Google Fonts – Warum ein Technikunternehmen im Schriftartenmarkt unterwegs ist
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Mit seinen zahlreichen Services trägt Google einen immensen Anteil an der Welt des Internets wie wir sie heute kennen. Viele der Dienste sind aus der täglichen Nutzung kaum noch wegzudenken – dazu gehört zum Beispiel auch das in 2010 gelaunchte Google Fonts. Seitdem ist es bei Webdesignern ein überaus beliebter Service, immerhin fallen keine monatlichen Gebühren an und die Nutzung ist denkbar einfach.

Trotzdem stellt sich die Frage, warum Google auf dem Schriftarten-Markt mitmischt und was passieren würde, wenn der Dienst von heute auf morgen eingestellt würde. Jeremiah Shoaf nennt in einem Blogpost einige Gründe, warum Google nach wie vor auf Google Fonts setzt.

Warum Google Google Fonts am Leben erhält

In den vergangenen Jahren haben so einige Google Dienste bereits ihr Ende auf dem Google-Friedhof gefunden, ohne, dass es viel Vorwarnung über ihre Einstellung gegeben hätte. Dabei waren es nicht nur wenig genutzte Services, auch beliebte Dienste wie der Google Reader fanden ein eher unrühmliches Ende.

Bei anderen Diensten wie Google Fonts stellt sich da schon die Frage, was Google eigentlich davon hat, den Service am Leben zu erhalten – immerhin dürfte das Anbieten der Schriftarten auch signifikante Kosten verursachen. Insbesondere im Vergleich zu den Kosten die Dienste wie YouTube und Google Maps produzieren, dürfte ins Gewicht fallen, dass Google Fonts nicht durch Werbung monetarisiert wird. Dazu kommen die Kosten für die Wartung des Projekts.

Warum ist Google also in das Geschäft mit den Schriftarten eingestiegen? Jeremiah Shoaf nennt dafür vier mögliche Gründe. Dazu zählt einerseits, dass Text anstelle von Bildern die Google-Suche positiv beeinflusst, da Content nicht indexiert werden kann, wenn er innerhalb eines Bildes versteckt ist. Seit dem Aufkommen von Web-Fonts verwenden Webdesigner eher Text als Bilder, und Google Fonts dürfte durch das zur Verfügung stellen von Open-Source-Fonts deutlich zu dieser Entwicklung beigetragen haben.

Andererseits nutzt Google Schriftarten aus Google Fonts in anderen Projekten. So befinden sich die verwendeten Fonts bereits im Cache wenn ein Google-Nutzer eine andere Website, die eine Google-Fonts-Schriftart verwendet, besucht; die Seite kann so schneller geladen werden. Google setzt also darauf, dass mehr Webmaster Google Fonts und damit das Google Fonts API nutzen und so die Download-Anzahl der Schriftarten durch Cross-Site-Caching reduzieren, wodurch Nutzer durch kürzere Ladezeiten eine bessere User Experience erfahren.

Ein weiterer Grund ist das Sammeln von Daten, denn Google bekommt durch Millionen Websites, die Google Fonts nutzen Zugang zu einer Unmenge an zusätzlichen Daten. Schriftarten sind nur ein weiterer Faktor, um Informationen über User und Metadaten zu sammeln und diese anschließend zum Beispiel in Werbung zu verwenden.

Zudem kann angenommen werden, dass Open-Source-Web-Fonts, die auf Millionen Websites verwendet werden, mehr Einkünfte für Google generieren – immerhin verdient Google am meisten durch Werbung und die wird häufiger geklickt, wenn mehr Menschen Google nutzen. Google Fonts ist damit also nur Teil eines Kreislaufs, um das Web „besser“ zu machen und so mehr Menschen zur Nutzung von Google zu animieren.

Bricht das Internet ohne Google Fonts zusammen?

In der Vergangenheit wurde man schon häufig Zeuge, wie Google ein Projekt von heute auf morgen eingestellt hat, weil es nicht mehr zum Geschäftsziel gepasst hat. Angesicht der Tatsache, wie weit verbreitet Google Fonts sind, stellt sich die Frage, ob das Internet zusammenbräche, wenn der Dienst eingestellt würde.

Tatsächlich würde eine Einstellung des Dienstes aber für den Ottonormal-Internet-Nutzer nur wenig Unterschied machen. Einerseits, weil die Seiten trotzdem noch funktionieren, nur eben mit Standard-Fonts wie Arial oder Times New Roman, andererseits, weil die Open-Source-Fonts einfach andernorts gehostet würden.

Kein Grund zur Sorge also, sollte der Tag kommen, an dem Google Web Fonts eingestellt wird – wie Jeremiah Shoaf sagt:

The Web has worked just fine without web fonts since it was invented in 1989 and would continue to work just fine without them going forward.

Aufmacherbild: Letters abstract decorative doodles seamless pattern. Hand-Drawn Vector Illustration von Shutterstock / Urheberrecht: balabolka

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