Frontend lenkt Webinnovation

CMS: Der Machtwechsel vom Backend zum Frontend
Keine Kommentare

Die digitale Transformation verbreitet sich schnell und bedeutet entweder Erfolg oder Ruin für Unternehmen. Vor 50 Jahren hat ein Fortune 500-Unternehmen etwa 75 Jahre bestanden. Jetzt liegt das Durchschnittsalter von Großunternehmen bei 15 Jahren und weniger.

Erfolg oder Misserfolg kann heute von einem einzigen Social Share Ihres Kunden abhängen. Kunden, denen ein digitales Angebot missfällt, wechseln emotionslos den Anbieter. Und alles wird online verbreitet: Gutes sowie Schlechtes.

Unternehmen, die in diesem Umfeld erfolgreich bleiben, sind agil, verstehen ihre Kunden und bieten ein optimales Nutzererlebnis. Laut einem MIT Sloan Report sind diejenigen, die sich schneller an Digital anpassen, bis zu 26 Prozent profitabler als ihre Wettbewerber.

Wie kann man also den Erfolg von Unternehmen wie Amazon, Apple und Google nachahmen?

Das Wiedererwachen echter Bimodalität

Bimodale IT kann hilfreich sein. Bimodal bedeutet, zwei separate und dennoch kohärente Arbeitsmodi zu verwalten: Fokus auf Stabilität einerseits (conventional, sequential, predictability) und auf Agilität andererseits (exploratory, non-linear, speed). Der Begriff, 2014 von Gartner geprägt, wird nicht unbedingt von allen gleichsam geschätzt. Reaktionen beinhalten:

Ich vermute, die Gegner haben das “bi” in bimodal übersehen. Sie tendieren dazu, die zwei Modi als Gegensätze zu betrachten, aber neue Web-Development-Technologien helfen dabei, in beiden Modi simultan zu operieren.

Kostenlos: Das iJS React Cheat Sheet

Sie wollen mit React durchstarten?
Unser Cheatsheet zeigt Ihnen alle wichtigen Snippets auf einen Blick.
Jetzt kostenlos herunterladen!

Download for free

 

API Summit 2018

From Bad to Good – OpenID Connect/OAuth

mit Daniel Wagner (VERBUND) und Anton Kalcik (business.software.engineering)

CMS: Der Machtwechsel vom Backend zum Frontend

Aktuell vollzieht sich im Bereich der Content-Management-Systeme (CMS) eine kleine Revolution. Langsam wandert die “Macht” vom Backend zum Frontend.

Den Frontend Developer unterstützen

Viele CMS-Produkte teilen sich auch heute noch immer in zwei Lager auf: Frontend und Backend. In der klassischen Herangehensweise hätte man einen Grafiker, jemanden, der das HTML schreibt, jemanden für das CSS usw. Was im Frontend geschaffen wurde, geht dann an den Entwickler im Backend für das Templating, und danach muss wieder getestet werden. Häufig geht eine solche Aufteilung mit einer langen Freigabeschleife einher.

Java, noch immer eine der meisten genutzten Programmiersprachen, ist der treue Weggefährte für Großanwendungen und ausgereifte Technologien. Da wird Schwerstarbeit geleistet. Was wäre, wenn diese solide Infrastruktur nun mit einem agilen Frontend kombiniert werden könnte, mit einem Frontend Framework seiner Wahl?

Möglich macht dies die von API- und Standard-Frontend-Frameworks geführte neue Welt. Frontend-Entwickler kennen sich mit JavaScript aus und können Templates erstellen. Je nach Bedarf kann auch exklusiv im Frontend, ganz ohne Java, gearbeitet werden. Das beschleunigt die Entwicklung.

Hat es früher oft Wochen gedauert, um API-Integrationen verschiedener Systeme im Backend zu entwickeln, können heute Integrationen innerhalb von Minuten geschaffen werden – dank der Flexibilität und Robustheit des Web und der Zunahme von SaaS. So lassen sich beispielsweise Web Forms, Maps, Live Chat oder Kommentarfunktionen via JS Snippets oder einfach durch das Abonnieren des entsprechenden Web-Services hinzufügen.

Mit Komponenten statt Seiten arbeiten

Wer daran gewöhnt ist, mit Seiten zu arbeiten, sollte es stattdessen einmal mit Komponenten versuchen. Mit Komponenten lässt es sich leicht arbeiten: Sie sind einfach austauschbar, verschiedene Komponenten passen auf eine Seite, und sie können in einem anderen Kontext wiederverwendet werden. Werbetreibende haben so mehr Freiheit und Kontrolle darüber, wie Seiten aussehen: Komponenten können umgestellt werden, und es gibt keine Einschränkung durch vordefinierte Seiten.

Die Komponenten-zentrische Herangehensweise hilft Entwicklern und Werbetreibenden besser zusammenzuarbeiten. Komponenten sind sehr flexibel, Änderungen können leicht in jeder Phase eines Projektes gemacht werden. So können Webseiten auch schrittweise verbessert werden: Die wichtigsten Komponenten werden als erstes gebaut, neue Funktionen werden nach und nach hinzugefügt.

