Smart TV und Co können zum Surfen geeignet sein – wenn man es richtig macht

Internet auf dem Smart TV?
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Sind alle internetfähigen Devices gleich? Wird ein Smart TV genau so umfangreich genutzt wie ein Smartphone? Oder ein Wearable wie ein Tablet? Die intuitive Antwort lautet ganz klar nein – und doch sollte man vorsichtig damit sein, solche Einschätzung auf die Zukunft zu übertragen. Immerhin hätte früher auch niemand geglaubt, dass das Smartphone mal genau so verwendet werden würde wie ein Desktop-PC. Das Potenzial für Smart TV und Co ist also da – um es aber voll nutzen zu können, müssen Entwickler und Webdesigner umdenken.

Smart TVs sind populär, das ist keine Frage. Ihren Funktionsumfang nutzt aber am Ende kaum ein Nutzer wirklich aus. Es geht beim Kauf noch immer mehr um das gute TV-Bild und die Möglichkeit, einzelne Apps zu nutzen. Fragen nach dem User-Interface oder Speicherplatz des TV-Geräts sind immer noch zweitrangig. Dabei wären es genau diese Dinge, die das eigentlich smarte am Smart TV ausmachen. Interesse daran hat der Nutzer aber bislang kaum.

Zukunftschancen für den Smart TV

Das muss allerdings nicht so bleiben. Zurzeit nehmen Smart TVs zwar noch eine Randposition neben anderen Devices ein, aber auch der Siegeszug des Smartphones fand nicht von heute auf morgen statt. Das heute unverzichtbare Gerät musste sich zuerst dem Kundenwunsch anpassen – gute Bedienbarkeit, eine große App-Auswahl, eine Anpassung von Webinhalten auf das Netz. Ohne all diese Entwicklungsschritte wäre das Smartphone heute nicht da, wo es ist.

Eine solche Entwicklung könnten auch andere Devices noch erleben. Zwar ist heute das Surfen im Web mit dem Smart TV keine sehr beliebte Option; die Nutzererfahrung ist allerdings auch noch meist eher schlecht. Lange Ladezeite, eine nicht optimierte Darstellung. All das erinnert an die Anfangszeiten des mobilen Internets. Die Idee, dass Smart TVs einfach nicht das richtige Device sind um das Web zu nutzen, könnte sich also als genau so falsch erweisen wie die gleiche Überzeugung bezüglich der Smartphones.

Device-spezifische Entwicklung

Trotzdem ist Device natürlich nicht gleich Device. Eine reine Adaption vorhandener Apps und Inhalte auf den größeren Bildschirm des TV-Geräts wird nicht reichen, um das Internet auch auf dem Fernseher zum Erfolg zu führen. Entwickler müssen sich immer an der jeweiligen Nutzungssituation und den Möglichkeiten des Geräts orientieren. Genau so, wie es eigene Designstandards für mobile Apps gibt, gibt es auch Regeln, die für das Design auf großen oder noch kleineren Bildschirmen bedacht werden sollten.

1. Abstand zum Device

Egal, wie smart ein Fernseher ist, am Ende bleibt er ein Fernseher. Der Nutzer sitzt nicht direkt davor, sondern ist normalerweise mehrere Meter vom Gerät entfernt. Lange Texte in kleiner Schrift sind darum keine gute Idee, auch Buttons müssen groß genug und klar von einander zu unterschieden sein, egal ob in Apps oder auf Websites. Eingabeaufforderungen sollten aufgrund der bislang eher schlechten Bedienbarkeit auf ein Mindestmaß eingeschränkt werden – auch deshalb, weil die Schriftgröße gut gewählt sein muss, damit der Nutzer seine Eingabe auch noch lesen kann.

