Unterschiede als Bereicherung - Keynote der IPC 2015

DiversITy – für mehr Vielfalt in der IT-Branche
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In manchen Bereichen ist die IT-Branche ganz und gar nicht so dynamisch wie man vielleicht annehmen mag. Insbesondere beim Thema Diversity gibt es Nachholbedarf. Zwar entdecken einige Unternehmen derzeit „eine neue Vielfalt“ und erkennen, dass die Komplexität der sich ständig verändernden Branche geradezu nach mehr Diversity schreit.

Doch in vielen Köpfen hat sich der Diversity-Gedanke noch nicht durch- bzw. festgesetzt. Die Einsicht, dass eine einseitige Personalpolitik (wie das Einstellen von Mitarbeitern, die dem typischen Entwicklerklischee entsprechen: männlich, jung, Nerd), ein wirtschaftlicher als auch politischer Holzweg ist, setzt sich nur langsam durch.

An dieser Situation etwas zu ändern und vor allem andere zu motivieren, für mehr Diversity zu kämpfen, ist die Mission Juliette Reinders Folmer und Wouter Groenewold. In ihrer Keynote „DiversITy matters“ auf der International PHP Conference in Berlin nahmen sie die psychologischen und soziologischen Aspekte unter die Lupe, die den Weg zu mehr Diversität in der IT-Branche blockieren (Bildergalerie am Ende des Beitrags).

Unterschiede als Bereicherung

Der erste Fehler, den viele in Diskussionen über Diversity machen, ist die Begrenzung des Begriffs auf Geschlecht, Rasse oder sexueller Orientierung. Auch Aspekte wie Religion, Aussehen, Gesundheit, Lebenssituation oder Beruf gehören unter das Diversity-Dach. Denn schließlich geht es bei Diversity nicht darum, dass wir alle gleich sind (was wir nicht sind!). Es geht darum, alle gleich zu behandeln – und unsere Unterschiede als Bereicherung wahrzunehmen.

Aber welche Vorteile bietet mehr Diversity? Was bringt sie? Folmers und Groenewolds deutliche Ansage: Mehr Vielfalt geht einher mit mehr Qualität, höherer Wirtschaftlichkeit und größerem Erfolg. Und wie folgender Tweet verdeutlicht, haben Menschen mit sehr vielfältigen Hintergründen einen erheblichen Anteil an der Evolution der IT-Branche.

Vorbilder gesucht

Besonders am Herzen lag Reinders Folmer und Groenewold die Rolle bzw. die Erfahrungen, die viele Frauen heutzutage in der IT-Branche machen. Viele Frauen, so Reinders Folmer, seien zunächst  von der IT-Industrie eingeschüchtert. Warum? „Jungen Mädchen wird oftmals beigebracht, sich vor größeren Gruppen von Männern in Acht zu nehmen.“ Eine offensichtlich ernsthafte Problematik in einer Branche, die so stark von Männern dominiert wird. So sind beispielsweise einer Branchenumfrage des IT-Verbands BITKOM zufolge nur durchschnittlich 14 Prozent der in deutschen Hightech-Unternehmen angestellten Fachkräfte Frauen. Die Gründe sehen Speaker natürlich nicht in fehlender Begabung oder ähnlichem Unfug. Der Grund ist die rückständige und intolerante Einstellung der Branche selbst. Gerade in den USA stellt der fehlende Mutterschutz bzw. Mutterschaftsurlaub eine unüberwindliche Hürde dar – und nicht etwa, weil „Mathematik zu schwer ist“.  

Sprache verbindet – oder schafft Gräben

Männliche Vormachtsstellungen und Vorbehalte haben sich darüber hinaus auch in der Sprache verfestigt. Deswegen die klare Aufforderung von Reinders Folmer und Groenwold: Man sollte sensibler darauf achten, welche (An)Sprache man wählt. Und wenn man mal nicht sicher ist, ob eine Formulierung eventuell beleidigend ist? „Einfach fragen,“ rät Reinders Folmer.


Was also kann jeder von uns problemlos tun, um sich für mehr Diversity einzusetzen? „Anstatt zu versuchen, die großen Probleme zu lösen, versucht kleine Sachen zu ändern,“ mahnte Reinders Folmer das Publikum. „Das ist die Herausforderung: Die Sachen zu ändern, die jeder von uns besser machen kann!“ Bestimmte Sollvorgaben wie Frauenquoten zu machen, hält Reinders Folmer für den falschen Weg. „Statt Quoten festzulegen, sollten wir uns lieber Ziele setzen!“ Vorbildfunktion haben hier die skandinavischen Länder. So sind nirgendwo die Rechte der LBGT-Community so gestärkt wie in Dänemark und in den Niederlanden sind beispielsweise Stillräume am Arbeitsplatz gesetzlich vorgeschrieben.

Der abschließende Aufruf der Speaker richtet sich direkt ans Publikum. „Viele Menschen können sich gut selbst Gehör verschaffen bzw. ihre eigenen Interessen vertreten. Doch es gibt viele Menschen, die genau das nicht können! Diese Menschen brauchen Verbündete, die ihnen zur Seite stehen,“ appellierte Reinders Folmer. „Leiht diesen Menschen Eure Stimme, sprecht für sie, wenn ihr merkt, dass sie es selbst nicht können. Seid ihr Verbündeter!“

 

 

Aufmacherbild: Group of Clenched fist raised in air Foto (modifiziert) via Shutterstock / Urheberrecht: Kunal Mehta

 

 

 

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