Grundlagen des Neuro Web Design
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Im Grunde ist es unerheblich, zu welchem Zweck eine Webseite eingerichtet wurde, allen gemein ist zumindest eines: Sie wollen möglichst hohe Zugriffszahlen erreichen, um ihre Botschaft oder ihre Produkte

Im Grunde ist es unerheblich, zu welchem Zweck eine Webseite eingerichtet wurde, allen gemein ist zumindest eines: Sie wollen möglichst hohe Zugriffszahlen erreichen, um ihre Botschaft oder ihre Produkte unters Volk zu bringen. Insbesondere kommerzielle Webseiten profitieren von einer großen Reichweite: Mehr Besucher bedeuten mehr potentielle zahlende Kunden. Doch wie muss eine Webseite gestaltet sein, um dieses Ziel zu erreichen?

Neuro Web Design

Eine relativ neue, doch zunehmend an Bedeutung gewinnende Designphilosophie ist das Neuro Web Design, das aus Erkenntnissen der Motivationsforschung, der Neurowissenschaft und der Forschung zur Entscheidungsfindung abgeleitete Methoden miteinander verknüpft.

Die Bloggerin Annarita Tranfici hat das Thema genauer unter die Lupe genommen und erläutert neurologisches Grundlagenwissen, das – wie so oft bei Erkenntnissen der Hirnforschung – für die für die meisten Menschen wohl recht unangenehm sein dürfte, kratzt es doch gehörig am Selbstbild des rationalen, überlegenden und freien Individuums.

Unbewusste Entscheidungen, Abhängigkeit von Anderen und Entscheidungsschwierigkeiten

So sind beispielsweise die meisten Menschen felsenfest davon überzeugt, dass ihre Entscheidungen die Folge eines bewussten Prozesses des Nachdenkens und Abwägens sind; tatsächlich werden viele, wenn nicht gar die meisten Entscheidungen jedoch unbewusst auf Grundlage früherer Erfahrungen, positiver wie negativer Assoziationen o.ä. gefällt.

Unbewusst ist ebenfalls der Grad der Abhängigkeit von Anderen, wenn es um die Entscheidungsfindung geht: Seien es Kundenbewertungen und Kaufempfehlungen bei Amazon oder das nächste Video auf YouTube, das wir anklicken: In den meisten Fällen orientieren wir uns bei unseren Entscheidungen an den Erfahrungen und Vorlieben anderer Menschen.

Ein weiterer Punkt, der zunächst kontraintuitiv erscheint, ist insbesondere für Online-Shops interessant: So glauben die meisten Menschen, dass sie eine möglichst große Produktpalette mit zahlreichen alternativen Auswahlmöglichkeiten haben möchten. Untersuchungen zeigten jedoch, dass im Grunde das Gegenteil der Fall ist: Je mehr Alternativen zur Wahl stehen, desto größer wird die Unsicherheit; die (Kauf-)Entscheidung wird dadurch deutlich erschwert. Dies kann so weit gehen, dass der Kunde sich dafür entscheidet, keines der angeboteten Produkte zu erwerben und den Kaufvorgang abzubrechen. Weniger ist in diesem Falle also mehr.

Folgen der menschlichen Hirnstruktur

Der letzte Aspekt betrifft die menschliche Gehirnstruktur: So regeln die entwicklungsgeschichtlich ältesten Hirnareale grundlegende Bedürfnisse wie Nahrungsaufnahme oder Sexualität, die mittleren Hirnareale sind für die Emotionen zuständig und den jüngsten Teilen der „grauen Materie“ schließlich entstammen die höheren kognitiven Funktionen.

Daraus kann man ableiten, dass der Erfolg einer Webseite davon abhängt, wie gut die entsprechenden Hirnregionen angesprochen werden. Die Werbung in den analogen Medien führt bereits seit Jahrzehnten vor, wie dies im Einzelfall aussehen kan. Will man Aufmerksamkeit erregen bietet es sich beispielsweise an, zunächst den ältesten Hirnteil anzuregen, z.B. durch sexuell aufgeladene Stimuli, Bilder von Nahrung oder direkte, persönliche Ansprache („DU!“). Um die emotionale Ebene des Menschen anzusprechen, muss man schon etwas raffinierter vorgehen; als häufig eingesetztes Mittel sei hier beispielsweise der Einsatz von prominenten Persönlichkeiten in der Werbung genannt: Die positiven Gefühle, die dem Werbeträger entgegengebracht werden steigern quasi automatisch die Attraktivität des beworbenen Produkts. Will man schließlich die am weitesten entwickelten Hirnregionen ansprechen fährt man mit einer klaren, faktenbasierten Strategie am besten.

Man kann sehen: Der Mensch ist – wenn überhaupt – nur in den seltensten Fällen der vollständige Herr über sein eigenes Oberstübchen. Entsprechendes Hintergrundwissen vorausgesetzt, kann dieser Umstand in handfeste, auch monetäre, Vorteile umgesetzt werden.

Aufmacherbild: Brain triangle background von Shutterstock / Urheberrecht: Omelchenko

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