2. Vorteile statt Nachteile

Natürlich sind Social-Media-Apps beliebt – aber auch etwas privates. Wer möchte schon, wenn der Nachbar durchs Fenster die eigene Facebook-Timeline mitlesen kann? Zwar spricht nichts dagegen, dass schlussendlich auch Facebook und Twitter auf dem Smart TV genutzt werden; interessant sind für viele User aber vermutlich erst einmal vor allem andere Apps. Immerhin kann Facebook auch bequem auf dem Smartphone geöffnet werden. Eine sehr detaillierte Spielegrafik könnte aber dazu verführen, Spiele doch eher auf dem TV-Gerät zu spielen als auf dem kleinen Tablet.

3. Die Bedienung

Smartphone-Spiele werden ganz selbstverständlich per Touch-Funktion gesteuert. Eine so bequeme Steuerung steht für Smart TVs noch nicht zur Verfügung. Es scheint aber Standard zu werden, Apps auf dem TV-Gerät mit dem D-Pad, also den in vier Richtungen angeordneten Tasten der Fernbedienung, zu steuern. Diesem Standard sollten sich Entwickler anpassen – je bequemer die Steuerung wird, desto weniger Aufwand bedeutet es für den Nutzer, eine App zu verwenden.

4. Integration

Das Smartphone sticht den Fernseher aus, wenn es um die Internetnutzung auf der Couch geht. Hier bietet es sich an, den Nutzer genau dort abzuholen – Apps, die Smartphone oder Tablet und TV vereinen, machen die smarten Funktionen des Fernsehers attraktiver. Auch Split-Screen-Lösungen könnten sich hier bewähren. Einer der größten Vorteile der Internetnutzung auf der Couch per Handy ist ja, dass der Fernseher weiterhin zu seinem eigentlichen Zweck genutzt werden kann. Apps, die das ermöglichen, könnten die Usability massiv erhöhen.

5. Angemessenes App-Verhalten

Da spielt man gerade so schön, aber die Tagesschau fängt an… verdammt! Apps für den Fernseher müssen einen schnellen, nachteilsfreien Wechsel zwischen den verschiedenen Funktionen des Geräts unterstützen.

Und darüber hinaus?

Eigentlich geht es bei der Frage des Nutzungsumfangs aber nicht nur um Smart TVs. Auch Smartwatches haben immer noch einen Sonderstatus innerhalb der Gruppe der internetfähigen Devices. Auch ihnen wird keine Nutzung in einem Umfang wie beim Smartphone zugetraut. Aber auch hier gilt das gleiche wie beim Smart TV: Das Potenzial ist eigentlich unendlich. Wenn auch heute noch keine umfassende Internetnutzung damit stattfindet, heißt das nicht, dass sich das nicht in den nächsten Jahren noch einmal verändern wird.

Was für Smart TVs gilt, lässt sich dabei weitestgehend auch auf das andere Ende der Geräteskala übertragen. Zwar dürfen Bedienelemente auf den sehr kleinen Screens nicht zu groß sein; zu kleine Buttons schränken die Bedienbarkeit aber auch ein. Und auch die Smartwatch muss sich situativ anpassen – Notifications sind zwar eine tolle Sache, zu viele davon stören allerdings auch wieder. Und während Facebook vielleicht zu privat für das TV-Gerät ist, ist die gute Einbindung von Social Media-Features auf der Smartwatch Pflicht.

Vielfalt als Chance

Die aktuelle Device-Vielfalt verleitet dazu, bestimmte Geräte aufgrund ihrer derzeitigen Nutzung oder ihrer Funktionalität aus der Entwicklung auszuschließen. Immerhin sind die Nutzer mit Apps und Webinhalten auf Smartphones und Tablets ja gut bedient. Im Endeffekt eröffnen sich mit Smart TVs und Wearables allerdings auch wieder ganz neue Möglichkeiten, die klug genutzt einen echten Wettbewerbsvorteil darstellen können. Die neuen Geräte erfordern aber auch eine neue Art von Nachdenken über Design und Inhalte. Mit einer reinen Adaption des Wissens über Design auf Smartphones ist es nicht getan. Wenn das aber gelingt, könnten genau diese Geräte in Zukunft die gleiche Entwicklung erleben, wie das Smartphone in den letzten 10 Jahren.

 

Aufmacherbild: smart tv von Shutterstock.com / Urheberrecht: Rasulov

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