchen Befehl die entsprechende Auswahl durchführt. So steht ein roter Button meistens dafür, dass etwas gelöscht oder eine Aktion abgebrochen wird, während ein grüner Button meistens heißt, dass mit der gewünschten Option fortgefahren werden soll.

Aus diesen Gründen lohnt sich also für Designer der Blick in die Design-Spezifikationen. Sie geben einem einen guten Überblick, worauf beim Designen geachtet werden soll, damit Nutzer nicht ständig dem Versehens-Klick erliegen und aus Frustration zu einer anderen, intuitiver zu bedienenden Anwendung wechseln.

Ziel für Entwickler: Ärgernisse ausmerzen

Was Nutzer von einer Anwendung wollen, fasst Zack Wallace so zusammen:

I don’t want to be annoyed by applications I use. I want them to work, work well, work fast, and make sense in the UI. Pretty doesn’t hurt either!

Daher müssen Ärgernisse in der Menüführung ausgemerzt werden und die Optionen, die ständig benutzt werden, einfach zu navigieren und einfach zu klicken sein. Gerade Power-Nutzer, die Stunden in einer Anwendung verbringen, haben nicht die Geduld, den Cursor millimetergenau zu platzieren, um einen Befehl auszuführen.

Für Entwickler heißt das also, sich an den Design-Spezifikationen zu orientieren. Experimente sind großartig – aber nicht auf Kosten der User Experience, wenn das Design zu Verärgerung beim Nutzer führt. Denn: nichts ist schlimmer, als der Versehens-Klick.

Aufmacherbild: keyboard oops von Shutterstock / Urheberrecht: dkART

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