85 Prozent aller deutschen Haushalte mit Breitbandanschluß

Ist Deutschland fit für's schnelle Web?
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Die BITKOM hat verkündet, dass Deutschland in Europa einen Spitzenplatz beim Breitbandausbau belegt.

Obwohl es nicht zu unserem klassischen Themengebiet gehört, haben wir eine Meldung, die für uns alle wichtig ist. Schon alleine deswegen, weil unsere tägliche Arbeit darin besteht, das Web zu gestalten. Es ist also unabdingbar, dass es dort draußen Nutzer gibt, die über einen Internetanschluss verfügen.

Passend dazu hat die BITKOM heute verkündet, dass sich Deutschland in der europäischen Spitzengruppe beim Breitbandausbau befindet. Der Verband stützt sich dabei auf Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat.

85 Prozent der deutschen Haushalte sollen im Jahr 2013 schnelles Internet nutzen, so heißt es in der heute veröffentlichten Mitteilung des Verbands BITKOM. Damit befindet sich Deutschland auf Platz fünf des europäischen Rankings und muss sich – bisher zumindest – nur dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden, Dänemark (je 87 Prozent) und Finnland, Spitzenreiter mit 88 Prozent, geschlagen geben. Aktuell fehlt noch Schweden, da für das Land noch keine Zahlen vorliegen – 2012 hatten allerdings bereits 87 Prozent der dortigen Haushalte einen Breitbandanschluss.

Auf den ersten Blick klingt das nach einem durchaus beachtlichen Erfolg. Vor allem, wenn man sich die Entwicklung der vergangenen Jahre vor Augen führt. So lag in Deutschland 2003 die Verbreitung bei gerade einmal 9 Prozent – fünf Jahre später, 2008, lagen wir mit einer Verbreitung von 55 Prozent abgeschlagen auf dem neunten Platz in Europa.

In Deutschland, so die BITKOM weiter, verfügen mehr als 99 Prozent aller Haushalte mit Internetzugang über Anschlüsse mit einer Bandbreite von mindestens 1 Mbit/s, mehr als 90 Prozent erreichen mehr als 6 Mbit/s.

Angesichts solcher Zahlen wirkt der im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen der CDU, CSU und der SPD festgelegte Kurs wie ein Hohn. Dort heißt es (Seite 35, Breitbandausbau), dass Regionen, die nicht mindestens eine Daten-Geschwindigkeit von 2 Mbit/s haben, so schnell wie möglich erschlossen werden sollen. Einzig der Vorsatz für die Zukunft ist etwas näher an der Realität:

Bis zum Jahr 2018 soll es in Deutschland eine flächendeckende Grundversorgung mit mindestens 50 Mbit/s geben.

Betrachtet man die aktuellen Angebote der Telekommunikationsanbieter, dann dürften die Zahlen bis zum Jahr 2018 ebenfalls bereits als überholt gelten. Schon heute locken Provider potenzielle Kunden mit Verträgen, die Datenübertragungsraten zwischen 50 oder 100 Mbit/s bieten.

Der Bedarf ist vorhanden – und steigt. Wenn man sich die aktuellen Entwicklungen im Home-Entertainment-Sektor ansieht, entdeckt man, dass sich Video- und Musik-Streaming-Dienste immer größerer Popularität erfreuen und mittlerweile für einen nicht unbeträchtlichen Anteil des Gesamtdatenvolumens verantwortlich sind.

Hinzu kommen dank des Internet of Things vollkommen neue Nutzungsmöglichkeiten auf uns zu, die das Telekommunikationsnetz über kurz oder lang ebenfalls abdecken muss. Und sei es nur das Versenden von Spam-Mails durch den eigenen Kühlschrank.

Nicht zuletzt gilt: „flächendeckend“ ist Definitionssache. Ebenso wie die Definition des Terminus Breitband. Wenn wir auf die eingangs erwähnte Eurostat zurückzukommen, dann ist dort im Glossar nachzulesen:

[…] Als Breitband-Telekommunikationsleitungen oder –verbindungen gelten Telekommunikationsleitungen oder –verbindungen, über die Daten mit hoher Geschwindigkeit übertragen werden, d. h. mit einer Upload- und Download-Geschwindigkeit (auch als Kapazität bezeichnet) von mindestens 144 kbit/s (Kilobit pro Sekunde oder kbps).

Die gebräuchlichsten Technologien für den Breitband-Internetzugang sind DSL (Digital Subscriber Line – digitaler Teilnehmeranschluss) und Varianten von DSL (z. B. xDSL) sowie Kabelanschlüsse über Kabelmodems (bei denen die Übertragung an den Rechner über das Kabelfernsehnetz erfolgt).

144 kbit sind zweifellos genug, um Wikipedia-Seiten in mehr oder weniger annehmbarer Geschwindigkeit abzurufen. Bei aufwändigeren Websites und Webangeboten wie YouTube und Co. dürfte diese Geschwindigkeit dagegen für mehr Frust als Lust am Web sorgen.

Wie dem auch sei – wir bewegen uns immerhin nach vorne und liegen gesamteuropäisch betrachtet deutlich über dem Durchschnitt. Die Interpretation der Daten möchte ich dabei dem einzelnen selbst überlassen. Nur eines ist sicher: Unsere Kunden können uns erreichen. So viel steht fest.

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