Digitaler Wandel – eine Positionsbestimmung
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Die digitale Wirtschaft, kurz „d!conomy“, ist das Schwerpunktthema der CeBit 2015. Zu diesem Anlass präsentierte nun die BITKOM eine neue Studie zum Stand der Digitalisierung in deutschen Unternehmen.

Erfreulich ist, dass 73 % der befragten Unternehmen in der Digitalisierung mehr Chancen als Risiken sehen – immerhin 70 % empfinden den digitalen Wandel jedoch auch als große Herausforderung. Die vorgelegte Studie ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft, es wurden 505 Geschäftsführer und Vorstände von Unternehmen ab 20 Mitarbeitern befragt.

Die Digitalisierung wird die Wirtschaftswelt verändern. Nicht nur drängen neue Mitbewerber aus aller Welt über das Internet in die Märkte, auch Arbeitsabläufe und Produkte entwickeln sich weiter. Der digitale Wandel hat schon lange die klassischen IT-Themen verlassen – Cloud-Computing, Big Data, das Internet of Things, all das berührt immer mehr Geschäftsfelder, ermöglicht die Entwicklung gänzlich neuer Geschäftsmodelle und Produkte.

Diese Meinung vertritt auch der BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf in seinem Vortrag auf der Pressekonferenz zum Cebit-Schwerpunktthema. Die digitale Revolution kennt für Kempf keine Grenzen – sie hat sogar gerade erst begonnen.

In der d!conomy entstehen aus der Kombination der verschiedenen Technologien völlig neue Anwendungen und Geschäftsmodelle. Und das betrifft alle Branchen von A wie Aalräucherei bis zum Hersteller von Z wie Zylinderkopfdichtungen.

– Prof. Dieter Kempf

Branchenabhängige Stimmung

Die Einstellung gegenüber dieser Entwicklung variiert jedoch erheblich zwischen den einzelnen Branchen. 79 % der befragten Industrie-Unternehmen stehen der Digitalisierung grundsätzlich positiv gegenüber; im Handel äußern sich hingegen 30 % explizit ablehnend. Trotzdem stehen hier die Chancen im Vordergrund, während in der Dienstleistungsbranche ganze 19 % dazu tendieren, die Risiken des digitalen Wandels höher zu bewerten.

Auch die Größe eines Unternehmens hat einen starken Einfluss auf dessen Haltung. Je größer ein Unternehmen ist, desto leichter tut es sich laut der Studie mit dem digitalen Wandel. In Unternehmen mit 20 bis 49 Mitarbeitern findet sich die geringste Akzeptanz: Nur 56 % der Befragten dieser Gruppe bezeichnen sich selbst als aufgeschlossen.

Schwere Zeiten für den Handel

Angst um die Zukunft des eigenen Unternehmens hat insgesamt jeder fünfte und gerade der Handel sieht in dieser Hinsicht schwere Zeiten auf sich zukommen. So stimmen 96 % der befragten Unternehmen der Aussage zu, dass der Onlinehandel immer mehr stationäre Händler vom Markt drängen wird. Und auch, wenn mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, dass die Digitalisierung neue Jobs schafft – es sind immerhin 88 %, die befürchten, dass Jobs in traditionellen Branchen gefährdet sind. Hier ist auch die Politik gefragt, den Weg für innovative Ideen zu ebnen und kleine Unternehmen zu fördern.

Kostspieliger Wandel

Bei der Digitalisierung handelt es sich insgesamt um einen kostspieligen und veränderungsreichen Prozess. Auch darum sind gerade kleine Unternehmen besonders gefährdet, auf dem Weg in die digitale Zukunft unter die Räder zu kommen. Zwar gibt nur knapp  mehr ein Drittel (32 %) der Befragten an, Probleme mit der Finanzierung der Digitalisierung zu haben; etwas mehr als die Hälfte (58 %) sagt jedoch auch, dass sie viel Geld für den digitalen Wandel ausgeben.

Die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern fällt außerdem einem Großteil (70 %) der Unternehmen schwer, dafür investieren jedoch 82 % der Befragten in die Ausbildung ihrer Angestellten. Dreiviertel der Befragten gehen darüber hinaus davon aus, dass die Digitalisierung neue Unternehmensstrukturen notwendig machen wird.

Gut vorbereitet in die Zukunft

Veränderungen gehen immer  mit Unsicherheiten einher und der digitale Wandel hat gerade erst begonnen; manche Branchen wird er härter treffen als andere. Insofern sind Sorgen und Vorbehalte gegenüber der digitalen Zukunft nicht gänzlich unbegründet. Viele Ängste vor dem digitalen Wandel entstehen jedoch auch dadurch, dass deutsche Unternehmen schlecht darauf vorbereitet sind. Zwar sieht ein Großteil der befragten Unternehmen große Veränderungen des Marktes auf sich zukommen, ganze 37 % geben jedoch an, bislang gar keine Strategie für den digitalen Wandel zu haben.

Das könnte sich als Fehler erweisen. Bisher sehen nur 25 % der Befragten einen Vorteil für Mitbewerber, die frühzeitig in den digitalen Wandel investiert haben; fast die Hälfte beobachtet aber auch, dass Mitbewerber über das Internet zur Konkurrenz werden. Es ist erfreulich, dass die deutsche Wirtschaft dem digitalen Wandel gegenüber grundsätzlich positiv eingestellt ist – das alleine reicht aber noch nicht. Wenn deutsche Unternehmen nicht bald damit anfangen, ihre Kompetenzen auszubauen, machen sie sich von ausländischen Mitbewerbern abhängig und schwächen ihre eigene Position am Weltmarkt. Die Digitalisierung wartet nicht auf uns!

Aufmacherbild: Price movement via Shutterstock.com / Urheberrecht: robuart

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