Das Graphics Interchange Format lebt!

GIFs sind so Neunziger! Oder doch nicht?
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GIFs sind Relikte aus den Anfängen des Internetzeitalters und in ihren Einsatzmöglichkeiten limitiert – so sind etwa nur 256 Farben darstellbar. Das ist jedenfalls die landläufige Meinung. Allerdings hat das Grafikformat noch nicht ausgedient, denn gerade GIFs bieten sich an, um Animationen auf Websites darzustellen.

Die Gründe, die für das Graphics Interchange Format, kurz GIF, sprechen, sind einfach: GIFs lassen sich mit fast jedem Build-Tool erstellen, werden von jedem Betriebssystem und Browser unterstützt und sind auf allen Websites einsetzbar, ohne die Ladezeit zu sehr zu verlängern.

Gerade der letzte Punkt ist entscheidend: Denn mittlerweile hat die Durchschnittswebsite eine Größe von 2 MB überschritten – zwei Drittel davon machen Bilder aus. Die optimale Größe einer Site sollte laut Experten bestenfalls 1 MB nicht überschreiten – und wie könnte das unter anderem erreicht werden? Richtig, mit GIFs!

GIF – Alive and well

2012 konnte das GIF-Format seinen 25. Geburtstag feiern und erlebte vor allem durch tumblr und 4chan ein Revival. Mittlerweile spielen GIFs, die übrigens eine maximale Größe von 65.535 × 65.535 Pixeln haben dürfen, als Teil des Webdesigns aber kaum mehr eine Rolle. Wie Felix Mütze auf seinem Blog metagif schreibt, steht die Animation als technische Eigenschaft nicht länger im Vordergrund, sondern als Erscheinungsbild eines Unterhaltungsmediums. Somit dienen GIFs nicht mehr zur Untermalung von Inhalten – indem sie als Begleiter eines Textes oder als Teil der Seitengestaltung fungieren – sondern haben sich emanzipiert und werden als erzählerisches Medium genutzt:

Bekanntes Star-Trek-Meme „annoyed“ (http://gph.to/1U6i8Dw).

Oftmals werden GIFs aber aus genau diesem Grund ignoriert – denn sie werden mit unseriösen oder witzigen Dingen wie dem oben zu sehenden Meme assoziiert. Animierte GIFs bieten aber vor allem in der bildlichen Datendarstellung eine solide Alternative zu beispielsweise Flash. Auch für die Visualisierung von Bildern mit wenig Farben oder Transparenzen eignet sich GIF.

Eine Lanze für die Verwendung von GIFs bricht auch Tim Brock im Beitrag „Don’t Dismiss the GIF“: Mit GIFs können abstrakte Probleme und Wahrscheinlichkeiten verdeutlicht werden und genauso wird die Darstellung von Prozessen und Zyklen erleichtert. Besonders für Balken- und Liniendiagramme seien GIFs dienlich, denn mit dem animierten Teil des GIFs lassen sich Daten ganz einfach aufbereiten.

https://www.propublica.org/nerds/item/on-repeat-how-to-use-loops-to-explain-anything

Darstellung des Bevölkerungswachstums als GIF (http://bit.ly/1fGPOIx).

Hiermit können Veränderungen über längere Zeit dargestellt werden. Möchte man beispielsweise das Wachstum der Weltbevölkerung in einzelnen Ländern über einen bestimmten Zeitraum zeigen, eignet sich ein animiertes Histogramm. Zwar können solche Werte etwa auch in Kurvendiagrammen dargestellt werden, allerdings weisen GIFs eine klarere Struktur auf, die es dem User ermöglicht, die nötigen Informationen schneller zu filtern.

Don’t dismiss the GIF

GIFs haben aber natürlich nicht nur Vorteile: Aufgrund der eingeschränkten Farbpalette von 256 Farben eignet sich das Format nicht für Fotos, Audio lässt sich nicht integrieren und die Animationen lassen sich weder pausieren noch spulen. Dennoch scheinen diese Nachteile als Rahmenbedingungen anerkannt worden zu sein – teilweise werden sie sogar als prägende Merkmale des Mediums verstanden.

Zu ihrer Wirksamkeit trägt laut Lena Groeger bei, dass sich die ständigen Wiederholungen (Loops) im Gehirn einprägen – derselbe Effekt tritt bei Liedern auf. Betrachtet man außerdem ein GIF immer wieder, fixiert man sich auf unterschiedliche Teile des Bildes und bemerkt neue Dinge: Durch Wiederholungen fallen Unterschiede und Veränderungen auf. Ein weiterer Effekt, der durch den Ohrwurm-Faktor bekannt ist, ist die Memorization: Hört man dasselbe Lied immer wieder, bleibt dieses irgendwann im Gedächtnis verankert.

https://www.propublica.org/nerds/item/on-repeat-how-to-use-loops-to-explain-anything

Ohrwurm-Phänomen (http://bit.ly/1MbjGHu).

Das gleiche lässt sich durch wiederholtes Ansehen von Bildern erreichen – je verrückter, desto besser (Quelle: http://tcat.tc/1gMsvuM):

Fazit

Um auf die eingangs formulierte Aussage „GIFs sind so Neunziger“ zurückzukommen: Wie man sieht, ist das so nicht ganz richtig. Natürlich sind GIFs in ihrer Anwendungsweise beschränkt, werden aber auch heute noch als Unterhaltungsmedium verwendet, um etwa Gefühle in einem Bild auszudrücken. Auch für die Darstellung von komplexeren Diagrammen ist dieses Format geeignet, da durch die Loops die zu vermittelnden Informationen besser im Gehirn gespeichert werden. Bedenkt man dazu noch, dass sich Websites immer weiter aufblähen und zu einem Großteil Bilddateien daran Schuld sind, sollte man dem guten alten GIF durchaus  Aufmerksamkeit schenken, denn oftmals stellt es sich als keine schlechte Wahl heraus.

 
Aufmacherbild: Scary hand emerging from the ground von Shutterstock / Urheberrecht: Genova
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