Komponenten in Echtzeit teilen und erstellen

Ein Beispiel: Eine Agentur setzt Frontend-Tools effektiv ein, um eine Plattform zu schaffen, bei der Front- und Backend-Entwickler am gleichen Master-File arbeiten können. Das hilft beiden Gruppen, effizienter miteinander zu kooperieren. Die Plattform gibt Entwicklern die Freiheit, zweigleisig zu arbeiten: Entweder können erst Frontend-Komponenten erstellt und diese dann in das CMS integriert werden. Oder es können erst Backend-Templates erstellt werden, welche an das Frontend-Team zum Feinschliff überreicht werden. Dadurch wird die Entwicklung stark beschleunigt, da Frontend-Teams nicht auf Änderungen oder Updates im Backend und die Integration in das CMS warten müssen.

Die Plattform löst das Problem von Dateien, die nicht übereinstimmen. Bisher war es so, dass Frontend-Entwickler selbständig “statische Prototypen” entwickelten, danach kopierten die Backend-Developer Teile davon in das Web-CMS. Da die kopierten Dateien separat und eigenständig waren, wurden neue Änderungen nicht synchronisiert. Wenn Frontend-Devs Prototypen aktualisierten, dann mussten diese Änderungen auch im CMS gemacht werden. Gleicherweise mussten Backend-Änderungen im CMS dann in den statischen Prototypen übernommen werden.

Mit der neuen Plattform benötigt man keine statischen Prototypen mehr. Jede Komponentendatei befindet sich im Frontend-Design-Prototyp und im CMS-Template – so wird alles synchronisiert, da beide Teile in einer Datei und damit leicht zu aktualisieren sind.

Frontend Bauwerkzeuge

Wenn Templates und Konfigurationen in einfachen Textdateien „leben“, können Frontend-Entwickler mit entsprechenden Lösungen mehr erreichen. Beispielsweise hat ein Entwicklerteam in Finnland mithilfe von GULP YAML-Dateien für ein CMS generiert, das aus einer bestehenden Inhouse-Library von Frontend Templates bestand. So konnten sie ihre bereits existierende Library  mit geringem Mehraufwand wiederverwenden.

Neue Frontend-Tools bedeuten auch das Ende von Team-Streitereien darüber, wem welcher Code gehört. Kollaboration wird vereinfacht, da sich alle Daten im gleichen Git-Repository befinden. So können etwa Java-Entwickler im Backend und User-Experience-Experten mit ihrem bevorzugten Text-Editor oder ihrer IDE im Frontend arbeiten. Beide Seiten arbeiten parallel und behindern sich dabei nicht. Aufgaben werden so schneller erledigt.

Headless

Das Entwicklerteam kann sofort loslegen. Wenn ein CMS Headless unterstützt, können die Frontend-Entwickler die Templating-Systeme nutzen, mit denen sie sich auskennen. So nutzt beispielsweise das Entwicklerteam einer großen britischen Handelskette React Templating, um bestehende Toolsets, Best Practices und die bereits existierende Library von Templates wiederzuverwenden.

Continuous Delivery und Wiederholungsschleifen

Bei großen Projekten kommt es oft erst in der finalen Testphase zur Erkenntnis, dass etwas fehlt – und dann muss man wieder von vorne anfangen. Dies kann verhindert werden, wenn Komponenten während des Projekts stetig getestet, überprüft und akzeptiert werden, anstatt mit dem Testen bis zum Ende zu warten. Diese Vorgehensweise ist effizienter. Komponenten können so bis kurz vor dem Projekt-Launch angepasst werden.

Zum Scheitern verurteilt?

Unternehmen wollen, dass Webseiten innerhalb kurzer Zeit live gehen. Noch wichtiger als der anfängliche Launch ist es, schnell neue Funktionen zu bestehenden Seiten hinzufügen zu können. Die bimodale Herangehensweise beim CMS bedeutet, einerseits in die bestehende Unternehmenstechnologie und andererseits in Schnelligkeit und Agilität einzugreifen. Stellt man sicher, dass das CMS-Backend robust und stabil ist, kann man sich im Frontend nach Belieben austoben.

Eine Warnung: Bimodal ist keine Garantie für den Erfolg. Gartner sagt, dass im Jahr 2017 etwa 75 Prozent der IT-Unternehmen eine bimodale Arbeitsweise pflegten, aber nur die Hälfte von ihnen damit erfolgreich war. Innovativ zu sein bedeutet, Ideen zu haben, zu experimentieren und Risiken einzugehen.

Die im Trend liegenden CMS-Frontend-Tools ermöglichen es, dass schneller getestet werden kann – von der Idee zum Resultat. So werden auch Fehler schneller erkannt und die damit verbundenen Kosten reduziert. Schnelligkeit ist der Trumpf im Rennen um die nächste große Neuheit.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -